- noch dazu in einem offenen Wagen keineswegs nach dem Geschmacke des jungen Ex-Lieutenants , der - jedenfalls in Folge der ungeheuren Strapazen auf dem Exerzierplatze und bei den Paraden - sehr an Rheumatismus litt und eine Erkältung wie die Pest fürchtete . Er wählte also von den zwei Uebeln , sich dem Verdacht der Gleichgültigkeit , oder der Gefahr einer Erkältung auszusetzen , das kleinere und drohte nur , daß er von der Größe seines Schnupfens morgen früh die Größe der Strafe für Jean ' s Nachlässigkeit werde abhängen lassen . Es war deshalb eine nicht unbedeutende Beruhigung für Jean , als sein Herr am nächsten Morgen ( man hatte die nächtliche Ruhe des Schlosses so wenig wie möglich gestört und sich von einem der herausgepochten Bedienten die schon längst bereit stehenden Zimmer anweisen lassen ) mit sehr guter Laune erwachte , seinen Cacao wie gewöhnlich im Bett zu trinken begehrte und nachdem er sich halb hatte ankleiden lassen - die zweite , wichtigere Hälfte besorgte er eigenhändig - ihn fortschickte , um Herrn Timm , dessen Anwesenheit auf dem Schlosse er erfahren hatte , bitten zu lassen , ihn auf ein paar Minuten auf seinem Zimmer zu besuchen . Ah voilà , lieber Timm , wie geht es Ihnen ? sagte Baron Felix , das letzte Wort auffallend markirend , als der Angeredete bald darauf eintrat . Sie entschuldigen , daß ich Ihnen so früh lästig falle : aber ich - zum Teufel , nun hat der Esel von Jean wieder heißes statt warmes Wasser gebracht - entschuldigen Sie ! - Jean , warmes Wasser , Nilpferd ! - nun sagen Sie , wie geht es Ihnen , lieber Timm ? freue mich , Sie hier so zufällig zu treffen . Wie geht es Ihnen ? und der Baron streckte dem Angeredeten einen der Finger seiner linken Hand , die er eben abgetrocknet hatte , entgegen . Danke , Baron , passabel ! sagte Albert , den dargebotenen Finger sehr flüchtig mit etwa zwei Fingern seiner Hand berührend ; ich glaubte schon , Sie würden mich gänzlich vergessen haben . Bewahre , sagte Felix , freute mich , wie gesagt , heute Morgen sehr , als Jean mir die Gesellschaft hier herzählte , und ich Ihren Namen hörte . Aber wie gottvoll Sie sich in Civil ausnehmen ! wirklich gottvoll , auf Ehre ! und Felix blieb , eine Bürste in der einen und einen kleinen Toilettenspiegel in der andern Hand , vor Albert stehen , ihn von Kopf bis zu den Füßen wie ein fremdes merkwürdiges Thier ansehend . Meinen Sie ? sagte Albert trocken ; freut mich , kann Ihnen leider das Compliment nicht zurückgeben , da ich erst die folgenden Stadien Ihrer Toilette abwarten muß . Aber das Eine kann ich Ihnen sagen - jünger sind Sie unterdessen nicht geworden . Haben Sie nicht noch eine Cigarre ? Dort auf dem Tisch ! sagte Felix ; in dem Ebenholzkästchen - Sie müssen die Feder nach unten drücken - nicht jünger geworden ? aber hoffentlich doch auch nicht älter , ich meine auffallend - zum wenigsten erfreue ich mich , wie Sie sehen , noch meiner sämmtlichen Zähne und zum mindesten fünf Sechstel meiner Haare - und Felix bürstete mit unendlichem Wohlgefallen die allerliebsten kurzen braunen Locken , die noch ziemlich üppig seinen wohlgeformten Kopf bedeckten . Nun , mit den Haaren mag ' s noch gehen , sagte Albert , der jetzt auf einem Sopha Platz genommen hatte und den vor dem Spiegel eifrig beschäftigten Felix mit heimlicher Schadenfreude musterte ; aber wo haben Sie nur alle die Falten in Ihrem Gesicht her bekommen ? die scharfe Morgenbeleuchtung ist wirklich nichts mehr für Sie . Ich machte Ihnen früher das Compliment , Sie hätten eine frappante Aehnlichkeit mit Byron ; aber jetzt sehen Sie wenigstens wie Byron ' s Vater aus . Und dann - Sie waren niemals durch Fülle ausgezeichnet , jetzt sind Sie auf ein Minimum reducirt . Je schlanker , desto eleganter , meinte Felix ; und übrigens kommt das wieder ; ich wurde in der letzten Zeit etwas knapp gehalten . Das alte Leiden ? Nun , wenigstens eine neue Auflage . Vermehrt und verbessert ? Es ging noch ; aber damit ist es jetzt vorbei . Wir sind solid geworden ; wir werden uns zur Ruhe setzen - wie finden Sie diese Beinkleider ? ist es nicht eine geistreiche Combination des militairischen und des Civilschnitts ? ganz meine Erfindung ! - wir werden heirathen - Das sollten Sie bleiben lassen , Baron ! Weshalb ? Wenigstens sollten Sie eine ältere , verständige Dame heirathen . Weshalb ? Weil Sie , fürchte ich , über kurz oder lang doch einer mütterlichen Freundin bedürftiger sein werden , als einer anspruchsvollen jungen Gemahlin . Pah , mon cher , ich habe die Ehre , aus einer Familie zu stammen , in der man ungestraft lüderlich sein darf . Ein bischen Rheumatismus - das ist das Aeußerste . Was sagen Sie zu diesem Rock ? Gar nichts ; Sie wissen , ich war nie ein Kenner in diesen Dingen . Freilich , Sie waren stets das unsaubere Gefäß , in welches sich die Schale des Zorns unseres guten Obristen leerte . Wissen Sie , daß sich der arme Teufel erschossen hat ? Nein , weshalb ? Weil er die Schande nicht hat überleben wollen , daß bei der letzten großen Parade die zweite Compagnie mit Tuchhosen statt mit weißen Hosen angerückt kam , und er deshalb vom Commandirenden ob dieser » Schweinerei « einen fürchterlichen Rüffel besah . Gott hab ' ihn selig ! Amen . Apropos ! wie lange sind Sie denn schon hier auf Grenwitz ? ich höre seit Wochen ; da müssen Sie die Gesellschaft ja aus- und inwendig kennen . Ja , was ich eigentlich wissen wollte : Wie befindet sich denn mein würdiger Onkel und meine vortreffliche Frau Tante ? und wie hat sich denn meine Cousine - haben