bald von den Napoleoniden , bald von den Habsburgern gesprochen , ereignete es sich einst , daß die Königin-Mutter aus Neapel , eine alte Frau mit vielen Dienern und Schachteln , einige Tage sich in unserer Stadt aufhielt . Sogleich geriet Römer in eine große Aufregung , lenkte auf Spaziergängen unsern Weg an dem Gasthofe vorbei , wo sie logierte , ging in das Haus , als ob er mit der Dame , die er als sehr intrigant beschäftigt und seinetwegen hergekommen schilderte , wichtige Unterredungen hätte , und ließ mich lange unten warten . Doch bemerkte ich , daß er sich nur an dem geheimsten und zugleich zugänglichsten Ort des Hauses aufhielt , welches ein unangenehmer Duft verriet , den er an die frische Luft mit sich brachte . Diese Narrenpossen , von einem Manne mit so edlem und ernstem Äußern , empörten mich um so mehr , da sie mit einer lächerlichen Listigkeit betrieben wurden . Ein andermal , nach dem Straßburger Attentat , als Frankreich die Auslieferung des Urhebers Louis Napoleon verlangte , mit Gewalt drohte und deshalb zum Schutze des Asylrechtes oder vielmehr des Bürgerrechtes eine große Aufregung herrschte und sogar schon Truppen aufgeboten wurden , stellte er sich , als ob Thiers nur nach seinen , des Schweizers , Vorschriften handelte und das Ganze nur ein berechneter Zug in seinem großen Schachspiele wäre . Dazumal hielt sich der besagte Prinz zwei Tage in der Stadt auf , um seine Angelegenheit auch in unserm Kanton zu empfehlen ; denn er hatte sich noch nicht entschlossen , freiwillig das Land zu verlassen . Wir trafen ihn auf der Straße als einen jungen bleichen Mann mit einer großen Nase , der in Begleitung eines ältern Mannes ging , welcher ein rotes Bändchen im Knopfloch trug . Die Leute blickten ihm ernsthaft nach , besonders die Frauen sahen gar bedenklich darein , da ihre Männer und Söhne schon in Waffen umhergingen und bereits stundenlang im Regen standen , um zum Abmarsche Pulver und Blei , Äxte , Kessel und dergleichen zu fassen . Nur Römer fühlte von allem nichts und grüßte im Vorübergehen den Fremdling vertraulich lächelnd wie ein ebenbürtiger Vornehmer , wobei ich zugleich bemerkte , daß er vor Aufregung zitterte , einem Napoleoniden so nahe zu sein . Wenn ich den Wahnsinn verzeihen und tragen mußte , so konnte ich hier die innere Ursache nicht verzeihen , welche demselben zugrunde zu liegen und nichts anderes zu sein schien als jene unerträgliche Sucht eitler Menschen , von der wesentlichen und inhaltvollen Einfachheit der Heimat abzufallen und dem lächerlichen Schatten ausländisch-diplomatischer Klug- und Feintuerei nachzutrachten . Die aufbrausende Jugend war dazumal so schon erzürnt über einige gereiste Gelbschnäbel , welche sich eine Zeitlang darin gefielen , in dem läppischen Stile müßiger Gesandtschaftsbedienter Berichte über unsre Heimat in fremde Blätter zu senden und sich dabei das Ansehen zu geben , als ob sie durch ihre Diplomatie dem Lande oder ihrer Partei wunder was genützt hätten . Als Römer sich ein Stückchen rotes Band an einem Frack befestigte und diesen wie von ungefähr auf einen Stuhl legte , schien er mir die zusammengezogene Erscheinung jenes verwerflichen Unsinnes zu sein , und ich ging mit großem Zorne weg und beklagte mich zu Hause über den Unglücklichen . Es waren gerade Leute da , welche mehr von ihm wußten , und ich erfuhr , daß es längst von ihm bekannt sei , daß er sich bald für einen Sohn Napoleons , bald für den Sprößling dieser oder jener älteren Dynastie halte . Von seinen einzelnen und ausführlichen Narrheiten wußten nur wenig Leute , hingegen hielt man jene fixe Idee für eine absichtliche Verstellung , um mittelst derselben sich ungehörige Vorteile zu verschaffen , andere ums Geld zu bringen und ein müßiges , abenteuerliches Leben zu führen , da er nicht gern arbeite und vom Hochmute besessen sei , und man schrieb ihm demzufolge einen gefährlichen Charakter zu . Diese Beurteilung war im höchsten Grade oberflächlich und ungerecht , und ich habe mit Mühe nach und nach folgenden Sachverhalt herausbringen können . Er war auf dem Lande geboren und als ein kleiner Junge nach der Stadt zu Habersaat gebracht worden , da er große Neigung verriet , etwas anderes zu werden als ein Ackerbauer . Es war in der Restaurationszeit , wo arme Bauernkinder , wenn sie etwas lernen wollten , nur die Wahl hatten zwischen einem Handwerk und einem Plätzchen in einem städtischen Gewerbe . Es war ein Glück für sie , wenn sie als Laufbürschchen in Handelshäusern , Fabriken oder Kanzleien ein Fleckchen fanden , auf dem sie Fuß fassen und , wenn etwas an ihnen war , sich aufarbeiten konnten . Da Habersaats Anstalt auch eine Unterkunft dieser Art war , obgleich eine schlimme , so geriet Römer ganz zufällig dahin , ohne viel zu wissen , was man aus ihm machen würde . Er war fleißig und hielt seine Zeit aus , nach welcher ihn ein französischer Kunsthändler , welcher durchreiste , um ein Werk schweizerischer Prospekte vorzubereiten , nebst einigen anderen jungen Leuten mit nach Paris nahm , indem der Mann dort die Habersaatsche Art , welche er sehr praktisch fand , anwenden wollte . Römer hielt sich tapfer ; nach wenigen Jahren hatte er eine artige Summe erspart , mit welcher er nach Rom ging , entschlossen , etwas Rechtes zu werden . Indem er sich umsah , ergriff er alsobald die englische Art , in Aquarell zu malen , hielt sich aber dabei gründlich an die Natur und verbesserte das Mittel durch einen reinern Zweck , so daß seine Arbeiten einiges Aufsehen erregten und er unter dem Zusammenfluß von Künstlern aller Nationen bald seine eigentümliche Stellung einnahm . Indessen suchte er sich auch sonst auszubilden und stellte sich endlich als ein feiner und unterrichteter Mann in jeder Weise dar . Seine geistreichen und zugleich eleganten Zeichnungen kamen besonders dem Bedürfnis der vornehmen Welt entgegen ; einer römischen Prinzessin gefielen sie so sehr , daß er berufen wurde