viele schöne Lieder ! Für Kinder , für Jünglinge und Jungfrauen und auch für die Alten . « » Singst auch du ? « Da warf er sich in die Brust , richtete sich hoch auf und antwortete : » Höre , was ich dir sage : Ich singe sie alle , alle stumm ! Willst du es hören ? « » Ja . « » So bitte ich dich aber , zu warten . Jetzt darf ich noch nicht . « » Warum nicht ? « » So bald nach den ernsten Gesängen hört der Ustad Liebeslieder nicht gern . « » Liebeslieder ? Tifl , Tifl ! Was höre ich ! « Der Gute verstand mich gar nicht . Fast schämte ich mich , diesen scherzenden Vorwurf ausgesprochen zu haben . Man sieht : Die Sittenrichterei kann selbst im Scherz den Ankläger an Stelle des vermeintlichen Delinquenten schlagen . Wie gefährlich mag sie da wohl erst im Ernste sein ! Wir gingen weiter , waldaufwärts . Es führte uns ein Weg zwischen hohen Bäumen hin . Es war ein sichtbar wenig benutzter Seitenweg . » Hier geht nur er , « sagte Tifl . » Wer ? « » Er ! Du mußt es raten ! « Selbstverständlich riet ich nun den Ustad . Nach einiger Zeit kamen wir an einen vor langen Jahren freigemachten Platz , in dessen Mitte ein großer , weitästiger Birnbaum stand . Er hing voll schöner , reifer Früchte . Die hohen Waldbäume gewährten ihm Schutz . Sonst hätte er in dieser Höhe nicht gedeihen können . Unter ihm stand - ich staunte ! - ein wohlgedeckter Tisch . Eine Holzplatte auf in die Erde geschlagenen Beinen , nicht niedrig , wie die orientalischen sind . Vor ihm zwei hohe Bänke , auf denen man ganz nach europäischer Art sitzen konnte . Er war mit einem weißen Tuch belegt , auf welchem weißporzellanene Schalen und Teller , auch eine Weinflasche mit Glas , meiner warteten . Es gab kalte Küche , fein säuberlich verteilt . Und wer stand da bei diesen Herrlichkeiten ? In ihrer ganzen blitzblanken Sauberkeit ? Strahlend vor Stolz und Freude ? Mit liebevollen Aeuglein und rotblühenden Rosenwänglein ? Natürlich Pekala , die Köstliche , heut meine Festjungfrau in wahrster Wirklichkeit ! » Sei willkommen , Effendi ! « rief sie mir entgegen . » Ich habe für dich angerichtet . Auch Pflaumen sind da . Tifl hat sie für dich gepflückt . Der Ustad gebot es ihm . « Ich reichte ihr die Hand . » Pekala , was bist du doch gut ! « sagte ich . » Gut muß man immer sein ; das ist ja Pflicht . Und man ist es auch so gern ! Man will ja gar nicht anders sein ! Aber euch , euch , Effendi , möchten wir doch recht , recht glücklich machen ! Euch möchten wir die größte Liebe zeigen , die wir haben ! « » Warum grad uns , du Liebe ? Es sind so viele Menschen da , und es giebt doch wohl nur eine einzige Liebe für sie alle ! « » So sagt auch der Ustad , ganz genau so . Aber ihr macht es uns so leicht , und andere machen es uns so schwer . Doch , was sagst du zu diesem Tische , Effendi ? « Sie stemmte die Arme in die Seiten und schaute mich an , als ob ich etwas ganz Unbegreifliches anzustaunen habe . » Wunderbar ! « antwortete ich . » Ja , es ist auch wirklich wunderbar ! Siehst du das herrliche Fakhfuri takymy 143 ? « » Ja . Weiß , wie frischer Schnee ! « » Das grüne Scharab kardehi144 ? « » Grad wie Smaragd ! « » Das Sofra bezi145 mit geblümten Mustern ? « » Sehr schön ! Das hast wohl du geplättet ? « » Ja . Aber wir haben kein Ütü146 hier . Ich habe ein Hackebeil heiß gemacht und ein Papier dazwischen gelegt . Da ging es auch . Weißt du , wer eine Türkin ist , der weiß sich stets zu helfen ! « » Wie schade da , daß ich keine bin ! « » Effendi , klage nicht ! Du bist ja ohnedies auch recht klug . Es kann nicht jedermann eine Türkin sein . Es muß auch andere Völker geben ! Aber siehst du auch das Jemek takymy147 mit den blankgeputzten Griffen ? Habe ich es richtig hergelegt ? « » Ja , denn ich nehme es da weg , wo es liegt . Ganz fein aber ist es , wenn das Messer rechts und die Gabel links liegt . « Ich wollte sie doch nicht eines Fehlers zeihen ; darum drückte ich mich in dieser Weise aus . Sie wechselte aber das Besteck schnell um , indem sie sagte : » Du bist für mich der feinste Mann , und ich denke , daß du mich auch für eine feine Dienerin hältst . Machen wir es also nicht wie für gewöhnliche Leute , sondern fein . Bemerkst du auch den Tapa tschekedscheji148 ? Du siehst , wir haben alles . Du sollst die Flasche doch nicht in der Weise öffnen , wie Tifl damals that , indem er die Hälse herunterschlug . Dann ist es kein Wunder , wenn man betrunken wird ! « Diese Betrachtung lenkte ihre Aufmerksamkeit auf » das Kind « . Sie drehte sich nach ihm um und sagte : » Ich bediene den Effendi selbst . Du kannst gehen ! « Er that zwei Schritte , blieb dann aber stehen . » Nun , warum nicht ? « fragte sie . » Weil ich es doch auch einmal sehen möchte . « » Was ? « » Das Tuch und das Porzellan und alle die seltenen Sachen da auf dem Tisch . « » Schau dir es nachher an ! « » Und auch wie der Effendi fränkisch sitzt