ihr Gesicht . » Verzeiht mir ! « sagte Clara ; » ich würde Euch die Kränkung dieser Rede erspart haben , wenn es nicht hätte geschehen müssen , Euch Schlimmeres zu ersparen . Ihr dürft diesen Schritt nicht thun ! « Elisabeth richtete sich groß und feierlich nach einer langen Pause auf . Mit Hoheit sagte sie : » Ich werde diesen Schritt thun und wenn man mir nicht selbst gestattet mit sicherem Geleit gen Augsburg zu reisen , so werde ich Stephan Tucher ' s Vermittlung annehmen . Wenn ich ein Mittel habe , einen Unschuldigen zu retten , und nütze es nicht , dann bin ich vor Gott und mir selbst die verworfene Mörderin , zu der dieser hochweise Rath vor der Welt mich machen möchte . Der Schein hat mir stets weniger gegolten als das Sein , und wo ich ihn bewahren wollte , da ist er mir und andern nur zum Fluch geworden ! - Der Propst Kreß , « fragte sie später , » sagtet Ihr , sei sein Oheim ? Ich muß ihn noch heute sprechen , er wird mich näher über Ulrich unterrichten können - vielleicht mich zum Könige begleiten . « Noch war Clara bei Elisabeth , als Martin und Georg Behaim kamen , begleitet von Stephan Tucher , seinem Vater und auch dem andern Loosunger Herrn Holzschuher . Was wollten die beiden Loosunger bei ihr mit der freundlichen Amtsmiene ? Sie richtete sich stolz empor und trat ihnen mit imponirender Würde entgegen . Die beiden alten Herren verneigten sich , küßten Elisabeth ' s Hand und Georg sagte : » Heute ist ein Tag , an dem die Behaim endlich gerächt und gerechtfertigt worden . Der Ritter , der uns so frech bestohlen , hat durch das Schwert geendet , und durch ihn hat es sich sichtbar gezeigt , wie die Heiligen noch Macht haben , das Werk der Teufel zu zerstören und an ' s Licht zu bringen und gut zu machen , was die Gottlosen beschlossen hatten böse zu machen . « » Ihr werdet gerechtfertigt sein und Euer seliger Eheherr gerächt ! « sagte der alte Herr von Tucher . » Wir kommen selbst zu Euch , um die Ersten zu sein , Euch dazu unsern Glückwunsch zu bringen und Euch unserer Ehrerbietung zu versichern . « Sie meinten Elisabeth in einen Freudensturm ausbrechen zu sehen oder ein Wort des Dankes von ihr zu erhalten - aber sie sagte ruhig , als habe sie diese Ueberraschung längst erwartet : » Ich war auch nahe daran zu verzweifeln an diesem hochedlen Rath von Nürnberg , der ohne Ursache und Recht es wagen konnte , die Wittwe eines ihrer Mitglieder unglimpflich zu behandeln . « Herr Holzschuher biß sich in die Lippen ; er meinte , daß sie doch außerordentlich glimpflich mit einer Verdächtigen verfahren seien - sie hatten ihr Gefängniß und Tortur erspart ! Und nun erzählte Herr Tucher in langer förmlicher Rede , wie Katharina auf der Folter endlich Alles eingestanden , was sich wirklich ereignet hatte - wie sie geglaubt , das Gift , das ihr die alte Jacobea gegeben , sei nur ein Schlaftrunk . Man habe sich dieser bemächtigen wollen , aber sie sei nicht aufzufinden gewesen . Der Ritter von Weyspriach hatte dieselbe Jacobea als Hehlerin , Kupplerin und Giftmischerin angegeben , wie auch , daß sie in einer Waldhöhle , die er genau beschrieb , einen Schlupfwinkel habe für sich und geraubtes Gut . Dort hatte man sie aufgegriffen . Zwar hatte es lange gedauert , ehe sie gleich Katharinen bekannte , aber endlich hatte sie doch die Folter nicht länger ertragen , die ganze Wahrheit war an den Tag gekommen und dadurch Elisabeth ' s Unschuld . Beide Frauen wurden zu einem schimpflichen Tode verurtheilt : sie sollten gesackt werden und von der Brücke in die Pegnitz geworfen - um auch durch diese Todesart die venetianische Gesetzgebung nachzuahmen . Durch Elisabeth ' s Fürsprache für Katharina ward es erlangt , daß sie ihren Sohn Konrad vor ihrem Tode noch sollte sehen dürfen . Elftes Capitel Des Narren Gnadenspende Das Schrecklichste war Ulrich geschehen : er war ausgestoßen aus dem heiligen Bruderbund der freien Steinmetzen , dem er seine ganze Seele und sein ganzes Leben geweiht hatte - was nun noch geschehen mochte , kümmerte ihn nicht mehr . Ob er lebendig begraben werden und verhungern sollte , vielleicht in demselben grauenvollen Gewölbe , dem er seinen Vater entrissen ; ob er bestimmt war , auf einem Holzstoß zu enden , ein Opfer unseliger Vorurtheile - welche Marter und Qual man sonst für ihn ausgesonnen , das ließ ihn gleichgültig . Die gräßlichste Marter hatte er erlebt - das war da gewesen , als man in der Bauhütte ihn verurtheilte und sich von ihm lossagte , als jeder Baubruder einzeln und auch sein Freund Hieronymus zu ihm sagen konnte : » Ich habe keinen Theil an Dir ! « Für ihn schien es kein Wesen mehr zu geben , das Theil an ihm hatte ! Auch der Propst Kreß , sein Ohm , mußte sich von ihm gewendet haben . Während seiner Verurtheilung war er wieder krank und nicht mit in der Hütte gewesen ; aber wie Ulrich erfuhr , hatte der Propst über Ulrich ' s Herkommen , das dieser allerdings selbst verrathen , die ausführlichste Aufklärung gegeben , in der Bestürzung , in die er gerathen , als er fand , daß die längst geführte Untersuchung nun nicht mehr zu unterdrücken war . Sich selbst stützte er außer auf seine geistliche Würde auf das Recht des Stärkeren , das Amadeus und Ulrich gegen ihn geübt , und dem er unterlegen sei . So war ihm der Propst ein freundlicher Gönner im Glück , ein Beistand und Berather auch in der Noth gewesen , so lange er sie glaubte von Ulrich und sich abwenden zu können ; aber da trotz seiner Warnungen und Versuche , dem Unheil zu begegnen , es