anderes Überbleibsel aus mittelalterlicher Zeit ist eine Reliquienbüchse , die , durch ein glückliches Ungefähr , erst gerettet und dann aufgefunden wurde . Sie befand sich in einem aus Steinen aufgeführten Altar einer Seitenkapelle , der , weil massiv , dem Feuer widerstand . Auf diesem Altar nahm Anfang der fünfziger Jahre Superintendent Kirchner eine eingelegte Steinplatte wahr , die hohl klang , wenn man darauf klopfte . Dies bestimmte den Superintendenten , die Platte herausnehmen zu lassen . Was er vermutet hatte , bestätigte sich . Unter dem Sandstein war eine Öffnung , von der aus , röhrenartig , ein Kanal auslief , darin weitere Nachforschungen die vorerwähnte Reliquienbüchse entdeckten . Sie hat die Form einer gedrückten Kugel , ist faustgroß , von Lindenholz und zeigt eine mittelgroße Öffnung , die mittelst eines einfachen Deckels geschlossen wird . In dieser Büchse befanden sich , außer einem Stückchen Mumie , drei Splitter vom Kreuze Christi in ein Stückchen Seidenzeug gewickelt , zugleich auch eine Urkunde mit dem Sekretsiegel des Bischofs von Havelberg . ( Büchse und Inhalt sind zur Zeit in Händen des Superintendenten Kirchner in Walchow . ) Von kaum geringerem Interesse sind zwei Grabsteine , die den außergewöhnlichen Grad ihrer Wohlerhaltenheit einem ähnlichen Glücksumstande verdanken . Sie lagen 1711 , als das große Feuer ausbrach , wahrscheinlich in Nähe des Altars . Die Flammen und selbst das niederstürzende Geröll hatte ihnen wenig anzuhaben vermocht , und als zwanzig Jahre später zur Wiederherstellung des Kircheninnern geschritten wurde , kam den Werkleuten der glückliche Gedanke , die bei dem Aufräumen mit aufgerissenen Grabsteine bei Pflasterung und Fliesenlegung der Kirche nach Möglichkeit zu benutzen . Als bloße Fliese war aber die glatte Rückseite des Grabsteins besser zu verwenden als seine Bildseite , weshalb Bild und Inschrift nach unten kamen . Und so wurden sie gerettet . Neuerdings aus dem Mittelgange , wo sie lagen , wiederaufgenommen , hat man sie nördlich in die Kirchenwand eingemauert . Es sind zwei Bellins , Vater und Sohn . Der Grabstein des Vaters zeigt ein gutes Ritterbild mit vier Wappen in den Ecken , und folgende Inschrift : » Anno 1582 den Tack Mariä Lichtmeß ist der edle , gestrenge , ehrenfeste Hermann Bellin , Erbsaß XV. Marckow in Gott seeliglich entschlafen , welcher Seele Gott gnädig sei . « – Der Grabstein des Sohnes , auch Hermann Bellin , ist klein und von geringem Interesse . Neben diesen Epitaphien der Bellins , Vater und Sohn , erhebt sich noch ein dritter , um einhundertundfünfzig Jahre jüngerer Grabstein , und zwar der des Inspektors oder Superintendenten Ernst Germershausen , eines Mannes von einer gewissen städtischen und ( weil typisch ) auch kulturhistorischen Bedeutung , weshalb wir hier eingehender bei ihm verweilen . Ernst Germershausen Ernst Germershausen folgte 1704 seinem Vorgänger Andreas Seehausen im Amt und verwaltete es achtundzwanzig Jahre . In die Zeit seiner geistlichen Oberherrschaft fällt das große Feuer von 1711 , das dreihundert Häuser und in ihrem Innern auch die Kirche zerstörte . Mit dem Magistrate lag er in beständiger Fehde , was auf den Wiederaufbau der Kirche nachteilig wirkte . Die Stadtbehörde verweigerte beispielsweise die Lieferung von Holz , infolgedessen die Kirche drei Jahre lang ohne Dach blieb . Beiläufig eine Strafe , die diejenigen , die sie verfügten , mittraf , wenn sie nicht vielleicht » aus Rache « auch die Predigt versäumten . In der Magistratsregistratur ist noch ein starkes Aktenbündel vorhanden , das Kunde gibt von der gegenseitigen Erbittertheit . Aus Predigten , die Germershausen hinterlassen , erkennt man ihn als einen sehr eigenartigen Herrn . So findet sich in einem Leichensermon aus dem Jahre 1728 folgende sonderbare Bemerkung über Ebbe und Flut : » Die Lästerer der Religion geben vor , Moses habe die Juden bloß aus Hochmuth und Ehrgeiz durchs rothe Meer in die Wüste geführt , um über sie zu herrschen und habe des Meeres Ab- und Zufluß verstanden . Allein solche Spötter haben keinen Begriff von der Seefahrt , da den geringsten Schiffsleuten bekannt ist , daß Ebbe und Fluth in der Welt nirgend existirt als in der Nord-See , am heftigsten in Schottland , weshalb man meint , daß dort der Schlund sei , wo das Meer , als wenn es Othem holete , das Wasser gleichsam verschlucke und wieder von sich stoße , da , je weiter von Schottland , diese Ebbe und Fluth desto weniger zu spüren . « Er konnte aber auch besser sprechen . So beispielsweis in einer andern Leichenrede , die er im selben Jahre hielt . Sie begann : » Am 6. Mai 1728 starb in seinem 84. Jahre der Vorachtbare und Wohlvornehme Herr Daniel Grieben Senior . Er trat dreimal in den Stand der heiligen Ehe und hinterläßt 16 Kinder , 56 Enkel und 8 Urenkel . Sein Leben und Wandel betreffend , so hat er sich als einen Christlichen und Gottseeligen Bürger wohl aufgeführet , Gottesdienste , selbst in der Wochen , nie versäumet und mit gebührender Andacht das heilige Abendmahl fleißig gebrauchet ; seine Kinder und Gesinde zur Gottesfurcht gehalten und wohlerzogen , daß auch , Gott sei Dank , unter solcher starken Zahl kein Ungerathenes vorhanden . Er gab einen guten Haushalter ab ; gegen den Nächsten war er mitleidig , so daß er in der Noth mit Geld und Getreide jedermann ohne jeden Eigennutz gern gedienet . Und da ihn Gott im Zeitlichen reichlich gesegnet , hat er sich durch solches weder zu Stolz und Hoffahrt , noch zu Verschwendung bewegen lassen , sondern ist nach wie vor in Gottesfurcht , Demuth und Fleiß verblieben . Viel Menschen hat er mit Vormundschaft und Zurechtweisung ihres Vermögens gedienet und seine Leibes- und Gemüthskräfte Gott zu Ehren und dem Nächsten zu Nutz wohl angewendet . « Das sind Kernworte , die auch den ehren , der sie sprach . Seine beständigen Streitigkeiten mit der Stadtbehörde beweisen nicht allzuviel gegen ihn . Sie scheinen ( wenn sie überhaupt dazu angetan sind , einen Schatten auf seinen