Marie ? « sagte Heinrich , nahe an den Stuhl tretend , dessen Werfte vom letzten Schlag der Lade noch zitterte . » Freilich , die letzten drei Jahre haben mir hart zugesetzt ! Ich sehe fast so weiß aus wie ein Stück gut gebleichte Leinwand . « » Mein Gott , der Maulwurffänger ! « rief Marie freudig aus , stand auf und reichte dem Alten die Hand . » Tausendmal willkommen , wackrer Freund ! Nehmt Platz , nehmt Platz ! Dort hinterm Ofen steht ein Polsterstuhl . Ich bitt ' Euch , schiebt Euch den zu mir heran , denn - nichts für ungut , lieber Alter - ich muß noch ein halb Stündchen schaffen , sonst krieg ' ich nicht meinen Ziel . Und die Zeiten sind jetzt schlecht , man muß sich tüchtig rühren , will man sich ehrlich durchschlagen . « Eduard reichte nun dem Freunde seiner Aeltern ebenfalls die Hand zum Gruße und hieß ihn willkommen . Heinrich schüttelte sie derb und setzte sich dann zwischen beide Stühle , wo das Spulrad stand , auf ' s Treibebänkchen . » Laß gut sein , Marie , ich kümmere mich schon ! Ein Oertel , wie ich ' s brauchen kann , find ' ich immer . Laßt nur den Schützen schnellen , was er laufen mag , ich will mir gleich ' was zu thun machen - Geht ' s auch langsam , so dreh ' ich Euch doch noch ein paar Spulen ab , als hätt ' ich erst gestern das Geschäft aufgegeben . « Damit setzte der Maulwurffänger das Rad in Bewegung , steckte ein » Ledgen « 1 auf die Spille und drehte schnurrend seine Spule , das Garn accurat auf dem Rohr vor- und rückwärts leitend . Marie lächelte , ließ den Schützen wieder klirren und arbeitete mit sammt dem Sohne , bis das Tageslicht gänzlich erloschen war . In dieser Zeit konnte des heftigen Geräusches wegen das Gespräch natürlich nur in kurzen Pausen unterhalten werden . Als nun aber Marie den Webstuhl verließ , Feuer anschlug und die entzündete Lampe auf den Tisch stellte , ward die Unterhaltung lebhafter . Heinrich fragte nach Leberecht und wie es ihm gehe ? » Ich weiß nicht , wo er sich herumtreiben mag , « versetzte Marie . » Er hat heut die paar Körnchen Winterkorn gesät und nachher ist er fortgegangen , ohne zu sagen , wohin . « » Es wäre mir schon lieb , wenn er bald wieder käme , « meinte der Maulwurffänger , » denn ich habe ihm heut gar Mancherlei zu erzählen . Auch alte Freunde habe ich mitgebracht , die er schwerlich noch kennt . « » Ei wer könnte denn das sein ! « sagte Marie und sah mit ihren freundlichen Augen den Maulwurffänger fragend an . » Ja , das mußt Du errathen , Marie , « versetzte Heinrich mit verschmitztem Blinzeln - » Du hattest ja immer ein offenes Köpfchen , das die verfänglichsten Fragen zu beantworten wußte . « Eduard hatte indessen draußen Holz gespalten , um Feuer im Ofen anzuzünden . Er brachte jetzt die dünnen Scheite nebst einem halben Bündel Reissig herein und legte Beides vor den Ofen auf die rothen , reinlich gehaltenen Ziegel . » Der Vater wird gleich kommen , « sagte er . » Er steht unten am Wasser und discurirt mit dem Nachbar . Ich glaube , sie wollen heut ' Nacht noch ein paar Reußen stellen . « » Heut ' Nacht ? « fiel der Maulwurffänger ein . » Das soll ihm schon vergehen , wenn er mir zuhören will und meine Reisegefährten sieht ! Ja , ja , Marie , ich sage die reine Wahrheit ! Nicht umsonst bin ich in meinen alten Tagen die zwölf Meilen weit gelaufen , es hat ' was zu bedeuten ! Und wenn Du fein warten und hinterdrein schweigen kannst , so verheimliche ich Dir kein Wörtchen . « Indem trat Leberecht ein , die Jacke über der Schulter und eine Rodehacke in der Hand . » Guten Abend , « sagte er , ohne den Gast zu bemerken , der während seiner Abwesenheit angekommen war . Frau und Sohn erwiederten den Gruß , der Maulwurffänger aber schlug ihn mit flacher Hand auf die Schulter und sagte : » Alter , wollen wir zusammen noch einmal Sprenkel stellen ? Es ist mehr dabei zu gewinnen , als beim Fischfange . « Leberecht sah den Fremden ein paar Secunden ernsthaft an , dann schüttelte er ihm tüchtig die Hand und versetzte : » Weiß Gott , er ist ' s , der Schelm von Maulwurffänger ! Nun grüß ' Dich Gott , Bruderherz , und sei bedankt , daß Du wieder einmal an uns gedacht hast ! Nichts Neues draußen im Flachlande ? In der Haide ? « » Will ich meinen , « sagte der Maulwurffänger . » Just deswegen komme ich her , und wenn Du Willens bist , eine Liebe der andern werth zu halten , sollst Du genug erfahren , um ein paar Jahre lang keine Zeitung mehr in die Hände nehmen zu dürfen . « » Das wäre ! Was gibt ' s denn so Großes ? « » Leberecht , « versetzte Heinrich sehr ernst » wenn Deine Frau nichts dawider hat , und ich nehme das an , so würdest Du mir einen grausam großen Gefallen thun , wenn Du mich in die Schenke begleitetest . Dein Eduard kann auch mitkommen - wir werden ihn brauchen . Kosten soll Dich ' s übrigens nichts . - Unterwegs erzähle ich Dir , was Du wissen mußt , um eine Neuigkeiten zu verstehen , in der Schenke aber wirst Du mir Gleiches mit Gleichem vergelten ! « » Du hast Dich so lange nicht blicken lassen , « erwiederte Leberecht nach kurzem Schweigen , » daß ich Deinen jetzigen Besuch nur etwas Ungewöhnlichem zuschreiben muß . Ich bin nun zwar