Herzen eine Bitte bringen « ; und sah ihn mit den großen guten Augen unverlegen an und gab , wie zur Antwort auf seinen fragenden Arm , ihm ein wenig die ablenkende Hand in seine , um sie zu drücken . Mehr braucht ' er nicht , der Liebe ist eine Hand mehr als ein Arm , wie ein Blick mehr als ein Auge . Er blieb reich zurück am einsamen Eßtische , den ein verdrüßlicher Bedienter an den Schreibtisch gesetzt hatte . Seine Hand war ihm wie geheiligt durch das Wesen , das bisher nur von seiner Seele berührt wurde . Wer kann es sagen , warum der Druck einer geliebten Hand mehr innige Zauberwärme in die Seele sendet als selber ein Kuß , wenn nicht etwa die Einfachheit , Unschuld , Festigkeit des Zeichens es tut ? Er speiste an einer Göttertafel - die Welt war der Göttersaal - , denn er sann Winas nächster Bitte nach . Eine tun , heißt in der Liebe mehr geben , als eine erhören . Aber warum macht die Liebe denn diese Ausnahme ? Warum gibt es denn keine verklärte Welt , wo alle Menschenbitten so viel gelten und geben , und wo der Geber früher dankt als der Empfänger ? Mit wunderbaren Gefühlen irrte er um Winas Bitte herum , da er doch fühlte , Wina sei ein durchsichtiger Juwel ohne Wölkchen und Federn . Denn dies ist eben die Liebe , zu glauben , man durchschaue das Geliebte noch schärfer als sich , so daß man den blauen Himmel dadurch erblickt , durch welchen man wieder die Sterne sieht - indes der Haß überall Nacht sieht und braucht und bringt . Als er die wenigen Strahlen küßte , die am Sterne des Stifts und der Liebe aufgegangen waren oder gestickt : tat sein Himmel alle Wolken wieder auf , nämlich die Flügeltüren , und Wina erschien und schien . Er wollte sagen : » ich bitte um die Bitte « ; aber er hielt es für unzart , das eine Bitte zu nennen , was Wina eine genannt . So hatt ' er den höchsten Mut für sie , aber nicht vor ihr ; und von den langen Gebeten an dieses Heiligenbild , welche er zu Hause sich aussann und vornahm , brachte er nichts zum Bilde selber auf seinen Knien als : amen oder ja , ja . » Sie sind zuweilen bei den hiesigen Tees ? « fing Wina an und setzte , wie es ihr Stand tut , immer ihren Stand voraus . » Neulich bei mir , bei dem vortrefflichen Flötenspieler , den Sie gewiß bewundern . « - » Ich hör ' dies heute von meinem Mädchen « , sagte sie , meinend die Nachricht des Beisammenwohnens ; Walt aber nahm an , sie habe von seinem magern Weintee manches gehört . » Ich meine vorzüglich , sind Sie öfters bei den geistreichen Töchtern des Hrn . Hofagenten ? Eigentlich red ' ich bloß von meiner Freundin Raphaela . « Er führte - doch ohne die Wechsel- Not- den Abend an , wo sie für den mütterlichen Geburtstag gesessen . » Wie schön ! « sagte Wina . » So ist sie eben . Einst , als sie bei mir in Leipzig in eine lange Krankheit fiel , durfte ihrer Mutter nichts geschrieben werden , bis sie entweder genesen oder verschieden sei . Um dieser Liebe wegen lieb ' ich sie so . Ein Mädchen , das seine Mutter und seine Schwestern nicht liebte , - ich weiß nicht , warum oder wie es sonst noch recht lieben könnte , nicht einmal seinen Vater . « - Walt wollt ' es gern äußerst fein auf sie selber zurückwenden und machte daher die allgemeine Bemerkung , daß Töchter , die ihre Mutter lieben , die besten und weiblichsten sind . » Ich tauge nicht zu Wendungen , wie Sie hören , Hr . Sekretär . Empfangen Sie meine offne Bitte gutmütig auf einmal . « Es war diese : Da Raphaelens Geburtsstunde in die Nachmitternacht oder Morgenstunde des Neujahrs einfalle : so wolle sie durch den Beistand Engelbertens sie durch leises Ansingen zur Feier des erneuerten Lebens wecken ; wünsche aber zur dürftigen Stimme eine Begleitung , nämlich die Flöte , und an wen könne sie sich schicklicher wenden als an Hrn . von Harnisch ? - Walt schwur freudig , dieser blase freudig dazu . Sie bat auch um das Setzen des Gesangs ; Walt schwur wieder . » Aber sogar um die Verse dazu muß ich Ihren werten Freund angehen « , setzte sie unbeschreiblich-lieblich lächelnd hinzu , » da ich ihn aus unserer Zeitung als einen weichen Dichter des Herzens kenne . « Ganz froh erstaunt fragte Walt , was Vult darin gemacht . Sie sagt ' ihm - mit der den Literatoren noch gewöhnlichern Verwechslung gleicher Namen - folgenden Polymeter von ihm selber her : Das Maiblümchen Weißes Glöckchen mit dem gelben Klöppel , warum senkst du dich ? Ist es Scham , weil du , bleich wie Schnee , früher die Erde durchbrichst als die großen stolzen Farbenflammen der Tulpen und der Rosen ? - Oder senkst du dein weißes Herz vor dem gewaltigen Himmel , der die neue Erde auf der alten erschafft , oder vor dem stürmenden Mai ? Oder willt du gern deinen Tautropfen wie ein Freuden-Träne vergießen für die junge schöne Erde ? - Zartes , weißes Knospenblümlein , hebe dein Herz ! Ich will es füllen mit Blicken der Liebe , mit Tränen der Wonne . O Schönste , du erste Liebe des Frühlings , hebe dein Herz ! Walten waren unter dem Zuhören vor Freude und Liebe und vor Dichtkunst die Augen Übergegangen - und Wina hatte mit geweint , ohne es zu merken - ; darauf sagt ' er : » Ich habe wohl den Vers gemacht . « » Sie Lieber ? « fragte Wina und nahm seine Hand , » und