Bereitwilligkeiten « , auch » die Absicht , den nähern Bescheid abwörten zu wollen « , unterbrechen mußte und die Thür öffnete , die zum Corridor führte , und nun wieder mit Herrn Schnupphase zu complimentiren hatte , wer zuerst ginge , da warf sie noch einen Blick gen Himmel ... Er war gemischt aus Kummer und schon wieder doch - aus der seligsten Freude : Diese Bürden - wie sind sie so schwer und dennoch - wie wär ' ich unglücklich , wollte sich jemand unterstehen , sie mir abzunehmen ! Bonaventura und der Dechant waren allein . Mein Sohn ! rief der Greis jetzt ausbrechend und mit der ganzen zurückgehaltenen Kraft seiner Furcht und Aufregung , mein Sohn ! Was ist das ? Er warf sich dem jungen Priester mit einer Leidenschaft , die dieser an ihm nie gekannt , an die Brust . Was kann , was soll dir beschieden sein ! fuhr er fort . Auch dich wollen sie haben ! Auch dich wollen sie in ihre Strudel ziehen ! Wir gehen den trostlosesten Verwirrungen entgegen - o mein Sohn ! Mein Sohn ! Folge diesem Briefe nicht ! Ich beschwöre dich ! Widerstehe ! Wie kann ich ? erwiderte Bonaventura und erinnerte den Greis an die allbekannte Stellung des Kaplans Michahelles . Dieser hatte einfach und kurz geschrieben : » Hochwürdigster Herr ! Im Auftrage Sr. Eminenz soll ich Sie ersuchen , ihm binnen acht Tagen persönlich Ihre Aufwartung zu machen . Ihr hochachtend ergebenster Eduard Michahelles . Alles zur größern Ehre Gottes . « Das Losungswort der Jesuiten ! sagte der Dechant mit tiefster Erbitterung . Bona ! Bona ! - es würde den Rest meiner Tage kürzen ... Theurer Onkel ! unterbrach der Pfarrer und umarmte den Dechanten . Warum diese Sorgen ! Man beruft mich zu irgendeinem harmlosen Auftrage ! Der Kirchenfürst ist aus unserer Heimat gebürtig ! Er kannte den Vater ... Sein Arm ist gewaltig , sein Wille stark - Bona ! Es ist mir , als säh ' ich dich von mir geschieden ! Geistig geschieden ! Ich werde prüfen und nur das Gute behalten ! Sie werden deine Liebe zur Religion mit einem neuen , dir fremdartigen , verfälschten Stoffe schüren ! Sie werden dich in ihre Bahnen reißen , die Bahnen der Zerstörung , des Kampfes , der Auflehnung gegen Gesetz und Obrigkeit , des Kampfes gegen das theuere Vaterland ! ... Priesterberuf ! Die Kirche ! Rom ! Das werden die Formeln werden , die deine Ueberzeugungen binden , deinen Willen gefangen nehmen - Bona ! Der junge Priester zuckte die Achseln und deutete auf den Brief ... Du - mußt - folgen ! sagte der Dechant endlich wie tonlos . Sicut cadaver estote ! Ihr sollt sein wie die Leichname ! ... Lebe wohl Beide gingen ... sie gingen erst noch zusammen . Der Dechant nahm schon jetzt Abschied von dem jungen Priester , den , wenn er wahr sein wollte , der Ruf des Kirchenfürsten in die außerordentlichste Aufregung versetzte , ja bis zur Begeisterung erhob . Um den Greis zu trösten , sagte er : Fiat lux in perpetuis ! Wie ? blickte der Dechant auf und sah ihn auf dies Wort betroffen an . Es war die Losung der aus Italien gekommenen Aufforderung ... Doch ruhig und harmlos hielt Bonaventura des Greises Frage aus . Der Dechant sah , daß diese Worte nur durch einen Zufall gesprochen wurden . Am Hause unten trennten sie sich ... Herrn Maria fesselten Windhack und das Frühstück ... Den Dechanten hielt eine Weile noch der nun angekommene froh scherzende und grüßende Napoleone Biancchi auf . Catone trug ein Bret voll Gipsabgüsse , frisch gefüllt , und unter den Heiligen stand ein Apollino , stand der Knabe mit dem Schwan , stand Dannecker ' s Ariadne ... Alle Jahre brachte Napoleone dem Dechanten irgendetwas , was seinen Geldbeutel in Contribution setzte und Frau von Gülpen für die Unterbringung in den schon überfüllten Räumlichkeiten neue Sorgen machte ... Der Dechant beschied den alten Bekannten , gezwungen freundlich , auf den Nachmittag und wandte sich zum Dome von St.-Zeno , während Bonaventura auf dem Wege zu dem Weinberg des Obersten bereits hinter den Bäumen verschwunden war . 11. Inzwischen war Lucinde nicht müßig gewesen . Eine Weile hatte es gedauert , daß das Billet der Frau von Gülpen sie so niederschmetterte , wie vor Jahren einst der Tod Serlo ' s an jenem Abend , als sie in ihm den einzigen Menschen zu finden hoffte , der für sie noch auf der Welt tröstend leben konnte . Eine Weile hatte sie sich gesagt : Du gehörst denn also wirklich zu den Unglücklichen , die keine Ruhe im Leben finden werden ! Zu den Gezeichneten , vor denen alles flieht ! Zu denen , die gehaßt werden , wo sie lieben , falsch erscheinen , wo sie voll Vertrauen sich hingeben ! Zu den Unglücklichen , vor denen die Mütter ihre Kinder wegziehen , weil sie glauben , schon ihre freundliche Anrede thäte ihnen Leids , ihr Auge schon hätte den bösen Blick , der Verderben bringt ! Zu den Unglücklichen , die , was sie auch im Leben beginnen , nie und keinem etwas recht machen können , immer eine andere Absicht haben sollen , als sie aussprechen oder zeigen , ... ach und denen die Natur selbst schon , grausam genug , wirklich auch die Hand des Ungeschicks gegeben hat , die alles fallen läßt , was sie angreifen , alles nur noch mehr verwirrt , was sie lösen möchten ! Sie kämpfte zwischen zwei Rathgebern und Beiständen jetzt ... Bonaventura oder Beda Hunnius ... Jener war gestern , auch vorgestern , so freundlich und so gut gewesen ... Ihr einziges Lebensziel , in dieses Priesters Nähe und Vertrauen , im Abglanz seines Lichts zu leben , und wär ' es als Magd ... es war ihr wieder in so unmittelbare Nähe gerückt ... Und doch auch er