, die ihr , trotz aller äußern Form klösterlicher Strenge , unmöglich so fremd werden konnten , als man es zuweilen , um sie in Furcht und Gehorsam zu erhalten , von ihr erzwang . Der unglückliche , verführte Herzog von Sommerset war dem Henkerbeile nur durch Jakobs unbesiegbare Liebe zu ihm entflohn . Dies Schloß war ihm zu einem Gefängnisse der mildesten Art angewiesen . Von der Theilnehmerin oder eigentlichen Urheberin seiner Verbrechen , seiner katholischen Gemahlin , Lady Franziska Howard , war dies alte Besitzthum der Howards zum Heerde des in ihrem Vaterlande verpönten und vielleicht eben darum von ihr beschützten Katholicismus gemacht worden . Von der klugen Herrschaft ihres jesuitischen Beichtvaters geleitet , stand sie bald in Verbindung mit allen Machinationen der dem alten Glauben anhängenden und noch immer sehr mächtigen katholisch-jesuitischen Partei , woran sich nur zu viele weltliche Händel anschlossen , die sie zu theilen oder zu erspähen unablässig bemüht war . Die ungemein einsame und doch feste Lage des Schlosses , die Küsten des nahen Frankreichs , in dem diese Partei ihre mächtigsten Anhänger unter dem damals Europa beherrschenden Richelieu zählte , und das unabhängige , immer noch bedeutende Vermögen der verbannten Lady , machten es zu einem unschätzbaren Schutzpunkte . Nachdem die Herrschaft über die Eigenthümer bis zur gänzlichen Nullität des unglücklichen Hausherrn erreicht war , wurden die Anordnungen darin mit einer Ueberlegung und Verschlagenheit getroffen , daß dadurch das Dasein dieses Verstecks und seiner von den Zeitgenossen fast vergessenen Bewohner der Welt entzogen blieb . Kein gebahnter Landweg wies dahin , und die hohen Ufer , hinter denen das Schloß versteckt war , hinderten den Anblick desselben aus der Ferne . Es wahrzunehmen , blieb nur vom Meere aus möglich , bei Umschiffung eines sehr gefährlichen Punktes , der , von allen erfahrenen Schiffern vermieden , eine von den Spitzen der Bucht bildete , in welche das Schloß seine festen Mauern senkte . Während es kaum einem Hause ähnlich sah , das einigen von den strengen Gesetzen dahin verschlagenen Katholiken zur Zuflucht diene , hatten die geschickten Lenker dieser Angelegenheit hier eine klösterliche Stiftung begründet , welche in ihrer Form die Strenge behauptete , die ihnen bei der Beherrschung eines fast unbezähmbaren Geistes in der Lady Franziska zu Hülfe kam . Ihr war eine gewisse Würde zugetheilt worden , die ihrer zügellosen Herrschsucht Befriedigung gönnte , ohne sie der geistlichen Zucht zu entziehn , die so nöthig war , sie mit allen ihren Plänen und Anforderungen dem Willen derer unterzuordnen , die sich die Lenkung ihrer Angelegenheiten so vollständig angemaßt hatten . Sie ward auf diese Weise ganz zu den Zwecken gebraucht , die ihre geistlichen Vormünder verfolgten , und zuweilen wurden dieselben Leidenschaften , die sie zu beherrschen trachteten , ihrer eignen Richtung überlassen , je nachdem das Eine oder Andere zweckmäßiger schien . Nicht zu übersehn war dabei in der Lady ein großer Hang , sich diesem Einflusse zu entziehn , obwol ihr gedrängtes Gewissen sie zur Sklavin derselben Männer machte , gegen die sie wiederum ihre ganze List zeigte , um eine über ihre Erlaubniß reichende Gewalt auszuüben . Mitten in dieser Stimmung , die am häufigsten nach einer ihr abgezwungenen Zerknirschung eintrat , befand sich jetzt die Lady , als sie sich endlich zu einer Anrede entschloß , die das verdrießliche Schweigen aufheben sollte . - Wenn man mir so gänzlich die Macht entziehen will , die ich meiner Würde nach über den weiblichen Theil dieses Hauses besitze , so sehe ich nicht ein , was eben dies Haus ihr nützen soll , und warum man sie , die doch schon bis zur Küste vorgedrungen ist , nicht noch den kurzen Weg über das Meer machen ließ , wo sie in Frankreich , denke ich , besser , als hier , aufgehoben werden konnte . - Vielleicht wird dies später noch nöthig werden , erwiederte Pater Johannes nachdenkend ; wir setzten vorläufig auf Eure Weltklugheit und Euern guten Willen Vertrauen , und hatten keineswegs die Absicht , diese junge Person Euerm Einflusse zu entziehn . Ob sie uns nützlich oder hinderlich werden kann durch den Anspruch ihrer Geburt , ist noch zu unentschieden bei der bestimmten Richtung , die ihr die frühere Erziehung gab , als daß wir sie jetzt schon unabänderlich aus dem Lande entfernen sollten . Wenn sie uns aber nützlich bleiben oder werden soll , so bedenkt , daß sie nur entlassen werden kann als unsere Freundin , als die Theilnehmerin aller unserer Interessen , daß sie ihre hohe Geburt nur dann kennen lernen darf , wenn sie damit das schwache Herz zu regieren gelobt , das , durch den Tod ihrer Mutter erschüttert , unempfindlich bleiben könnte für den Besitz der schönsten Fürstin , der erlauchten Henriette von Frankreich . - Und dies hofft Ihr wirklich zu erreichen bei einem Geschöpfe , das neben dem Fluche ihres Geschlechtes einerseits den unbezwinglich trotzigen Karakter der Buckinghams trägt , und andrerseits die ganze weltliche Thorheit ihrer Aeltermutter , dieser berüchtigten Maria von Schottland , in jedem Zuge ihres glatten Gesichts ? Sperrt sie lieber heute als morgen ein , und laßt jede Hoffnung auf ihre Bekehrung fallen . Damit werdet Ihr wenigstens so viel erreichen , daß Ihr diesem verabscheuungswerthen Buckingham seinen auf sie berechneten Triumph entzieht ; Ihr werdet über sie keinen feiern . Dafür nehmt das Wort einer Frau , die nicht umsonst Menschen gesehen hat . Pater Johannes schwieg nach dieser Rede , und es war ihm deutlich anzusehn , daß er nicht viel bessere Hoffnungen nährte . Pater Clemens , sagte er dann , rühmte uns die Güte ihres Herzens und die kindliche Hingebung in den Willen älterer Personen . Darauf mußten wir bei unserer Behandlung hinzuwirken suchen , und darum habt Ihr mit Euerm rauhen Empfang so ganz verkehrt gehandelt . Ha ! rief die Lady mit ziemlichem Ungestüm , wenn ich nur nicht verständige und erfahrene Männer von Güte des Herzens und Hingebung in Anderer Willen müßte schwatzen hören .