in Fühlung mit dem Körper , an dem es befestigt war . Schneller und schneller glitt Graf Egge über die Sprossen nieder , ohne darauf zu achten , daß die Leiter immer heftiger zu schaukeln begann . Er hatte die Hälfte der Sprossen noch nicht zurückgelegt , da krachten plötzlich die Stangen und splitterten entzwei wie spröde Glasstäbe . Ein Schrei von allen Lippen , und während die Stücke der gebrochenen Leiter gegen die Felswand schlugen , baumelte Graf Egge am Seil . Noch immer hielt er mit der einen Hand die Augen bedeckt ; mit der anderen tastete er über seinem Kopfe nach dem Tau , das sich im langsamen Niedersenken mit dem schwebenden Körper immer rascher zu drehen begann . Unter wirrem Geschrei streckten sich zwanzig Hände nach Graf Egge ; bevor er noch mit den Füßen die Erde berührte , fing ihn Franzl mit beiden Armen auf und führte den Taumelnden , den Schipper mit einem Messerschnitt vom Seil gelöst hatte , zu einem Steinblock . Der Griff des Adlers hatte dem Grafen das Hemd vom Nacken bis zum Gürtel entzweigerissen , über den halb entblößten Rücken zogen sich zwei bläuliche Striemen , die das Tau in die Haut gedrückt hatte , und Haar , Gesicht und Schultern waren von weißlichem Unrat bedeckt . » Wasser ! Lauf einer nach Wasser ! « keuchte Graf Egge , während er mit zuckenden Händen an den Augen rieb . » Wie ich am Horst in die Prügel gegriffen habe , ist mir ein ganzer Karren voll Adlermist ins Gesicht gefallen ! Das Zeug brennt wie Feuer ! « Er stöhnte vor Schmerz . » Wasser ! Wasser ! « Schipper und ein paar Holzknechte waren schon zu dem in der Talsohle rinnenden Wildbach gerannt , um mit ihren Hüten Wasser zu schöpfen . Franzl zog seinem Herrn die Hände vom Gesicht und stammelte : » Tun S ' doch um Gotts willen net allweil reiben , Herr Graf . Dös is schlechter als alles ! Und ' s Wasser kommt ja gleich ! « Graf Egge versuchte aufzublicken . Er konnte die Augen nicht öffnen . » Bist du ' s , Franzl ? Ich dank dir für das Seil und für den prächtigen Schuß ! « » Nix zu danken , Herr Graf ! Aber meiner Seel , a zweitsmal möcht ich den Schuß nimmer machen ! Die Kugel muß keine drei Schuh neben Ihnen vorbeigeflogen sein ! Wie ich dös fertigbracht hab , weiß der liebe Herrgott - ich net ! Grad froh müssen wir sein , daß die Sach so glimpflich abgangen is . Gegen den Wehdam in Ihre Augen wird ja ' s kalte Wasser hoffentlich helfen . Da kommen d ' Leut schon mit die ganzen Hüt voll ! « » Schnell ! Nur schnell ! « stöhnte Graf Egge . » Ich halt es nimmer aus vor Schmerz ! « Hastig zerrte Franzl das Taschentuch aus Graf Egges Joppe , tauchte es in den ersten triefenden Hut , der ihm geboten wurde , und wusch seinem Herrn den weißen Unrat vom Gesicht . Aber der brennende Schmerz in Graf Egges Augen wollte sich nicht kühlen und stillen lassen . Die Augenränder entzündeten sich , und die Lider schwollen zu dicken , roten Wülsten an , die sich nicht mehr bewegen ließen . » Führt mich in die Hütte ! « stieß Graf Egge zwischen den übereinandergebissenen Zähnen hervor . » Und einer soll nach dem Doktor laufen ! « » Nix , Herr Graf , jetzt is ' s aus mit der Hütten ! Jetzt müssen S ' heim ! « erklärte Franzl mit bebender Stimme . » Bis man den alten Herrn Doktor da auffibringt , dös tät bis morgen in der Fruh dauern ! Ihnen muß heut noch gholfen werden « Er wandte sich an die Holzknechte . » Du , Kasper , spring voraus und schau , daß gleich a Schiffl und der Dokter bei der Hand is ! Du , Sepp , nimm dem Herrn Grafen sei ' Büchs und die meinig ! Und die andern sollen Ordnung machen bei der Wand ! « Er schlang Graf Egges Arm unter den seinen . » Kommen S ' , Herr Graf , lassen S ' Ihnen führen ! Ich bring Ihnen schon nunter . Da fehlt nix . « » Ja , der Franzl hat recht ! « fiel Schipper ein . » Geben S ' her , Herr Graf , ich pack den andern Arm ! « » Du ! Rühr mich nicht an ! « keuchte Graf Egge und sprang auf . » Den Horst hast du gefunden ! Wie damals den abnormen Bock . Fort von mir ! « Stöhnen griff er nach seinen Augen . » Führ ' mich , Franzl ! « » Ja , Herr Graf , kommen S ' ! Und passen S ' auf , da liegt a Trumm Stein im Weg . « Trotz dieser Warnung stolperte Graf Egge , und Franzl hatte Mühe , ihn aufrecht zu erhalten . Schipper sah den beiden mit kleinen Augen nach ; dann zuckte er die Achseln , suchte den Adler aus den Latschen hervor , riß ihm die beiden schönsten Flaumfedern aus und steckte sie auf seinen Hut . Ein Holzknecht bot ihm zwanzig Mark dafür . Um dreißig wollte Schipper sie geben . Das war dem Knecht zuviel . Während die Leute unter endlosem Geschwatz bei der Wand die Arbeit begannen , eilte Sepp mit den beiden Gewehren davon . Am Waldsaum holte er Franzl und den Grafen ein ; sie standen am Bach ; Franzl tauchte das Tuch ins Wasser und band es seinem Herrn über die Augen ; dann nahm er ihn wieder am Arm und führte ihn . Der Heimweg gestaltete sich schlimmer , als Franzl gedacht hatte . Bei jedem Wasser , zu dem sie kamen , wurde der nasse Bund gewechselt , aber der Brand , den