nicht voraus schwimmt , ist bald zurück gedrängt und aus Ufer geworfen . « War schon vorhin ihre Erscheinung geisterhaft , was mehr jetzt , als sie allein in der Mitte des Zimmers stand , das Ohr etwas geneigt nach der Thür . Sie horchte - sollte er nicht wiederkehren ? - Nein - keine Tritte mehr auf der Treppe , es hallte vom Flur - die schwere Hausthür öffnete sich . Ein Schlag dann , der sie durchschütterte . Aber sie blieb stehen , die Finger etwas krampfhaft zusammenziehend . - Warum blieb sie stehen ? - Unter den halb niedergeschlagenen Wimpern schielten ihre Augen umher . Warum schlug sie die Augen nicht auf , die sonst so durchdringend scharf in der Seele des Andern zu lesen schienen ? - Fürchtete sie sich vor der Leere im Zimmer ? Es war noch heller Tag . Es war etwas nicht , wie es sein sollte . Sie hatte eine andre Sprache , andre Mittheilungen erwartet . - Glatt wie ein Aal ! - Aber vielleicht trug sie selbst die Schuld ! Was hatte sie sich ihrer Bitterkeit überlassen ? Was interessirten ihn Adelheids Liebesverhältnisse ! - Darum war er zerstreut , brach plötzlich ab in Sinnen versunken ! - Sie athmete auf ; ihre Wange röthete sich etwas . - Aber - es war doch etwas nicht , wie es sein sollte . - Warum sprach der große , herrliche , seltene Mann nur in Räthseln , warum auch gegen sie die Hieroglyphensprache ? - - Hätte sie ihn falsch verstanden ? Er , vor dessen Augen die Hüllen der Menschen , der Dinge , in Krystall sich verwandelten , und er schaute bis in die Keime der Thaten und Gedanken , hatte er auch in ihr Inneres einen Blick geworfen und - In dem Augenblick knarrte die Thür , der neue Bediente , Christian , trat etwas ungeschickt herein , indem er , um die Thüre zu schließen , den Rücken zeigte . Der Rücken zeigte nur die Livree seines Vorgängers . Die Lupinus stieß einen Schrei aus , sie fuhr zusammen , wankte ; vielleicht wäre sie gefallen , wenn ihr Arm nicht die Lehne eines Stuhls erfasst hätte . - » Johann ! - ungeschickter Mensch - wie kann er mich erschrecken ! « » Aber gnädige Frau , ich komme ja nur , wie Sie befohlen - « » Er soll nicht hinterrücks hereinschleichen , Christian . Meine Nerven vertragen es nicht . « » Aber die Kinder , gnädige Frau , das Mädchen besonders , sie ächzen und piechen - ich glaube immer , denen hat ' s Einer angethan . « » Lügner ! - Unverschämter Verleumder ! « - Mit einem zornfunkelnden Blick schoß sie an ihm vorüber nach der Kinderstube . Der Bediente sah ihr kopfschüttelnd nach , und reckte sich dann in der Livree , die nicht ganz zu seinem breiten Rücken passte . Eine Naht riß : » Ich glaube , in dem Hause passt mir ' s so wenig als in dem Rocke . Solche Bälger zu bedienen , und eine solche Frau ! Ich weiß zwar nicht eigentlich , was Nerven sind , aber ich glaube , meine Nerven vertragen es auch nicht . « Als nach einer Viertelstunde die Geheimräthin zurückkehrte , lagerten seltsame Stimmungen auf ihrem Gesichte . Der Anblick der Kinder war gewiß ein widerwärtiger gewesen , der Schauder sprach sich deutlich aus , aber darüber war ein Ausdruck , wie ein Mondenstrahl , der durch zerrissen Gewölk über eine offene Gruft streift . Es fröstelte sie , sie machte eine Anstrengung , als wollte sie auf die Kniee fallen : aber - vielleicht versagten ihr die Kniee den Dienst , sie hob die Arme und rieb die Hände , als wollte sie sie zum Gebet falten . Auch das musste sich an etwas stoßen . Sie ließ die Arme sinken , und fiel selbst aufs Sopha . Hier den Kopf im Arm , flüsterte sie : » Es sind abscheuliche Kinder ! aber ich will mich zwingen , sie zu lieben - ich will sie pflegen , wie - wie - ich will ' s an ihnen gut machen . « Vierzigstes Kapitel . Bei Josty . Beim Schweizer Kuchenbäcker Josty unter der Stechbahn traten mehrere Offiziere in Gala-Uniform ein . Heller als das Gold und Silber ihrer Achselbänder und Schärpen leuchtete die Freude auf ihren Gesichtern . Zum Theil schien diese selbe Empfindung auch auf denen der Gäste aus dem Civil zu strahlen . Es war ein großer Fest- und Feiertag in Berlin . Die Gruppen von Neugierigen wollten den Schloßplatz und den Lustgarten noch nicht verlassen , obgleich in diesem Augenblick nichts mehr zu sehen war , als die Truppen , welche in ununterbrochenen Zügen in der Königsstraße und über die lange Brücke in die Friedrichsstadt zurückmarschirten . Aus den geöffneten Fenstern schallte ihnen noch manches Hallo ! und Vivat ! und Hurrah ! und manche geschmückte Dame wehte mit dem Taschentuch . Auch trugen der große Kurfürst und seine Sklaven Guirlanden und Kränze von den Blumen , die der späte Herbst in den Gärten darbot . Aber das Schauspiel war ein anderes als neulich das der durchmarschirenden Truppen . Diese waren nicht mit Staub bedeckt , an ihren Gamaschen klebte nicht der Koth der Landstraße ; sie funkelten im glänzendsten Paradeanzug und nur der Puder ihrer wohlfrisirten Haarlocken stäubte auf das dunkle Blau ihrer Monturen ; sie rückten auch nicht ins Feld , sondern kehrten von einer Paradeaufstellung zurück . Es waren die auserlesenen Regimenter Möllendorf , Knebel , Rheinbaben , die Grenadiere Prinz August von Preußen und die Gensd ' armen und Garde du Corps , die vom Schloß bis ans Thor eine große Chaine gebildet , um den einziehenden Kaiser Alexander zu empfangen . Wie viele Jahre waren es her , daß ein Selbstherrscher aller Reußen in die Thore Berlins eingezogen ! Wer ihn gesehen , den jugendlich strahlenden