, selbst Moritzens plumpe Scherze und Anspielungen kehrten ihr zurück , und alle Schmerzen der fürchterlichen Nacht , die darauf folgte , wurden wieder in ihrem Busen wach . Ida ward das Gebilde ihrer Fantasie , das sie zu ihrer eignen Qual mit jedem Liebreize verschwenderisch sich schmückte . Je länger sie es betrachtete , je überzeugter ward sie , daß nur dieses jugendlich schöne Wesen werth sey , den Gegenstand ihrer eignen glühenden Liebe zu beglücken , daß es für ihn geschaffen , einzig bestimmt , von ihm geliebt zu seyn . Ein neuer schwerer Kampf erhob sich in ihrem Gemüthe , aber auch aus diesem trat ihr besseres Selbst bald wieder siegreich hervor . Edlen Seelen gilt die schwerste Pflicht oft für die Einzige , daher ward auch bald in Gabrielens Gemüthe der Entschluß fest : Hippoliten selbst zu einem Schritt aufzufordern , zu welchem ihre Einwilligung zu erbitten , ihm vielleicht der Muth gebrechen möchte . Ihr Gefühl bei dem Gedanken an die Ausführung dieses Entschlusses läßt sich nicht in Worten aussprechen , aber sie schwelgte in ihrem Schmerz , ohne Linderung zu suchen , als in dem Bewußtseyn , das Rechte erwählt zu haben , für sich und für ihn . Eine zweite , wenn gleich minder stürmisch , doch nicht minder schmerzlich durchwachte Nacht führte endlich den Morgen herbei , den Gabriele dem höchsten Opfer geweiht hatte , das sie der Pflicht und dem Glück des Hochgeliebten bringen zu müssen glaubte . Die bängste Sorge um sie , die er ernstlich krank glaubte , trieb indessen Hippoliten lange vor der sonst gewohnten Stunde an Gabrielens Thüre . Er war die ganze Nacht hindurch bis zum grauenden Morgen vor ihrem Hause auf- und abgegangen , hatte zu ihren Fenstern hinaufgeblickt und diese mit unaussprechlicher Angst von einem weit helleren Licht erleuchtet gesehen , als die verschleierte nächtliche Lampe geben konnte , deren schwachen Schimmer er in ruhigen Nächten so oft von dieser Stelle aus beobachtet hatte . Er sah an den herabgelassenen grün-seidenen Rouleaus Gabrielens Schatten einigemal vorüberschweben ; er hielt ihn für den ihrer , um sie beschäftigten Frauen , und dachte vor ungeduldiger Sorge dabei zu vergehen . Um so freudiger überraschte ihn jetzt die kaum gehoffte Erlaubniß , sie sehen zu dürfen ; denn die kurze Trennung eines einzigen Tages dünkte dem Verwöhnten , schon unerträglich lange gewährt zu haben . Anfangs stockte das Gespräch . Gabriele schwieg oft und lange ; sie schien bleich und erschöpft , Hippolit glaubte sie noch immer körperlich leidend , und verhielt sich ebenfalls still und in bescheidner Entfernung , um ihr nicht lästig zu werden ; er war ja zufrieden , sie nur zu sehen . Mit der äußersten Anstrengung ihrer geistigen Kraft begann Gabriele endlich , das , was in ihr so stürmisch wogte , ruhig zur Sprache zu bringen . Idas Name glitt zuerst fast unverständlich über ihre Lippen , doch nach und nach ermuthigte sie sich . Immer lebhafter werdend , sprach sie endlich von ihr , ihrer Schönheit , ihrer Anmuth , ihren geistigen Vorzügen , wie eine Begeisterte ; auch war sie es in diesem Moment durch das Bewußtseyn des mit fast übermenschlicher Kraft errungnen Sieges über sich selbst . Hippolit hörte ihr indessen mit lächelndem Beifall zu , wie man etwa die geistreiche Beschreibung eines schönen Gemäldes anhört . Er war so himmelweit davon entfernt , nur eine Ahnung von dem zu haben , was Gabriele mit ihren Worten eigentlich meinte , daß er sogar nur jetzt erst durch sie wieder an Idas liebliche Erscheinung erinnert ward , die ihn zwar während eines flüchtigen Moments recht angenehm beschäftigen konnte , die aber sammt den Ereignissen des mit ihr verlebten Abends , über der Besorgniß um Gabrielen von ihm gänzlich vergessen worden war . Die unerwartete Gegenwart der Gräfin Rosenberg hatte ihn damals wie immer sehr unangenehm berührt , denn er ward durch sie stets an Herminien und an einen Abschnitt in seinem Leben erinnert , dessen er nie ohne tiefe Beschämung und Reue gedenken konnte . Bewacht von ihren scharfen stehenden Augen , die ihn immer verfolgten , als wollten sie seine geheimsten Gedanken erspähen , mochte er es in ihrem Beiseyn kaum wagen , Gabrielen anzusehen , doch da er gern unbefangen und heiter erscheinen wollte , so war er darüber in jenen ihm sonst fremden Ton gerathen , in welchen Ida so meisterhaft einzufallen wußte , daß sie ihn viel weiter mit sich fortriß als er es anfangs gemeint hatte . Jeder von uns hat ja wohl im Leben erfahren , wie leicht man gerade in recht trüber Stimmung , um diese zu verbergen , sich den Schein ungewohnter Lustigkeit zu geben sucht , die dann leicht in ein wildes freudenloses Toben ausartet , und späterhin in nur noch herberen Schmerz sich auflöst . Gabriele , durch Hippolits schweigende Aufmerksamkeit in ihrer Ansicht immer mehr bestärkt , begann indessen immer deutlicher das anzudeuten , was sie meinte , ohne daß Hippolit sie verstand . Und als er endlich denn doch aufmerksam ward , Gabrielen einiges erwiderte , und ihre Antworten ihn immer mehr ins Klare setzten , da suchte er nur den Zweck eines Scherzes aufzufinden , der so ganz dem bittersten Ernste glich , und den er dafür zu nehmen sich doch unmöglich entschließen konnte . Zum erstenmal erschien Gabriele ihm fremd und unbegreiflich ; er gerieth dadurch in eine peinliche Spannung , die sie ebenfalls verkannte , weil auch sie , vom Gange ihrer eignen Ideen hingerissen , ihn nicht mehr verstand . Seine immer steigende Verwirrung , seine unzusammenhängenden Reden schienen ihr ein Bekenntniß , das ihm , sie fühlte dieß in seiner Seele , freilich schwer werden mußte , vor ihr auszusprechen . Ihr Herz brach dabei , aber ihre Stimme , ihre Blicke blieben fest , ihre Augen trocken , als sie nun endlich in deutlichen Worten sich erbot , selbst für ihn bei Ida zu sprechen . Als wäre aus blauer Luft