Thätigkeit und großer Sparsamkeit konnte eine genügsame Familie von dem Ertrage dieses Ackers und fleißiger Handarbeit grade leben . Kleine Besitzungen dieser Art gibt es in Schlesien die Menge , da das Parcellirungsystem den großen Grundbesitz mannichfach zerstückelt hat . Man findet Dörfer , wo beinahe jedes Haus seinen eigenen Acker besitzt , welchen die Inhaber mittelst einer einzigen Kuh bebauen . Den flüchtig Reisenden kann der Anblick solcher Dörfer , wo alle Welt für sich selbst pflügt und ärndtet , den Eindruck von allgemein verbreiteter Wohlhabenheit machen , wer jedoch die Sachen genauer betrachtet und sich bei den so fleißig arbeitenden Leuten selbst erkundigt , erfährt zu nicht geringer Bestürzung , daß im Allgemeinen große Noth in solchen Ortschaften herrscht , und daß die meisten dieser kleinen Grundbesitzer lieber den Besitz los zu sein wünschen . So sonderbar dies klingen mag , so erklärlich und folgerichtig ist es . Alle diese Leute müssen nämlich , um das wenige Ackerland , das ihnen Kartoffeln , etwas Korn und Klee trägt , bearbeiten zu können , Zugvieh halten , da aber der Ertrag selbst verhältnißmäßig nur gering ist , so bringt es Keiner zu mehr als einer einzigen Kuh . Diese zehrt fast die Hälfte allen Ertrages auf . Um den Acker nicht zu sehr auszusaugen , muß häufig die mangelnde Düngung für schweres Geld angekauft werden , und da man dies selten oder nie besitzt , so wird die Aufnahme eines Kapitals auf das Haus unabweisbare Nothwendigkeit . Gewöhnlich aber lastet auf jedem solchen kleinen Hause ein Kapital , so daß bei Verdoppelung desselben die Möglichkeit , je einmal ganz schuldenfrei zu werden , dem Besitzer für immer benommen ist . Nehmen wir noch dazu , daß ohne anderweiten Verdienst ein Familienvarter von dem , was Feld und Wiesenplan ihm bringen , unmöglich leben kann und daß ihn die Bebauung des Ackers doch häufig an regelmäßigem anderweitigem Erwerbe verhindert , so wird es unsern Lesern einleuchten , daß Grund- und Ackerbesitz unter solchen Umständen eher ein Unglück als ein Glück zu nennen ist . Genau in dieser Lage befand sich Leberecht . Er hatte zwei Jahre nach der Katastrophe , die Boberstein in einen Schutthaufen verwandelte und dem im Auslande lebenden Magnus zur Freigebung seiner Leibeigenen Anlaß gab , die Haide verlassen , um in fruchtbareren Gefilden Arbeit und Nahrung zu suchen . Das grüne Schlesien mit seinem ehrlichen , derben , gutmüthigen Volke behagte ihm vorzugsweise , da er sich hier wie daheim befand . Er war sehr fleißig und sehr sparsam , und als er nach seinem Dafürhalten genug besaß , um Frau und Kind ernähren zu können , dachte er an ' s Heirathen . Nie hatte ihm ein Mädchen besser gefallen , als die hübsche Marie , die auf dem Zeiselhofe so oft seinetwegen hungrig vom Tische gehen mußte . Marie diente noch in der Haide , war ebenfalls sparsam und in jeder Hinsicht wirtschaftlich . Leberecht machte sich also auf , putzte sich recht stattlich heraus , kaufte ein paar silberne Ohrringe und besuchte das Mädchen . Umschweife machte er nicht , vielmehr sagte er grade heraus , was er wollte , bot Marie Herz und Hand an und hatte die Freude , sechs Wochen später ein allerliebstes Weibchen sein nennen zu können . Von den Ersparnissen beider jungen Ehegatten ward ein eben feilgebotenes Haus nebst Ackerland gekauft , und seitdem bewirthschaftete Leberecht sein kleines Besitzthum redlich und unverdrossen . Es wollte aber nicht vorwärts gehen . Freilich lag die Schuld nicht an ihm , sondern an der Unzulänglichkeit des Besitzes , der viel Zeit raubte und wenig eintrug , und dennoch konnte sich Leberecht nicht entschließen , Haus und Land zu veräußern , da er mit Leib und Seele Landmann war . Marie mußte auf einen Nebenerwerb denken . Dieser fand sich auch , indem sie , zwar etwas spät , die Weberei erlernte . Oft ward sie freilich in ihrer Thätigkeit gestört , denn ihre Ehe mit Leberecht war sehr fruchtbar . Zur Bekümmerniß beider Aeltern blieb aber von allen Kindern blos ein einziger Sohn am Leben , der weil die Weberei damals grade in Schwung kam , sich derselben ebenfalls widmete . Geraume Zeit verdiente er mehr als hinreichendes Geld , das er vorsichtig zusammenhielt , um die auf Haus und Feld der Eltern noch immer lastenden Schulden nach und nach damit zu tilgen . Es gelang ihm auch beinahe , da trat eine Stockung in den Geschäften ein ! Die Linnenweberei sank mehr und mehr , der Verdienst verminderte sich von Monat zu Monat , das Ersparte mußte angegriffen werden und das Haus blieb verschuldet , wie bisher . Um nur bestehen zu können , gab Eduard - so wollen wir den Sohn der hübschen Marie , das Ebenbild seiner Mutter , nennen - die Leinweberei ganz auf und warf sich , wie tausende und abertausende seiner Brüder , auf die leichtere und doch etwas besser bezahlte Baumwollenweberei . So standen die Sachen in Leberechts kleinem Hauswesen bei dem Besuche , welchen Heinrich dem seit Jahren nicht mehr gesehenen Freunde zudachte . Die Veranlassung zu diesem Besuche werden wir sogleich mittheilen . Die drei Wanderer erreichten den Ort gegen Abend und gingen zuerst ins Wirthshaus oder den Kretscham , um sich zu erfrischen und Erkundigungen einzuziehen . Diese fielen nach Wunsch aus . Leberecht war noch munter , wie vor Jahren , Marie fleißig wie immer , und der Sohn hatte den Ruf eines der tüchtigsten und accuratesten Weber . Heinrich besprach sich mit seinen Begleitern und ging dann allein nach der Behausung des Freundes . Schon von weitem vernahm er das taktmäßige Klappern zweier Webstühle , das ihm von dem Fleiße der Mutter und des Sohnes Zeugniß gab . Trotz der schnell hereinbrechenden Dämmerung fand er wirklich Beide in emsiger Thätigkeit . Erst bei seinem zutraulichen guten Abend hielten die Webeden an und blickten halb neugierig halb verwundert nach dem späten Besuche . » Kennst Du mich nicht mehr ,