Arm , dann verschwand das Gesicht . Unter Zähren starrte ich unablässig in meines Traumes seltsame Welt und kam nicht los vom unerbittlichen Zuspät . Schließlich löste sich mein Gram in Versen . Ratloses Irren durch ein Labyrinth ahmten sie nach , durch düstere Gänge , die verschlungen immer wiederkehren , obwohl der Verlaufene sie schon einmal durchgemacht hat . Verzweifeln muß er , statt des Gebetes kommt ihm ein bitter Lachen , hin legt er den wirren Kopf , um endlich zu vergessen ... Und wie ich mich erhub vom Heu , Und wie mein Blick ging staunend um , Da schlug aufs Herze mir die Reu : O weh , du hast verschlafen Den ganzen Sonntag schier - wie dumm ! Und wie mein Blick ging staunend um , Stund dort mein Schatz und sah zurück - An eines Fremden Arm - wie dumm ! Mein Seelenschatz vom Himmel ! Sein dürstend Auge leer von Glück ! Verdürstend sah mein Schatz zurück : » Was schliefest , Närrchen , auch so lang ! Verträumt ist unser Minneglück , Im Sinken schon die Sonne ... Ade ! Mir ist wie dir so bang ! « Was schliefest , Närrchen , auch so lang ! Und was nun weiter ? Bleib im Traum ! Beliebt vielleicht ein Schlendergang , Recht einsam , ohne Hoffen ? Vielleicht zu Totenackers Saum ? Ja , was nun weiter ? Bleib im Traum ! Die Welt geht ihren starren Gang , Und Zährenfluten lindern kaum , Wo mädchenschwach ein Schätzchen Mit seinem harten Schicksal rang . Die Welt geht ihren starren Gang . Wohin ? Mein armer Kopf ist irr . Mag sein , mir wäre minder bang , So ich noch könnte beten . Ich hab ' s verlernt , vom Heuduft wirr . Wohin ? Mein armer Kopf ist irr . Denk wohl , ich bette mich aufs neu Und schlaf ' im duftgen Halmgewirr Und von verblichnen Blumen Träum ich zu Tode mich im Heu . All dies wechselvolle Seelenwetter beichtete offenherzig mein neuer Brief . Zugleich erstattete ich ausführlichen Bericht über mein Geschick , wie es seit meiner Trennung von Thekla verlaufen war . Indem ich schilderte , wie die Begebenheiten meine innere Welt gewandelt hatten , gewann ich Klarheit über mein Wesen , und ein gut Teil Beruhigung . Hatte Thekla diesen Erfolg herbeiführen wollen ? Zuzutrauen war das ihrem klugen Zartsinn . Jedenfalls hatte sie es verstanden , auf Beschaulichkeit , forschende Wahrhaftigkeit mich hinzulenken , was mir eine Wohltat war , insofern ich abgezogen wurde von selbstsüchtigen Ansprüchen und Anklagen . Hatte das Eremitenleben der letzten Jahre keinen anderen Dämpfer für meine Launen gehabt , als die einförmig harte Öde , die mich umgab , und meinen Hang zum Meditieren , so ward ich anitzo von der geliebtesten Menschenseele vor Aufgaben gestellt , die meine besseren Kräfte planvoll zur Entfaltung brachten . Gleich der nächste Brief Theklas trug zur Ordnung meines wirren Gemütes bei . » Armer Johannes « - schrieb sie - » Dein Gram teilt sich mir mit , bittere Tränen vergoß ich , so oft ich Dein Gedicht las vom Schlaf im Heu und dem versäumten Glück . Menschlich ist es ja , einem unfruchtbaren Grame zu unterliegen , und wer solche Menschlichkeit in wahren Worten ausdrückt , ist ein Tröster ihm selber und auch seinen Mitmenschen . In dieser Hinsicht erkenne ich an , daß die Wunde , die das Schicksal vor etwelcher Zeit meinem Herzen geschlagen , von Deinem Gedicht zwar aufs neue zum Bluten gebracht , zugleich aber mit linderndem Heilbalsam versehen worden . Eine Beigabe dieses Balsams jedoch macht mir brennenden Schmerz . Es ist die Art , wie Du Heinrich beurteilst , wie Du die Rolle deutest , die er in meinem Leben spielt . Laß Dir doch nicht vorgaukeln , daß er mich Dir entführt , und daß mein Auge leer von Glücke sei , als ob dieser Mann mich in öder Gefangenschaft halte . Wie gut er ist , und wieviel echtes Glück ich ihm verdanke , wirst Du dereinst noch erkennen , wenn ihr beide so weit sein werdet , harmlos miteinander umzugehen . Einstweilen bedenke , teurer Johannes , was Du selber in Deiner Predigt gesagt hast , daß nämlich zu unterscheiden sei zwischen der wahren und der falschen Minne . Die falsche Minne stelle ich mir als jenen Drachen für , den alte Märlein beschreiben , wie er einen Goldschatz hütet oder auch eine Maid , die er sich geraubt hat . Wehe dem Ritter , der den Hort erlösen möchte ; mit sengendem Odem und giftigem Geifer , mit geringeltem Schweif und krallender Klaue , mit hauendem Flügel und schnappendem Rachen greift das Ungeheuer den Vermessenen an , Blut besudelt den Goldschatz , Grauen entstellt die Jungfrau , die Blumen welken , die Lüfte wimmern , es verhüllt die Sonne ihr Angesicht . Will meines Evangelisten geweihtes Herz solch einem Drachen Unterschlupf gewähren ? Und soll ich die Maid sein , die der Drache hütet ? Wenn dem nicht so ist , so mag der Drache wenigstens willig sein , sich entzaubern zu lassen . Es raunen ja doch die Mären , er sei ein verwunschener König , und seine Maid könne ihn erlösen durch einen Zauberspruch . Den nenne ich Dir ; der Heiland ruft ihn allen Erlösungsbedürftigen zu : Wisset ihr nicht , daß ihr Götter seid ? Wohlan , du mein Born , der mich erquicken kann , bleibe doch stets Gottes voll und König im Reiche der Himmel ! Ja Du bist König , wiewohl Du es zuweilen vergissest . Deine Enttäuschungen fühle ich schmerzlich nach . Doch zu segnen sind sie , da sie dir Läuterung bescherten . Ich bejuble die heilige Macht , die der Abendburgklausner in sich gefunden hat , absagend jenem Götzen , der zu Taumel , Fehde , Mord verlockte . Ich Glückliche , die ich einen Führer habe , der nicht bloß predigt