, und erklimmte den Wartthurm , wo sie sich zwischen den mächtigen Zinnen niederließ auf die Steinbank , in die weite Luft hinausstarrte , und ihren stürmischen , mit übermenschlicher Kraft zurückgepreßten Gefühlen den Lauf ließ . Der Thurmwächter , der seiner tauben Ohren halber aus den Reihen der reisigen Knechte in die Höhe verwiesen worden war , wo seine scharfen Augen noch gute Dienste zu leisten vermochten , saß dann gewöhnlich vor der Öffnung , die auf des Thurmes Platte seinem elenden Schlafwinkel als Thüre und Fenster diener , und schneiderte an den Kleidern der Burgleute , oder kämmte seinen Hund , und begriff nicht , wie sich das schöne gefangne Fräulein so ganz allein zu unterhalten vermöge auf der einsamen Warte . Wallrade legte aber die glühende Stirne an die kalten Steine , und blickte hinaus gen Frankfurt , von wannen immer noch kein Retter nahen wollte . Immer noch war es ihr nicht gelungen , eine Botschaft den Vater zu senden ; von Tag zu Tage verzögerte sich ihre Befreiung . Unwillig klagte sie den Himmel an , daß er sie , gleich wie auf einem Siegerzuge , aufgehalten , während sie im Begriff gestanden , des Unfriedens und der Zwietracht höchstes Maaß über das Haupt des Vaters und der Stiefmutter auszugießen . Unwillig fragte sie die Vorsehung , wie lange sie noch hier zu verharren habe in einem Zwang des Willens und der Empfindung , der ihr an ' s innerste Leben zu greifen begann , trotz Verstellung und Standhaftigkeit . Zagend und zürnend zugleich gedachte sie des Augenblicks , in welchem der Graf von Montfort ; - dessen Zuthun bei der verwünschten Begebenheit sie leicht errieth , wenn gleich Bechtram seinen Namen nicht auszusprechen wagte , - auf der Veste erscheinen und durch seine Gegenwart die durch seine Unritterlichkeit Gefangene am tiefsten demüthigen würde . Allein , wie sehr sie auch klagte , zürnte und zagte , der Zeitpunkt ihrer Erlösung lag immer noch ferne , denn ein geheimnißvoller Schleier bedeckte vor jedem fremden Auge die auf Neufalkenstein verwahrte Beute . - Der Aufenthalt der von Gelnhansen geladenen Gäste hatte bereits mehrere Tage gedauert , und Wallrade , von trüben Gedanken in ihrer engen Kammer gepeinigt , war gerade nach dem Imbis zu dem Wartthurm emporgestiegen , um die laue Frühlingsluft in ihrer klaren Reinheit zu trinken , und ruhiger zu werden . Der Weg , welcher unfern der Veste vorüberlief , war leer und öde wie immer , seitdem die Nachbarschaft von Bechtram ' s neuen Unternehmungen vernommen hatte . Ein frischer Luftstrom erquickte aber Auge und Stirn der Gefangenen , und ihr Blick schweifte kühn über die Höhen und Ebenen , über Gewässer und düstre Tannenwipfel , und senkte sich tief in das Innere der kleinen , zu ihren Füßen liegenden Veste . Ihr Herz ergrimmte auf ' s Neue , da sie jetzt erst wahrnahm , wie gering und unbedeutend der Kerker war , der sie einschloß . Der an und für sich nicht sehr ergiebige Raum war von dem Erbauer haushälterisch benützt worden . Ein tiefer Graben umschloß die unregelmäßig gebaute Veste , deren Eingang ein schmales Thor , blos für einen Mann zu Pferde breit und hoch genug bildete . Zugbrücke und Pforte verschloß diesen Eingang beständig , wie eine von aller Welt abgeschnittene Klause . Hinter den dicken , am Graben emporragenden Mauern schlängelte sich der enge Zwinger , in welchem Knechte und Pferde und Hunde , sammt dem geraubten Zug- und Melkvieh ihre Hütten und Ställe fanden . Eine elende Waffenschmiede , in welcher die auf Raubzügen zerhacken Blechhauben und Drahtwämser nothdürftig zusammengeflickt wurden , streckte hier ihren rauchenden Schlot . Dicht daneben hatten die Burgleute zu ihrem Vergnügen eine bald zum Armbrustschießen , bald zum Regelschieben benützte Bahn angelegt ; der einzige Fleck , auf welchem allenfalls ein Roß zugeritten werden konnte . Wer aus diesem Zwinger in das Innerste dringen wollte , mußte durch ein niedres , von schwerem eichenen Gegatter fest verschloßnes Pförtlein kriechen , hinter welchem der enge finstre Hof das Wohngebäude des Herrn einfaßte , zu dessen , ungefähr acht bis neun Schuhe von dem Boden erhöhten Schwelle eine in Klammern gehängte Holztreppe führte , die im Nothfall weggenommen werden konnte , um einem Feinde oder einem Räuber den Eingang zu den Schätzen und Vorräthen des Hauses unmöglich zu machen oder mindestens zu erschweren . In dem Hofraume schnatterte und lärmte des Federvieh ' s bedeutende Menge , rauchte der Ofen , in welchem die thätige Hausfrau das Brod bereitete , umfangen von hohem , rußigem Gemäuer , das in die Fensteröffnungen des Erdgeschosses der Burg nur den bleichsten Strahl des Tages eindringen ließ . Und dennoch waren hier die Räume , in welchen die Geschäfte der Wirthschaft und des Hauswesens verrichtet werden mußten . Hier war die Halle , welche den mächtigen Herd in sich faßte , und den in tiefer Schlucht quillenden Brunnen der Veste , und den Eingang in die unterirdischen Waarenkammern und Weinkeller des Hauses , so wie die Treppe zu den obern Gemächern , deren zwei sich in der Burg befanden , in eben so vielen Stockwerken vertheilt . Das erste , zu welchem die Wendeltreppe führte , - das Gemach der männlichen Bewohner , - zugleich die größte Stube der Veste , in welcher Trinkgelage und Mahlzeiten gehalten wurden , nahm den ganzen Raum des Stockwerks ein , eine Kammer ausgenommen , in welcher auf Stroh- und Rohrgefüllten Säcken , überdeckt mit Wolfs- oder Bärenfällen die Männer des Schlafs genossen , umgeben von ihren Gewändern , Waffen und den Satteln ihrer Pferde . Stieg man die fortlaufende Wendeltreppe empor , so gelangte man im zweiten Stockwerke zu dem Gemach der Frauen , das , wenn gleich zierlicher geputzt , als das der Einrichtung hatte . In jedem der vier ziemlich breiten aber niedern Fenster zwei steinerne Ecksitze , an den Wänden fortgehende Bänke mit Polstern ; in jedem Winkel des Gemachs ein schwerer Schwenktisch oder Kleiderschrein ,