könnte also leicht kommen , daß Dir etwas möglich wäre , was es darum mir noch nicht sein könnte , Du mußt dies bei Deinen Blicken in die Zukunft auch bedenken . Willst Du eine Lebensbahn mit mir wandlen , so wärst Du vielleicht veranlaßt , alles Bedürfnis Deiner Seele und Deines Geistes meiner Zaghaftigkeit oder vielmehr meinem Unvermögen aufzuopfern , denn ich wüßte nicht , wie ich ' s anstellen sollte , Dir nachzukommen , die Flügel sind mir nicht dazu gewachsen . Ich bitte Dich , fasse es beizeiten ins Aug und denke meiner als eines Wesens , was manches unversucht muß lassen , zu was Du Dich getrieben fühlst . Wenn Du auch wolltest manches Recht , was Du ans Leben hast , aufgeben , um mit mir zusammenzuhalten , oder besser gesagt , Du wolltest von dem Element , das in Dir sich regt , nicht Dich durchgären lassen , bloß um Dich meiner nicht zu entwöhnen ; das wär ja doch vergeblich . Es gibt Gesetze in der Seele , sie machen sich geltend , oder der ganze Mensch verdirbt , das kann in Dir nicht so kommen , es wird immer wieder in Dir aufsteigen , denn in Dir wohnt das Recht der Eroberung , und Dich weckt zum raschen , selbstwilligen Leben , was mich vielleicht in den Schlaf singen würde , denn wenn Du mit des Himmels Sternen Dich beredest und sie kühn zur Antwort zwingest , so würde ich eher ihrem leisen Schein nachgeben müssen , wie das Kind der schlummerbewegenden Wiege nachgeben muß . - Alle Menschen sind Dir entgegen , die ganze Welt wirst Du nur durch den Widerspruch in Deiner Seele empfinden und erfahren , keine andere Möglichkeit für Dich , sie zu fassen . Wo wirst Du je eine Handlung , weniger noch eine Natur treffen , die mit Dir einklänge ? - Es ist noch nicht gewesen und wird auch nie sein ( von mir will ich Dir nachher reden ) . Was andern Menschen die Erfahrung lehrte , wozu sie sich bequemen , das ist Dir der Unsinn der Lüge . Die Wirklichkeit hat als verzerrtes Ungeheuer sich Dir gezeigt , aber sie hat Dich nicht gescheucht , Du hast gleich den Fuß draufgesetzt , - und obschon sie unter Dir wühlt und ewig sich bewegt , Du läßt Dich von ihr tragen , ohne nur der Möglichkeit in Gedanken nachzugehen , daß Du einen Augenblick mit ihr eins sein könntest . Ich spreche von heute und mehr noch von der Zukunft ; ich wollte Dir wünschen , es kämen Augenblicke in Deinem Leben , wo Dir dieses Zusammenströmen mit andern Kräften gewährt wär . Erinnerst Du Dich Deines Traums auf der grünen Burg , den Du mir in der Nacht erzähltest , wo ich Dich weckte , weil Du sehr im Schlaf geweint hattest . Ein Mann , der zum Wohl der Menschheit - ich weiß nicht mehr welche Heldentat - getan hatte , sei zum Richtplatz um dieser großen Tat willen geführt worden . Das Volk habe in seiner Unwissenheit darüber gejubelt , und in Dir sei große Begierde gewesen , zu ihm aufs Schafott zu gelangen , aber der Streich sei gefallen noch kurz vorher , wie Du eben glaubtest , oben zu sein . Du kannst den Traum nicht vergessen haben , Dein schmerzlich Weinen bewegte mich mit , so daß ich kaum wagte , Dich zu erinnern , daß es nur ein Traum sei , aber dies war eben , worüber Du untröstlich warst . Du meintest , nicht im Traum sei Dir ' s gegönnt , das auszuführen , was in Deiner Seele spreche , vielmehr noch verzweifeltest Du an der Wirklichkeit . Damals , in der Nacht , habe ich gescherzt , um Dich ein wenig zu trösten , aber heute fühl ich mich bewogen , jene Frage , ob es nicht ein Verlust sei , nicht zusammen mit jenem Helden im Traum gestorben zu sein , wieder aufzunehmen ; ja , es war ein Verlust , denn das Erwachen , das Fortleben nach so bestandner Prüfung Deiner tiefen inneren Anlagen , die ja doch so selten in der Wirklichkeit sich bewähren und bestätigen , mußte Dir ein Triumph sein , einen Genuß gewähren , wenn es auch nur im Traum war ; denn im Traum scheitert die edelste Überzeugung wie oft . - Und ich stimme mit Dir ein , daß es ein Streich war , den Dir Dein Dämon spielte , aber ein Weisheitsstreich ; - wärst Du befriedigt worden im Traum , so wär Deine Sehnsucht , das Große getan zu haben , vielleicht auch befriedigt . Und was konnte daraus hervorgehen für Dich ? - Vielleicht jene nachlässige Zuversicht in Dich selber , was Savigny allenfalls Hochmut nennen würde ? - Nein , das wohl nicht , aber doch würde die Spannung wahrscheinlich nicht geblieben sein , die jetzt , ich wollt es wetten , bei der leisesten Anregung jener unerfüllten Sehnsucht sich wieder erneuen wird . Ich wollte Dir wünschen , Bettine ( unter uns gesagt , denn dies darf niemand hören ) , daß jede tiefe Anlage in Dir vom Schicksal aufgerufen würde und keine Prüfung Dir erlassen , daß nicht im Traum , aber in der Wirklichkeit Dir das Rätsel auf eine glorreiche Art sich löse , warum es der Mühe lohnt , gelebt zu haben . - Pläne werden leicht vereitelt , drum muß man keine machen . Das beste ist , sich zu allem bereit finden , was sich einem als das Würdigste zu tun darbietet , und das einzige , was uns zu tun obliegt , ist , die heiligen Grundsätze , die ganz von selbst im Boden unserer Überzeugung emporkeimen , nie zu verletzen , sie immer durch unsre Handlungen und den Glauben an sie mehr zu entwickeln , so daß wir am End gar nicht mehr anders können , als das ursprünglich Göttliche in uns bekennen