erschienen , hatte verschiedne Fragen getan , und das aufgeschichtete Reisegepäck achtsam betrachtet . Unmittelbar nach seiner Entfernung aber erfolgte das , was alle in Schreck versetzte . Der Beamte erschien , und bat Hermann höflich , sich zu entfernen . Dringend verlangte dieser , zu Medon gelassen zu werden . Nach einigem Zaudern wurde ihm eine kurze Unterredung zugestanden . Mit einer furchtbaren Empfindung betrat er das Zimmer . Medon hielt den Kopf in der Hand gestützt , und bemerkte den Eintretenden nicht . Leise sagte Hermann , an der Türe stehenbleibend : » Ich bin gekommen , Sie zu fragen , ob ich Ihnen in irgend etwas nützlich sein kann ? « Medon sah empor , versetzte kein Wort , sondern winkte ihm schweigend , daß er ihn verlassen möge . Hermann konnte den Blick seines Auges nicht ertragen , es lag darin der gläserne Ausdruck der Verzweiflung , einer völlig zerstörten Seele . Draußen fragte er den Beamten , ob für Johannen etwas zu fürchten sei ? was dieser mit Bestimmtheit verneinte . Er wollte über Medons Schicksal einiges erfahren ; hier versagte jener aber alle Aufklärungen und rief : » Glauben Sie mir , daß die Erfüllung meiner Pflicht mir schwer genug geworden ist , und daß ich viel darum gäbe , einen Irrtum , vielleicht mit strenger Rüge , büßen zu müssen , als leider die von mir nach und nach geahnete schlimme Wahrheit bestätigt zu sehn . « Es war Nacht geworden . Er begab sich zur Meyer , wo er Wilhelmi noch vermutete , um mit diesem zu beraten . Eine Menge von Männern und Frauen war dort versammelt , welche die Bestürzung über diese Vorgänge zusammengeführt hatte . Über den eigentlichen Zusammenhang war der Schleier des Rätsels gebreitet , die wildesten Gerüchte kreuzten sich . Wie sollte man es sich auch erklären , daß ein Mann , den Angesehensten des Staats nahestehend , ein Mann von den loyalsten Gesinnungen , ein ganz andrer , ein Feind des Staats gewesen , oder noch sein sollte ? Man hoffte ein Mißverständnis , man glaubte , binnen kurzem diese Schatten , welche die geachtetste Persönlichkeit der Stadt jetzt verdunkelten , schwinden zu sehn . Nur Wilhelmi rief : » Ich wünsche es , aber es wird nicht so werden , er ist ein Catilina , und zwar ein gefährlicherer als der römische , weil er keine Laster hat . « Die gute Seite der Menschen zeigte sich bei dieser Gelegenheit . Alle sprachen ihr innigstes Bedauern über die unglückliche Johanna aus , welche man sich bei Nacht , umherirrend auf öden , bösen Wegen dachte ; die Spötter erklärten sich zu jeder Hülfe bereit , Madame Meyer war außer sich . Man besprach , ob man einen Boten mit Briefen schicklichen Inhalts ihr nachsenden solle , oder ob es nicht besser sei , wenn ein Freund selbst dieses Geschäft übernehme . Hermann erklärte sich zu letzterem bereit . Er gedachte seiner Versprechungen , er fühlte , daß er nicht ohne Schuld der Vernachlässigung gegen die Geflüchtete sei , und gutzumachen habe ; stärker aber , als diese Erwägung der Pflicht trieb ihn das heißeste Mitleid der Armen nach . Man freute sich über seinen Entschluß , die Meyer und Wilhelmi packten eilig verschiedne Reisenotwendigkeiten zusammen , und so fuhr unser Freund nach Mitternacht mit raschen Postpferden davon , begleitet von den besten Wünschen der ganzen Gesellschaft , welche bis zu seiner Abreise vereinigt geblieben war . Eilftes Kapitel Von dem Kammermädchen war ihm die Richtung angegeben worden , welche Johanna genommen hatte ; es war zufälligerweise dieselbe Straße , an welcher in der Entfernung von zwei Tagereisen Flämmchens Landhaus lag . Nur die Verzweiflung konnte Johannen auf diesen Weg getrieben haben , er führte , fortgesetzt , nach dem Schlosse des Herzogs , und vor der Rückkehr zu ihrem Bruder und seiner Gemahlin hatte sie stets den größten Widerwillen gezeigt . Bei der Abreise war ausgemacht worden , daß Hermann ihr zwar in nichts hemmend entgegentreten , jedoch ihr die liebevollste und dringendste Einladung zu der Meyer überbringen solle . Man meinte , daß sie in deren Hause , wohlberaten von aufrichtigen Freunden , am leichtesten die schwere Zeit überwinden werde , welche ihr bevorstand . Die Meyer hatte in ihrem gutmütigen Eifer noch vor der Abreise Hermanns die Auswahl der Zimmer getroffen , welche die Freundin aufnehmen sollten . Es waren die schönsten und stillsten des Hauses . Hermann nahm sich vor , Johannen mit allen Gründen , die ihm zu Gebote standen , zur Wahl dieses Asyls zu vermögen , da er von einem Zusammentreffen mit der Herzogin bei dem so entgegengesetzten Charakter beider Frauen wenig Gutes hoffen durfte . Er war mehrere Stationen gefahren , ohne eine Spur von ihr anzutreffen . Schon glaubte er , daß sie ihren Entschluß geändert habe , und von dieser Straße abgewichen sei , als er in einem Landstädtchen , welches er um die Mitte des folgenden Tages erreichte , plötzlich die verlangten Nachrichten bekam . Der Wirt erzählte ihm , daß die Dame , welche er zu suchen scheine , abends zuvor angekommen sei , sehr unruhig getan , und von ihrem Fuhrmanne verlangt habe , weitergefahren zu werden . Dieser habe die Müdigkeit seiner Pferde als Weigerungsgrund angegeben , und sich , aller Versprechungen ungeachtet , nicht dazu verstehen wollen . Die Dame , welche durchaus fort gewollt , sei in großer Bekümmernis gewesen , da sich keine Post am Orte befinde . Sie sei schluchzend auf ihrem Zimmer hin und her gegangen , als plötzlich ein Wagen vor dem Hause gehalten habe , umgeben von einer Menge junger Herrn zu Pferde , die ein großes Geschrei vollführt und einem bildschönen Frauenzimmer in bunter Tracht herausgeholfen hätten . Das Frauenzimmer habe durch Zufall von dem Leidwesen der Dame erfahren , sich gleich zu ihr führen lassen , und sie mit der zierlichsten Höflichkeit gebeten , einen Platz in ihrem Wagen anzunehmen , in dem