ich werde wieder eingeschlossen und soll nicht wieder nach Haus dürfen zu der alten Frau Fischer , die ich so lieb gehabt ? « » Wir wollen sehen , was sich machen läßt , « entgegnete der Mann . » Heute kann ich nichts für dich thun , aber sei ruhig und verständig , so will ich an dich denken , das verspreche ich dir . « - Damit winkte er der Frau Schwemmer , ihm zu folgen , und verließ das Gemach . Draußen auf dem Gange blieb er stehen und sprach zur Hauswirthin , die gefolgt war : » Ich will Euch nur sagen , daß ich öfters hier Inspektion halten werde ; das ist ja eine wahre Schande , wie Ihr Eure Sachen betreibt . Habt Ihr denn keine Furcht , daß Euch einmal der leibhaftige Teufel holt ? - Weib ! Weib ! so was ist mir noch nie vorgekommen . Nehmt Euch in Acht ! - Und jetzt laßt die Bilz da bei dem Kinde und sorgt ihr Beide für den armen Wurm , was zu sorgen ist ; nehmt Euch aber in Acht , daß ich von dem Zimmer kein lautes Wort mehr vernehme , keinen Schrei oder dergleichen . Glaubt mir , ich habe feine Ohren und will sie offen halten . « Damit ging er in die vordere Stube . Das Weib blickte ihm einen Moment mit unsicherem Blicke nach , dann schwankte sie zurück in den Stall und sagte dort zu der Frau Bilz , die sich über das Kind niedergebeugt hatte : » Ihr solltet eine Stunde da bleiben und nach ihm sehen . Wenn Ihr was braucht , so könnt Ihr ' s meinetwegen haben . Aber macht mir keine unnöthigen Kosten , da ist doch nichts mehr zu helfen , das müßt Ihr selbst einsehen . « Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer wieder und taumelte in ihre Küche . Die Frau Bilz , die zurück blieb , schüttelte den Kopf und sagte still für sich , indem sie das Kind betrachtete : » Nein , nein , da ist mit allen Schätzen der Welt nicht mehr zu helfen . « Doch sah sie umher , und als sie am Ende des Schragens ein altes wollenes Tuch erblickte , nahm sie es auf , faltete es zusammen und schob es dem Kinde unter das Köpfchen , das noch einmal seine Augen aufschlug und die Frau mit einem seltsamen Blicke anstarrte . Das kleine Kind hatte schöne blaue Augen , und als es so in die Höhe sah , waren sie von einem eigenthümlichen Ausdrucke beseelt ; es war das letzte Aufflackern der Lebensgeister , welche noch einmal in den bis jetzt so matten Blicken glänzten und unendlich viel sagen zu wollen schienen . Es war wie eine schmerzliche Anklage über sein elendes , armes Leben , oder auch wie ein Dank für die Hilfe , welche ihm die Frau in diesem letzten Augenblicke geleistet . - Das dachte diese sich auch , als sie es betrachtete und diesen ersterbenden Blick bemerkte . Er drang in ihr Herz und preßte es krampfhaft zusammen . Sie seufzte tief und schmerzlich auf , als nun das Kind zum letzten Male den Athem von sich blies und darauf die Augen gläsern wurden und aussahen , als habe die Hand des Todes plötzlich einen weißen Staub darauf gestreut ; da beugte sie sich tief herab auf die kalte Stirne , und nachdem sie lange so gelegen , glaubte sie , es erwärme sich wieder . Aber es waren nur ihre eigenen heißen Thränen , die über die kalten Wangen und blauen Lippen der kleinen Gestorbenen herab rannen . - - - - Sie kannte dieses Kind wohl , aber bis zu dem jetzigen Moment war ihr das kleine Geschöpf gänzlich bedeutungslos gewesen , wie so viele dieser armen Kinder , die schon durch ihre Hände gegangen waren . Nun aber trat vor ihr inneres Auge der Anfang und das Ende dieses kleinen armseligen Lebens . Und der Kontrast desselben war fürchterlich . - Ja , sie hatte dieses Kind gekannt , sie hatte es gesehen , hatte es in ihren Armen gewiegt , nachdem es erst wenige Tage alt war . - Es war das eine eigenthümliche Geschichte , die , obgleich sie nicht neu ist , doch Jedem , der sie hört , das Herz erbeben macht , - namentlich Anfang und Ende . Die Mutter dieses Kindes war ein reizendes , frisches , blühendes Mädchen , die Tochter bemittelter Eltern ; der Vater war ein reicher und vornehmer junger Mann . Beide sahen sich zufällig , er zeichnete sie aus , er ritt auf prächtigen Pferden bei ihrem Fenster vorbei , und sie , ohne auf die Ermahnung ihrer Eltern zu hören , lächelte ihn an , blickte ihm nach und gewährte ihm endlich heimliche Zusammenkünfte , wie das in der Welt so der Brauch ist , und wie man es anfänglich als nichts Schlimmes betrachtet . - Da kam eines Tages der Fasching mit seiner tollen Lust und Freude , mit seinen Bällen , Maskeraden und sonstigen Vergnügungen , welche das Herz betäuben und die Sinne aufregen , und in einer Nacht besuchte das Mädchen im reizenden Maskenanzug einen jener Bälle , wohl unter der Aufsicht einer befreundeten Familie , aber sehr entschlossen , sich dieser Aufsicht so bald als möglich zu entziehen . - Und das that sie denn auch ; er hatte für ein heimliches Winkelchen in der Nähe gesorgt , wo sie unbemerkt zusammen sitzen , wo sie über Liebe plaudern und feurige Küsse austauschen konnten . - Sie befanden sich in einem reichen Kabinete und saßen neben einander auf schwellenden Kissen von schwerem krachendem Seidenstoffe ; des Mädchens Augen blitzten , ihre Wangen waren sanft geröthet von einem Trunke feurigen Weines , den sie aus seinem Glase nehmen mußte ; Spiegel und Vergoldungen bedeckten die Wände , - es war das ein Moment der Herrlichkeit