der großen Wagenremise hergekommen waren . Pauline von Harder - denn in ihrem Hause befinden wir uns - warf sich erschöpft und mißgestimmt auf eines der rings im Überfluß vorhandenen Polster und sprach zu Charlotte Ludmer , ihrer vieljährigen Wirthschaftsführerin und innig befreundeten Vertrauten , die eben ein großes langes Papier auf den Tisch gelegt hatte , mit matter Stimme die Worte : So haben wir denn wirklich Nichts gefunden und alle Mühe , alle Umsicht und Sorgfalt sind vergebens gewesen ! Ich komme immermehr zu der Überzeugung , sagte Charlotte Ludmer , die Vertraute , indem sie eine kleine Dose von gedrechseltem Horn aus ihrem Rockschlitz griff und wie ein Mann in aller Form eine Prise nahm , ich komme immermehr zu der Überzeugung , daß die Sage von den für die Veröffentlichung bestimmten Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda von Hohenberg ein leeres Gerücht ist . Unsern Untersuchungen nach zu schließen , sagte die Geheimräthin Pauline von Harder , möchte man glauben , daß du Recht hast , Charlotte . Haben wir wol eine Spalte , eine Ritze unerforscht gelassen ! An jeden Boden klopften wir , ob er hohl ist , in jedes Polster fuhr ich mit diesem spitzen Dolche , den mir Rodewald einst in Italien schenkte , und von dem ich nie geahnt hätte , daß ich mit ihm noch nach den Spuren seines Verrathes suchen würde - o Charlotte , wie schmerzliche Erinnerungen weckt mir dies Andenken alter Zeit ! Gieb ihn her , Kind , sagte die Ältere und griff nach einem verrosteten Stilet , das die Geheimräthin aus dem Brustschlitz des eleganten Kaschemirschlafrockes gezogen hatte . Es war ein florentinischer Dolch mit damascirter Arbeit auf den drei Kanten , von zierlich gearbeitetem Griff , eine Schlange vorstellend , die sich so eigenthümlich ringelt , daß die Hand bequem in einer ihrer Windungen ruhen konnte . Der Dolch selbst aber war eine lang aus dem geöffneten Munde herausgestreckte Giftzunge , dreikantig , dünn und vom härtesten Stahl gearbeitet . Gieb ihn her , Kind , wiederholte die Ludmer , als ihn Pauline zu ernst betrachtete ... Ha ! Es war in Verona , sagte Pauline träumerisch . Wir hatten Romeo ' s und Julien ' s Grab gesehen und scherzten darüber , daß der Unverstand der Zeiten einen Futtertrog für Pferde daraus gemacht hatte oder aus dem alten Futtertroge , wie Rodewald in seiner scharfen und ungläubigen Weise sagte , später das Grab der Julia ! Es ist dreißig Jahre her und noch seh ' ich uns wie heute , als ich an seinem Arme , krank damals und elend , hing und wir vom Tode sprachen , der mir damals so möglich bevorstand ... Rodewald stieg langsam mit mir auf einen Hügel vor der Stadt und zeigte mir die große im Sonnenglanze hingegossene Ebene . Ergriffen von dem Lichte und dem Sonnenschein , dem Grün und dem duftigen Nebel , dem Violet der fernen Berge und dem blauen Aufblitz einer Ecke vom Lago di Garda , sagte er : Wenn du stirbst , Pauline , so wirst du mir nicht ein Restchen Gift zurücklassen , wie Romeo Julien . Da muß es ein anderes Mittel sein ! .... und damit zog er den Dolch , daß ich laut aufschrie und bebend zurückfuhr . Es war aber nur ein Scherz von ihm , er glaubte an meine Krankheit nicht , er glaubte nicht an meinen Tod und an den seinen noch weniger . Es stand ihm aber so schön , so halb zu spielen und halb zu philosophiren ! Ich entriß ihm den Dolch , er lachte und sagte : er hätt ' ihn sich bei einem Alterthümler gekauft , während ich in der Santa Maria die Gräber betrachtete . Mir Albernen war es Bedürfniß , seine Worte für Ernst zu nehmen , ich ergriff das tödtliche Instrument , verbarg es , gab es ihm nicht zurück ... Zwei Jahre darauf , in Landeck , hätt ' ich es ihm in die Brust stoßen mögen und als ich genas , in Ems ... da mir selbst ! Pauline ! Pauline ! rief die Ludmer und verbarg den Stahl ; wie kommst du auf diese alten Dinge zurück ! Konnten wir auch nichts Anderes finden , um staubige Polster zu durchstechen ! Wie ich so in den alten Geräthschaften Amandens wühlte , fuhr die Geheimräthin fort und stützte den Kopf auf , der ihr brannte ; wehte mich ' s ganz gespenstig an und es war mir , als lebten sie Alle noch , sie , die Elende , - ich selbst noch wie einst - und Zeck stand plötzlich vor mir - ach , was nicht Alles ! Man soll den alten Plunder , mit dem sie noch im Tode auf dem Schlosse coquettiren wird , hinbringen , wohin man will ! Es mag in ihm Lüge und Verläumdung wie Gift gegen Ungeziefer verborgen und versteckt liegen - ich will nichts mehr wissen - nichts , nichts ! - ich habe dies Leben satt ! Leben mit Furcht ist mehr als der Tod . Damit erhob sich die wild erregte und leidenschaftliche Frau und schritt , heftig und von unstillbarer Unruhe gequält , im Saale auf und ab . Die Ludmer nahm aber in aller Ruhe eine Prise und lachte , daß das zahnlose Kinn wackelte . Hi ! Hi ! Hi ! schallte es durch den Gartensalon . Was ist ? wandte sich Frau von Harder . Alles Das der Zorn , Täubchen , sagte die Alte , daß unsere Mühe und Plage vergebens war ? Nachlaß ! Nachlaß ! Schulden hat sie nachgelassen . Das ist ihr Nachlaß ! Die Geschichte von ihren Papieren war ein Schreckschuß . Wer hätte sie fortnehmen sollen ? Ihre Pfaffen ? Zeisel ließ ja sogleich Alles versiegeln und mit Beschlag belegen . Der Fürst wollt ' es so und sie hatt ' es selber angeordnet . Zwei Jahre stand ' s unberührt . Die Papiere sind verbrannt