Ui ? Wolltest du meinen Jungen fangen ? Den brauch ich selber . « Die Münchener wollen jubeln , doch sie müssen sich ihres Lebens wehren . Zwei Reiterhaufen des Ingolstädters überflügeln das Gebalge , das um den Prinzen ist . Ludwigs Hauptmann Christoph Laiminger rennt gegen den Herzog an . Ein Streich des Michel Ungeraten wirft ihn vom Gaul . Und der Michel will noch schreien : » Schmeck , wie ' s - « Doch das dritte seiner Worte findet er nimmer . Stummgeworden rollt er unter die Hufe der Rosse . In dicken Schwärmen prellen die Ingolstädter vor . Und ohne zu lügen , jauchzen schon viele von ihnen : » Sieg ! Sieg ! « Da schrillt zwischen den roten Einrössern eine dünne Knabenstimme : » Rettet euch ! Alles verloren ! Rettet euch ! Wendet die Gäule ! Unser Herzog in Gefahr ! « Der vordringende Schwarm der Ingolstädter stockt . Eine dumpfe Verwirrung . Und einer in mausgrauem Mantel reißt mit zerrenden Fäusten sein Roß zur Flucht . Wieder und wieder zetert er die zwei gleichen Worte : » Rettet euch ! Rettet euch ! « Zwanzig , dreißig , hundert beginnen zu fliehen . In langen Reihen wanken und weichen sie . Herzog Ludwig mit den fremden Hilftruppen , die im Treffen die Nachhut hatten und noch zu keinem Streiche gekommen waren , wirft sich dem Gewirr der Fliehenden entgegen , will das rennende Unglück zum Stehen bringen , befiehlt und droht und bittet , reitet gegen das eigene Volk und schlägt mit seinem deutschen Schwert die eigenen Leute nieder . Wie eine eiserne Mauer preßt sich das Heer der Münchener gegen die weichenden Reihen des Gegners und drängt die letzten , die noch stehen möchten , auf den moorigen Boden zurück . Hier wird jedes Roß zu einem Feinde seines Reiters . Die fuchtelnden Hufe schlagen auf Menschenleiber . Ein Stöhnen , Keuchen und Schreien . Und während die Frösche millionenstimmig das ewige Lied der Tiefe singen , wälzt ein verzweifelter Knäuel von Menschen und Tieren sich immer weiter gegen die weglosen Sümpfe hin . Rosse versinken bis über den Bauch , gestürzte Reiter tappen und waten , werden vom Gewicht der Rüstung immer tiefer gezogen und bleiben hängen wie Fliegen im bösen Honig . Keine Rettung mehr ! Herzog Ludwig muß das Elend der Stunde erkennen . Doch alles Zähe seiner Kräfte bäumt sich in ihm , und seine Fäuste greifen nach einem neuen Schimmer von Hoffnung . Noch ist nicht alles verloren . Nur sein Sohn ist ein Verräter geworden oder noch ein Ekelhafteres : ein Feigling . Sonst nur ein Tag verspielt ! Wohl liegen tausend von Ludwigs Treuen auf der Wiese oder hängen im Moor oder rennen , wer weiß wohin . Zweittausend hat er noch ! Und mehr ! Die muß er retten , zusammenhalten und führen , muß ihnen die Straße sichern , muß sie bei Dachau auf festen , verläßlichen Boden bringen . Dort will er sie sammeln , will sie ruhen lassen bis zum Morgen . Und wenn sie erkannten , daß nur der Haß des Bodens und die Widrigkeit einer Stunde sie besiegte , will er sie zu einem neuen , glückreicheren Stoße gegen München führen , morgen , in dieser jungen Sonne , die seine Sonne ist , die Sonne von Sankt Matthäi ! Mit den Truppen , die noch frisch geblieben - mit den Salzburgern und Gadnischen , mit dem Zug der Chiemseer und des Törring - besetzt er im Blutglanz des sinkenden Abends die Amperbrücke bei Olching und formiert einen langen , weit auseinanderstrebenden Trichter , der die verwirrten Schwärme der Fliehenden auffangen und sie zu ruhigem Rückmarsch in dünner Reihe zwingen soll . Das gelingt ihm . Es gelingt , weil Herzog Ernst bei dämmerndem Abend die Seinen sammelt , um sie von einer hetzenden Verfolgung auf gefährlichem Boden abzuhalten . Und weil er ein genügsamer Sieger ist . » Gott hat uns aus der Not gehoben . Jetzt wollen wir barmherzige Menschen sein . « Im sinkenden Zwielicht werden die Verwundeten zusammengetragen , Freunde und Feinde . An die dreihundert hocken und liegen im Wiesgarten vor dem Hoflacher Jägerhause . Nur wenige sind schwer verletzt . Gefallen ist vom Heer der Münchener nur ein einziger . Er liegt wie ein steifes Holz im Gras , ist in den Mantel des Herzogs eingewickelt und hat einen neuen Namen bekommen . Man wird ihn zu München in der Schloßkirche bestatten , und der Büchsenmeister Völschel , der alle Verse für seine Haupt- und Kammerbüchsen selber macht , hat schon eine Grabschrift für ihn gefunden : » Ein Bauer hieß Michel Ungeraten , Da seine Äuglein noch blitzen taten , Hat gelacht für sieben , gefochten für zehn , Heißet im Himmel : Herr Seelenschön ! « Das Verslein gefiel den Fürsten , Bürgern und Bauern . Nur ein alter Schwabinger schüttelte den Kopf und sagte : » Seiner einschichtigen Mutter wird ' s nit zusagen . Der wär ein lebendiger Ungeraten lieber . « In der matten Helle , die der versinkende Brand der beiden Dörfer am späten Abend noch machte , musterte Herzog Ernst die Schar der Gefangenen . Fast ein halbes Tausend . Nicht viele waren in der Schlacht gewonnen ; unter ihnen ein paar von des Ingolstädters besten Leuten , der verwundete Hauptmann Christoph Laiminger , Herr Jörg von Frauenberg und Seiz Marschall von Oberndorf . Die meisten der Gefangenen - darunter mehr als zweihundert adlige Herren - hatte man nach der Schlacht aus dem grauen Pfuhl gezogen . Wie man Fische im Moorwasser fängt , mit der hohlen Hand . Bevor man diese erbeuteten Grafen und Barone unter Siegesjubel und Glockengeläut nach München einbringen konnte , mußte man sie ein bißchen säubern . Mit plätschernden Wassergüssen spülte man ihnen den Morast von den kostbaren Rüstungen . Lachend sagte Herzog Ernst : » Ihr Herren , verzeihet der groben Wäsch ! Meinem Sohn ist ' s auch