Weisheit verwandelt , wo Weisheit Wollust ist und diese Offenbarung wird . Diese Frucht ! Duftend , reif , niedersinkend aus dem Äther ! - Welcher Baum hat sie abgeschüttelt von den überreichen Ästen ? Während wir , Wange an Wange gelehnt , ihrer und der Zeit vergessen . Diese Gedanken , sind sie nicht die Äpfel , die der Baum der Weisheit trägt , und die er Liebenden in den Schoß schüttelt , die in seinem Paradiese wohnen und in seinem Schatten ruhen . - Damals war die Liebe in der Kindesbrust , die ihre Gefühle wie der junge Keim seine Blüten dichtgefaltet und verschränkt umschloß . Damals war sie ! - und ihrem Drängen dehnte sich der Busen und öffnete sich , ihre Blüten zu entfalten . * * * Ein Nönnchen wurde eingekleidet , eine andre haben wir begraben während den drei Jahren , als ich im Kloster war ; dem einen hab ich den Zypressenkranz auf den Sarg gelegt , sie war die Gärtnerin und hatte lange Jahre den Rosmarin gepflegt , den man ihr aufs Grab pflanzte ; sie war achtzig Jahre alt , und der Tod berührte sie sanft , während sie Absenker von ihren Lieblingsnelken machte , da hockte sie am Boden und hielt die Pflanzen in der Hand , die sie eben einsetzen wollte ; ich war der Vollstrecker ihres Testaments , denn ich nahm die Pflanzen aus der erstarrten Hand und setzte sie in die frisch aufgewühlte Erde , ich begoß sie mit dem letzten Krüglein Wasser , was sie am Madlenenbrünnchen geholt hatte , die gute Schwester Monika ! Wie schön wuchsen diese Nelken ! Dunkelrot waren sie und groß . - Da mich später der , der mich liebt und kennt , einer dunklen Nelke verglich , da dachte ich an die Blumen , die ich junges Kind aus der erstorbenen Hand des hohen Alters entnommen und eingepflanzt hatte , und ob es wohl so kommen werde , daß auch mich der Tod beim Pflanzen der Blumen überrasche ; der Tod , der triumphierende Herold des Lebens , der Befreier von irdischer Schwere . Aber jene andre Nonne , jung und schön , deren lange goldne Flechten ich auf goldnem Opferteller zum Altar trug : - ich hab nicht geweint , da man die alte Gärtnerin zu Grabe trug , obschon sie meine Freundin gewesen war und mir manche Gartenkunst gelehrt hatte . Es kam mir so natürlich vor und so behaglich , daß ich nicht einmal darüber verwundert war ; aber damals , als ich im Chorhemdchen mit einem Kranz von Rosen auf dem Kopf , mit brennender Kerze als Geleitengel , unter dem Geläute aller Glocken vor der in alle üppige Pracht gekleideten jugendlichen Braut Christi einherschritt ; da wir an das Gitter kamen , vor welchem der Bischof stand , der ihr die Gelübde abnahm , und er fragte , ob sie sich Christo vermählen wolle , und man ihr auf ihr Bejahen die mit Perlen und Bändern durchflochtenen Haare abschnitt , welche ich auf einem goldenen Teller empfing , da fielen meine Tränen auf diese Haare , und da ich hin zum Altar trat , um sie dem Bischof zu überreichen , da schluchzte ich laut , und alles Volk weinte mit . Die junge Braut legte sich an die Erde , es wurde ein Leichentuch über sie gebreitet , die Nonnen wallten von allen Seiten herbei , je zu zweien Blumenkörbe tragend . Ich streute die Blumen auf das Leichentuch , während ein Requiem gesungen wurde . Sie wurde als Tote eingesegnet und Gebete über sie gesprochen ; das irdische Leben war beendet , ich hob als Auferstehungsengel die Totendecke auf ; das himmlische Leben beginnt , die Nonnen umringen sie , in ihrer Mitte wird sie vom weltlichen Staat entkleidet . Ordenskleid , Mantel und Schleier werden ihr angelegt , worauf sie in die Hände des Bischofs die Gelübde des Gehorsams , der Keuschheit und der Armut ablegt . Ach , wie war ich beklommen , da der Bischof ihr das Kruzifix reichte , um es als ihren Bräutigam zu küssen . Ich wich nicht von ihrer Seite ; am Abend , da die Nonne allein in ihrer Zelle saß , kniete ich noch vor ihr , mit meinem verwelkten Rosenkranz auf dem Kopf ; sie war eine Französin , eine Gräfin d ' Antelot . » Mon enfant « , fragte sie , » mon cher ange gardien , pourquoi as - tu pleuré ce matin lorsqu ' on m ' a coupé les cheveux ? « Ich schwieg eine Weile still , aber dann fragte ich leise : » Madame , est-ce que Jésus Christ a aussi une barbe noire ? « Diese schöne Frau war mit vielen andern hohen Damen und Rittern , die Ordensbänder und Sterne hatten und aus Frankreich vertrieben waren , in unser Kloster gekommen ; diese zogen alle weiter , sie allein blieb zurück , sie wandelte viel im Garten , sie hatte einen blitzenden Ring am Finger , den sie küßte , wenn sie in der dunklen Allee allein war . Da las sie ihre Briefe mit leiser Stimme , und mit einem feinen weißen Tuch trocknete sie die weinenden Augen . Ich belauschte sie , ich liebte sie und weinte heimlich mit . Einmal trat ein schöner Mann in glänzender Uniform mit ihr in den Garten . Sie sprachen zärtlich miteinander . Der Mann hatte einen schwarzen Bart , er war größer als sie , er hielt sie in seinen Armen und sah auf sie herab , und seine glänzenden Tränen blieben in seinem schwarzen Bart hängen ; das sah ich , denn ich saß in der dunkeln Laube , an deren Eingang sie standen . Er seufzte tief und laut , er drückte sie ans Herz , und sie küßte die glänzenden Tränen im schwarzen Bart auf . Noch oft wandelte die schöne Frau in diesen einsamen Alleen , noch oft sah ich