fühlen schien , während er selbst sich von dessen gutem Willen mehr als ihm lieb war abhängig wußte , verlangte den Vorschlag zu hören . Herr Flies zog die Briefe , welche er von dem Freiherrn erhalten hatte , aus seiner Brusttasche hervor und sagte : Verstehe ich die Meinung Ihres letzten Briefes recht , Herr Baron , so wünschen Sie außer der Summe , welche auf Rothenfeld jetzt aufgenommen war , eine zweite Hypothek in gleichem Betrage auf Rothenfeld , und eine eben so große auf Neudorf eintragen zu lassen . Der Freiherr bejahte das ; Flies machte ein nachdenkliches Gesicht . Es war dem Freiherrn , als säße er angeklagt vor seinem Richter . Die Posten sind stark , hob nach kurzem Schweigen der Kaufmann an , und Geld ist theuer ! Es wird Ihnen große Zinsen kosten , Herr Baron , Zinsen , die kaum aufzubringen sein werden , wenn wir einmal ein Mißjahr haben , wie eben jetzt , und vollends wenn der Krieg .... Der Freiherr wurde ungeduldig . Das sind Vorstellungen und keine Vorschläge , mein lieber Flies ! rief er , ihn unterbrechend . Die ersteren habe ich mir selber längst gemacht , wollen Sie mich die anderen hören lassen ? Ich weiß nicht , ob sie dem Herrn Baron passen werden , hob jener an . Ich denke mein Geschäft mit Nächstem einmal aufzugeben . Natürlich , Sie sind ein reicher Mann ! rief der Freiherr , dem die Gemächlichkeit des Kaufmannes unerträglich dünkte . Nun , ich habe allenfalls zu leben , entgegnete dieser mit Gelassenheit , und ich fühle , daß es mir nicht mehr bekommt , die ganzen Tage im Laden und im Comptoir zu stehen . Fünfunddreißig Jahre solcher Arbeit lasten auf dem Menschen , und meine Frau hat auch ihre Ruhe verdient . Meine Tochter .... Liebster Flies , unterbrach ihn der Freiherr , Sie dürfen glauben , daß Ihr Wohlergehen mich freut , aber die Vorschläge , welche Sie mir zu machen hatten .... Hangen damit eben zusammen , Herr Baron ! versicherte der Kaufmann . Wer sich zur Ruhe setzen will , muß vorsichtiger werden , als der Geschäftsmann , darf nicht Alles auf eine Karte , auf einen Wurf setzen und muß sich für den Fall , daß die Ruhe ihm doch nicht zusagt , immer ein Capital zur Hand halten , mit dem sich allenfalls einmal wieder etwas anfangen läßt . Ich wäre nicht abgeneigt , Geld auf Rothenfeld herzugeben , es ist ein schönes Gut ; auch Neudorf ist ein schönes Gut , und es würde sich auch wohl auf Neudorf ein Capital beschaffen lassen ; aber die zweite Hypothek auf Rothenfeld würde mir nicht conveniren , Herr Baron , und deßhalb wollte ich Ihnen den Vorschlag machen , ob Sie nicht etwas von Ihrem liegenden Besitze verkaufen wollten ? Der Freiherr fuhr auf : Verkaufen ? - Sie werden doch nicht glauben , daß ich eines meiner Güter zu verkaufen denke ? Sie denken doch nicht daran , daß ich Neudorf oder gar Rothenfeld , wo ich eben jetzt die Kirche baue , verkaufen soll ? Herr Flies lächelte kaum merkbar , und mit einem Blicke seiner klugen Augen , den ein Achtsamer nicht mißverstehen konnte , sagte er : Wie sollte ich adelige Güter kaufen wollen , Herr Baron , und vollends die neue Kirche , was sollte mir die ? - Nein , Herr Baron , ich dachte an Ihre Güter nicht ; aber wie wäre es mit dem Hause , das der Herr Baron von der Fräulein Tante in Berlin ererbten ? Es steht leer , wie ich gesehen habe . Der Freiherr schwieg , denn obschon der Vorschlag , der ihm am leichtesten aus den Verlegenheiten helfen konnte , ihm sofort einleuchtete , widerstrebte ihm doch der Gedanke , sich irgend eines Besitzthumes zu entschlagen , auf das äußerste . Während er sonst seines Hauses in der Residenz mit großer Gleichgültigkeit gedachte , stand es ihm jetzt in seiner ganzen Würdigkeit vor Augen , und er fühlte sich mit mannigfachen Banden und Erinnerungen an dasselbe gefesselt . Was wollen Sie denn mit einem solchen Hause thun ? fragte er endlich . Herr Flies lächelte abermals , und so , daß der Baron es sehen mußte . Was ich damit machen will ? - Ich war im vorigen Jahre mit Frau und Tochter in der Residenz und es hat den beiden dort gefallen . Meine Tochter liebt Musik , liebt das Theater , und ich habe nur das eine Kind . Ich denke deßhalb nach der Residenz zu ziehen , und das Haus der Fräulein Tante ist mit seinem großen Garten recht wie meine Tochter es sich wünscht . Der Freiherr biß sich unwillkürlich auf die Lippe . Er hatte den Mann zu schonen , den er brauchte , aber es fiel ihm schwer , ihm nicht zu sagen , daß und wie sehr dieser Vorschlag ihm ungeeignet scheine , ja wie sehr er ihn beleidige . In seinem Hause , in dem Hause , an welchem , seit sein Großvater es erbaut , das stolze Arten ' sche Familienwappen prangte , sollten Handel und Gewerbe künftig ihr Wesen treiben ? Wo Fräulein Esther den Besuch des großen Friedrich empfangen , sollten Judenfrauen ihren Kaffee trinken ? Nimmermehr ! Er stieß den Gedanken weit zurück ; der Kaufmann fügte sich augenblicklich , aber er wollte nun auch von dem anderen Darlehn nichts wissen , weil er , so lange er nicht nach der Residenz übersiedele , seine hiesigen Geschäfte , für die er seine ganzen Capitalien brauche , fortzuführen denke ; und da der Freiherr , beleidigt durch den Zwang , den Flies ihm anthun zu wollen schien , sich weder zum Nachgeben noch zu einem eingehenden Verhandeln geneigt bewies , so empfahl sich jener , die ganze Angelegenheit ruhig dem Ermessen des Freiherrn überlassend . Drittes Capitel Einige Tage waren seit diesem Gespräche vergangen , und der