was ich erlebt habe , das hat mich einsam gemacht ; die ganze weite Welt umspielt in allen Farben den einsamen Geist , sie spiegelt sich in ihm , aber sie durchdringt ihn nicht . Geist ist in sich , und was er wahrnimmt , was er aufnimmt , das ist seine eigne Richtung , sein Vermögen ; es ist seine höchste Offenbarung , daß er erfasse , was er vermag . Ich glaub , im Tode mag ' s ihm wohl offenbar werden , früher hat er nur ungläubige Anschauungen davon ; hätte ich früher geglaubt , so hätte der Geist auch zu erreichen gestrebt , was er unmöglich wähnte , und hätte erlangt , wonach er sich sehnte , denn Sehnsucht ist ein heilig Merkmal der Wahrhaftigkeit seines Ziels , sie ist Inspiration und macht den Geist kühn . Dem Geist soll nichts zu kühn sein , denn weil er alles vermag ; er ist der Krieger , dem keine Waffe versagt , er ist der Reiche , dessen Fülle unendliches spendet , er ist der Selige , dem alles Wollust ist ; ja wohl , Geist ist die Gottheit ! Die Brust saugt die Luft in sich und entläßt sie wieder , um sie wieder zu trinken , und das ist Leben . - Der Geist trinkt sehnend die Gottheit und haucht sie wieder aus , um sie abermals zu trinken , und das ist sein Leben ; alles andre ist Zufall , ist Spur , Geschichte des Geistes , aber nicht sein Leben . * * * Darum ist der Geist einsam , weil ihn nur ein einziges belebt , das ist die Liebe . Die Liebe ist das All . Der Geist ist einsam , weil die Liebe alles allein ist . Die Liebe ist nur für den , der ganz in ihr ist . Liebe und Geist schauen sich einander an , denn sie sind in sich allein und können nur sich sehen . Ich war auch einsam damals in der Kindheit , die Sterne äugelten mich an , ich begriff sie , die Liebe spricht durch sie . Die Natur ist die Sprache der Liebe , die Liebe spricht zur Kindheit durch die Natur . Der Geist ist Kind hier auf Erden , drum hat die Liebe die süße , selige , kindliche Natur als Sprache für den Geist geschaffen . Wär der Geist selbständig , vielleicht führte die Liebe eine andre Sprache . - Die Natur lenkt und reicht dar , was der Geist bedarf ; sie lehrt , sie erzählt , sie erfindet , sie tröstet , sie beschützt und vertritt seine Unmündigkeit , vielleicht wenn sie den Geist aus der Kindheit herausgeleitet hat , lenkt sie ihn nicht mehr , sie läßt ihn dann selbständig walten , vielleicht ist das jenseitige Leben der Frühling des Geistes , so wie dieses seine Kindheit ist . Denn wir sehnen uns ja nach dem Frühling , nach der Jugend bis zum letzten Augenblick , und dieses Erdenleben ist nur ein Vorbilden für das Jugendleben des Geistes , sie entläßt ihn aus der Kindheit , wie das Samenkorn den Keim entläßt ins Ätherleben . Blühen ist Geist , es ist Schönheit , es ist Kunst , und sein Duftausströmen ist abermals Streben in ein höheres Element . * * * Komm mit , Freund ! Scheue nicht den feuchten Abendtau , ich bin ein Kind , und Du bist ein Kind , wir liegen gern unter freiem Himmel und sehen den gemächlichen Zug der Abendwolken , die im purpurnen Gewand dahin schwimmen . O komme ! - Kein seligerer Traum , kein beglückenderes Ereignis als Ruhe ! Stille Ruhe im Dasein ; beglückt , daß es so ist , und kein Wähnen , es könne anders sein , oder es müsse anders kommen . Nein ! Nicht im Paradies wird es schöner sein , als diese Ruhe ist , die keine Rechenschaft gibt , kein Überschauen des Genusses , weil jeder Augenblick ganz selig ist . Solche Minuten erleb ich mit Dir , nur weil ich Dich denke an meiner Seite in jenen Kinderjahren ; da sind wir eines Sinnes , was ich erlebe , spiegelt sich in Dir , und ich lerne es in Dir begreifen , und was erlebte ich , wenn ich ' s nicht in Dir anschaute ? - In was empfindet sich der Geist , durch was besitzt er sich , als nur dadurch , daß er die Liebe hat ? - Ich habe Dich , Freund ! Du wandelst mit mir , Du ruhst an meiner Seite , meine Worte sind der Geist , den Deine Brust aushaucht . * * * Alle sinnliche Natur wird Geist , aller Geist ist sinnliches Leben der Gottheit . - Augen , ihr seht ! - Ihr trinkt Licht , Farben und Formen ! - O Augen , ihr seid genährt durch göttliche Weisheit , aber alles tragt ihr der Liebe zu , ihr Augen ; daß die Abendsonne ihre Glorie über euch spielen läßt , und der Wolkenhimmel eine heilige Farbenharmonie euch lehrt , in die alles einstimmt : die fernen Höhen , die grüne Saat , der silberne Fluß , der schwarze Wald , der Nebelduft , das gibt euch , ihr Augen , die Mutter Natur zu trinken , während der Geist den schönen Abend verlebt im Anschauen des Geliebten . O ihr Ohren , euch umtönt die weite Stille , in ihr erhebt sich das leise Heranbrausen des Windes , es naht sich ein zweites , es trägt euch Töne zu aus der Ferne , die Wellen schlagen seufzend ans Ufer , die Blätter lispeln , nichts regt sich in der Einsamkeit , was nicht sich euch vertraute , ihr Ohren . Ihr werdet getränkt durch das ganze Walten der Natur , während Ohr , Aug , Sprache und Genuß im Busen des Freundes tief versunken ist . Ach paradiesisches Mahl , wo die Kost sich in