, eine Art von Rechtfertigung . Warum sollte sich ein junges Ehepaar nicht einen Winter in Paris aufhalten ? Corona fügte sich seinen Anordnungen und hoffte , daß Orest sich besser unterhalten und vielleicht dadurch besser gestimmt werde . Für sich selbst hoffte sie nichts . Da wie dort mußte Gott ihr Trost , Felicitas ihre Freude sein . So war es auch . Orest führte sie in einige Häuser der guten Gesellschaft ein und begleitete sie knapp so viel , als es der Anstand erheischte . Da sie fühlte , wie schwer die Stellung in der Welt für eine junge Frau ist , um welche ihr Mann sich gar nicht bekümmert , und welche Gefahren dies Alleinsein mit sich bringt , da die Männer nicht ermangeln , einer schönen Verlassenen ihre Huldigungen darzubringen : so zog sich Corona leise so viel wie möglich zurück und schob auf ihre schwache Gesundheit , die allerdings nicht sehr fest war , ihre ungesellige Neigung . Orest ließ sie gern gewähren . Blieb sie zu Hause , so war er um desto freier , seine Tage bei Judith und seine Abende in der italienischen Oper zuzubringen . Corona sah ihn kaum ; wenn sie ihn aber sah , war er munter , gesprächig und augenscheinlich fühlte er sich hier zufriedener , als auf Stamberg . Judith hatte ihn in die Reihen ihrer Verehrer aufgenommen und gesagt : » Es bleibt aber , wohlverstanden , bei der Verehrung , der Bewunderung , Graf Orestes , und von Liebe ist keine Rede zwischen Ihnen und mir . « Orest hatte erwidert : gerade das sei sein Thema . Judith antwortete kalt : » So werden Sie sich darüber mit Ihrer Frau Gemahlin unterhalten . « Wenn Judith in dieser Weise sprach , war er immer auf dem Punkt , auch sie zu hassen , und dennoch hatten solche Worte die Wirkung von Wassertropfen , die man ins Feuer spritzt : die Flamme brennt um desto heller auf . Wer mit Zorn und Groll Orest wieder zu Gnaden bei Judith aufgenommen sah - das war Florentin . Das Wort seines Freundes Lelio : An Leute wie Dich und mich denkt Judith nicht ! hatte um so tiefer seine Eitelkeit verletzt , als er bald gewahr wurde , wie richtig es sei . Während sein Herz von Ehrgeiz zerfressen war , machte er ihr heimlich einen Vorwurf daraus , daß es mit ihr nicht anders stehe . Ehrgeiziges , eitles Weib ! murrte er zuweilen , wenn sie ihn eben ganz wie ihren Sekretär behandelt und fortgeschickt hatte , um ihre Geschäftsbriefe zu schreiben , während sich die eleganteste Männerwelt um sie versammelte ; Triumphe will sie - nichts als Triumphe ! und in welchen niederen Regionen bewegen sich diese Triumphe ! Den Ehrgeiz der Künstlerin lasse ich gelten ; denn durch ihr Genie hängt sie mit dem ganzen Volk zusammen , das sie bezaubert , und indem sie den Beifall des ganzen Volkes begehrt und erstrebt , wird sie von ihm abhängig , so daß ihre Triumphe ohne ein Buhlen um des Volkes Gunst unmöglich sind . Das lasse ich gelten , denn da huldigt sie meiner Gottheit ! Aber sie ist außerdem von niederem Ehrgeiz besessen . Irgend einen hochtönenden Namen will sie erobern , der nicht im goldenen - sondern im schwarzen Buch der Menschheit , auf vergelbten Pergamenten verzeichnet steht . Sie ist kalt und klug - sie wird es durchsetzen . Daß aber Orest derjenige sein könnte , auf den ihre Wahl fiele , daß Orest von dem gefeierten Wesen bevorzugt werde , von dem er , Florentin , gar nicht beachtet wurde : das war ihm ganz unerträglich . Überdas verdroß es ihn bitter , daß Orest ihn bei Judith wieder in einer ganz untergeordneten Stellung fand , nachdem er ihn in London schon in einer armseligen getroffen hatte . Müssen mir denn überall diese Windecker in den Weg kommen ! murrte er . Als er hörte , daß Corona in Paris sei , frohlockte er : Sie soll alles erfahren . Sie weiß nichts , davon bin ich überzeugt , denn sie würde nicht gekommen sein , wenn sie wüßte , welcher Magnet Orest nach Paris zieht . Sie muß es wissen ! Warum denn aber ? fragte ihn heimlich sein Gewissen ; warum der armen Frau diesen Kummer bereiten ? Um irgend ein Übel zu verhüten , das in solchen Verhältnissen nie ausbleibt ; murmelte er seinem Gewissen zu . Er ging zu Corona , um sich als ihr Pflegebruder und Kindheitsgefährte vorzustellen , zu dessen Wahrhaftigkeit sie Vertrauen fassen dürfe . Aber vor dem Hause kehrte er wieder um . War Orest nicht auch sein Pflegebruder und Jugendgefährte ? Sie ist vielleicht nicht allein ! besser ich schreibe ihr ! so beschwichtigte er abermals die Regung seines Gewissens . Und wirklich schrieb er an Corona und setzte sie unter dem Schleier innigster Teilnahme von Orest ' s Leidenschaft für Judith in Kenntnis , die schon vor seiner Verehelichung in Mailand begonnen habe . Aber er setzte seinen Namen nicht unter den Brief . Sie könnte an der Wahrheit zweifeln , da ich ja in ihren Augen ein Verlorener bin , sprach er ironisch zu sich selbst . Der eigentliche Grund war : er schämte sich dieses Schreibens . Anonym kam es in Coronas Hände . Sie las es und warf es in ' s Feuer . Welche Bosheit , mir diese Sache zu schreiben - möge sie Wahrheit und Verleumdung sein ! rief sie empört . Aber ach ! wenn es Wahrheit wäre ! Sie sank zusammen wie gebrochen von der Wucht solcher Sünde , solcher Schmach . Herr , erbarme dich unser und unseres Kindes ! betete sie , zitternd vom Scheitel bis zur Sohle . Neben der kleinen Wiege kniete sie nieder . Da schlief Felicitas , da wachten die Engel , da fand Corona eine übernatürliche Ruhe . Was hat der zu fürchten , der