Hafenmeister hatte ihn ruhig angehört und gab ihm nun in kurzen Worten seinen Bescheid : » Ich habe gesagt , daß ich den Handel mit Opium hier verbiete . Man hat es trotzdem gewagt , dieses Gift zum Verkaufe öffentlich auszustellen . Ich befehle hierauf dem Dampfer Ta-Shen-Hsi-Yang-Shen , unsern Hafen binnen einer Stunde und unsere Gewässer binnen heut zu verlassen . Befindet er sich nach dieser Zeit noch hier , so wird er einfach konfisziert und mit der Ladung draußen auf der See verbrannt ! « Da sprang der Opiumhändler von seinem Sitze auf und rief zornig aus : » Das wolltet Ihr wagen ? Ich würde es Euch heimzahlen lassen , aber wie ! Ich kenne meine Gesetze ! « » Und ich die meinigen auch ! « » Ich weiß wohl , was Ihr wollt ! Ihr sagt , dieser Platz gehöre Euch . Aber Euer abendländisch gewordener Mandarin ist immer noch Chinese ; ich befinde mich also an einem chinesischen Orte , und meine Papiere schützen mich vor der mir zugedachten Konfiskation ! « Da stand auch der Beamte von seinem Sitze auf und entgegnete ihm : » Armer Teufel , der du bist ! Was dich da schützen soll , das würde dich verderben ! Er hat sogar die Macht über Leben und Tod ! « » Auch über Europäer ? « klang es ihm da höhnisch entgegen . » Konfisziert Ihr etwa auch englische Schiffe ? Ich habe nämlich während der jetzigen Fahrt das Schiff und die ganze Ladung unterwegs verkauft ! An einen Engländer , sogar Offizier ! Hier ist der Kontrakt . Und der Käufer ist auch zu haben . Soll ich ihn etwa holen ? « Er zog aus seinem weiten Taschenärmel die Schrift hervor , faltete sie auseinander und gab sie dem Beamten . Dieser las sie durch , legte sie wieder zusammen , schob sie in ein Fach seines Pultes und sagte : » Diesen Kontrakt habe ich dem Käufer vorzulegen . Er mag kommen ; aber schnell ! « » Er wartet schon darauf . Ich hole ihn ! « Mit diesen Worten eilte der Mann hinaus . Wir sahen ihn mit schnellen Schritten den Weg zurückgehen , den wir hergekommen waren , also nach seinem Dampfer . Wir hatten nicht lange zu warten , sondern sahen ihn schon nach kurzer Zeit wiederkehren , mit einem auch chinesisch gekleideten Zweiten neben sich . Und dieser Andere war ganz unbedingt derselbe Mann , der den Berg heraufgekommen und meinem Sejjid Omar begegnet war . Ich sah das an der eigenartigen Form seines Mao-Tse57 , die mir aufgefallen war , und an dem Fehlen des Zopfes . » Da bringt er ihn , « sagte der Pu-Schang . » Jedenfalls kein Offizier , sondern ein Lump , denn der Kontrakt ist Schwindel . Ein Strohmann , für Geld und ohne Ehre , weiter nichts ! « Als die Beiden hereintraten , hätte ich beinahe einen lauten Ruf der Ueberraschung ausgestoßen , denn der angebliche Offizier und Käufer des Dampfers war - - - Dilke , der sonderbare Gentleman , dem mein Sejjid Omar das Leben gerettet hatte . Jedenfalls war er in Penang von dem General nachträglich noch sehr streng coramiert worden , vielleicht gar fortgejagt , und wer weiß , auf welche Weise er es während der inzwischen verflossenen langen Zeit bis zum jetzigen Kumpan eines Giftmischers gebracht hatte ! Er sah mich ; er mußte mich sofort erkennen , mußte vom Sejjid erfahren haben , daß ich mich hier befand . Und doch ließ er sich nicht das Geringste merken ; er sah über mich hinweg , als ob ich eine ihm völlig unbekannte und gleichgültige Persönlichkeit sei . Das hatte jedenfalls einen Grund , aber welchen ? Er ging hoch erhobenen Hauptes , als ob hier an dieser Stelle nur er der Gebietende sei , auf den Pu-Schang zu und sagte : » Man hat mich hierhergebeten . Ich bin Leutnant Dilke . « » Gebeten ? « antwortete der Hafenmeister . » Ist mir gar nicht eingefallen . Beordert seid Ihr worden ; befohlen habe ich es . Und wenn Ihr nicht gekommen wäret , so hätte ich Euch holen lassen . Das nennt man dann nicht bitten , sondern arretieren . « » Alle Teufel ! Ich bin Offizier ! Verstanden ? « » Daß Ihr es seid , das sollt Ihr eben beweisen ! « » Ihr habt ja den Kontrakt ! « » Der beweist hierfür gar nichts ! « » Wohl weil es das Exemplar des Kapitäns ist ? Hier habe ich das meinige . Lest nach ! Da steht mein Name , meine Eigenschaft und Charge . « Er zog nun seinen Kontrakt aus dem weiten Aermel hervor , den der Chinese bekanntlich als Tasche benutzt , und gab ihn hin . Der Beamte las , musterte die Person des vor ihm Stehenden und erklärte dann : » Auch das ist kein Beweis . Selbst wenn Ihr wirklich Offizier und wirklich Leutnant wäret , so könnte uns das gar nicht imponieren , denn ich schätze Euch schon über dreißig Jahre , und wer es bei uns hier in diesem Alter nicht weiter als nur bis zum Leutnant gebracht hat , der hat bescheiden zu sein , sehr bescheiden , sonst wird er einfach ausgelacht ! Und sodann ist dieser Kontrakt keineswegs eine Legitimation , weder in Beziehung auf Eure Person überhaupt noch in Beziehung auf Euern militärischen Charakter . Ihr habt Euch dem Verfasser desselben als Leutnant Dilke bezeichnet und diesen Namen dann unterschrieben ; für mich aber genügt das nicht . Ich fordere Euch auf , Euch besser auszuweisen ! Ihr habt gewalttätig gehandelt , habt mit Hülfe bewaffneter Leute ein Zelt errichtet , um den hier verbotenen Opiumhandel zu erzwingen ! Wißt Ihr , was das heißt ? « » Ich brauche keine Legitimation ! « behauptete Dilke , allerdings schon in viel weniger zuversichtlichem Tone . » Jedermann