Schranke dazwischen redete , die Beschläge wären ja mehr wert und es sei ihr Brautschrank gewesen , worin ihr erster Mann ihr die Ausstattung vor der Hochzeit verehrt , da bot Susanna einige Kreuzer höher , und mit einem Schrecken durch alle Glieder schlug der Hammer ihr diesen Schrank zu . Das Zahlbrett wurde ihr gereicht , voller Verzweiflung faßte sie in ihre Tasche , und mit Verwunderung fand sie mehr darin , als zur Zahlung nötig . Erst wendete sie zu Gott den Blick , dann zahlte sie und gedachte , wie die Wirtin im Ratskeller ein paarmal ihr wie zum Scherz , ob sie auch reich sei , in die Tasche des Wamses gegriffen ; wahrscheinlich hatte sie ihr aus Gutmütigkeit das Geld eingesteckt . Die Versteigerung ging gegen die Zeit , wo man hätte Licht anzünden müssen , zu Ende ; da gab es aber noch ein Besehen und Bereden über alles Erkaufte . Endlich verlief sich die Menge , und Susanna ließ sich von der Magd , die sie vom Morgen her gleich wieder kannte , zu Frau Anna führen . Frau Anna stand in einem Zimmer , wo die weggenommenen Sachen noch ihre Schatten , wo sie gestanden und wo das Licht nicht hindringen konnte , zurückgelassen hatten ; sie hatte ihrem toten Oswald ein weißes Hemde reinlich angezogen , sein Haupt mit einer Myrtenkrone besteckt ; sie wartete auf den Schreiner , der den Sarg bringen sollte , und sah stumm auf das bleiche Gesicht hernieder . Die Magd sprach im Hereintreten : » Der junge Mensch , der heute Frau Bürgermeisterin gehalten , als sie in Ohnmacht gefallen , will gern einen Brief abgeben . « Frau Anna sah auf , als wüßte sie wenig von allem , was mit ihr vorgehe . » Wer bist du ? « fragte sie . » Ich heiße Kurt von Pforzheim ! « antwortete schüchtern Susanna . » Da kenn ich dich schon « , sagte sie ; » du willst wohl gut machen , daß wir einmal in Unfrieden geschieden , mein guter Kurt ? Du bist in der Zeit gewachsen , mit mir ist aber alles den Krebsgang gegangen ; da waren noch gute Zeiten bei meinem seligen Herrn , wo wir alle Tage was Neues fanden , ja gestern fielst du mir wieder ein beim Ausräumen der Kasten , da kam mir der lederne Beutel und der Degen wieder in die Hände , den du aufgefunden hattest und durchaus behalten wolltest ; weißt du noch , wie du mir eine Faust gemacht und mich bedroht hast , nie wieder zu kommen wenn ich dir das beides nicht ließe ; damals war ' s wohl genau von mir , daß ich ' s aufbewahrte , jetzt kommt ' s mir zu Gute ; sieh , da liegt der Degen und da der Beutel , ich löse doch wohl einen Kreuzer daraus . « Susanna war bei dieser Anrede in heißer Verlegenheit , sie meinte , es könne nicht fehlen , daß sie sich bald verreden müßte ; stammelnd sagte sie : sie möchte an die Zeiten nicht denken , das würde sie nur traurig machen , sie habe ihr eine kleine Freude machen wollen , indem sie ihr den Schrank , worin die Ausstattung sich befunden wiedergekauft hätte , und sie bäte , ihn wieder in Besitz zu nehmen . Frau Anna war außer sich vor Dankbarkeit , sie lief gleich hinunter und befühlte jede Leiste , ob auch nichts davon losgebrochen ; dann trug sie ihn , er war leicht und zum Aufsetzen auf einen Tisch eingerichtet , wieder in das Totenzimmer und legte mit großer Hast ihr totes Kind hinein . Susanna verwunderte sich , aber Frau Anna sprach mit großer Heftigkeit : » Du lieber Schrank , du hast all mein Glück so viele Jahre bewahrt , nun sollst du auch das Liebste , was mir noch übrig ist , zu Grabe tragen ! « Der Schreiner trat jetzt herein und sagte , daß der Sag nicht fertig geworden . Frau Anna sagte ihm : es sei ihr ganz recht , so sollte es sein , sie wolle ihr Kind in dem Liebsten , was ihr übrig sei , begraben . Der Schreiner äußerte sich nicht undeutlich , als er diesen Sarg gesehen , die Frau müsse aus Gram den Verstand verloren haben , inzwischen fügte er sich in alles . Frau Anna sang und betete nun mit ihm und Susannen noch eine Stunde ; kein Geistlicher kam zu ihrem Troste , sie waren alle wegen der Unruhen geflüchtet ; dann schloß sie , von unzähligen Seufzern unterbrochen , das Schloß und warf den Schlüssel in den Mühlbach , der an dieser Ecke des Hauses durch die Stadt floß . Der Meister Schreiner nahm den Schrank mit dem Kinde und ging langsam die Treppe hinunter ; Frau Anna folgte , von Susannen und der Magd unterstützt . Es war dunkle Nacht , und ein nahendes Gewitter erhellte ihnen die Straßen , die ganz verlassen schienen ; schweigend zogen sie in die Kirche , wo ihnen der Glöckner eine Nebentür öffnete und mit einer Fackel vorleuchtete . Gleichgültig führte er sie durch die wunderbare Nacht des Gebäudes , wo Adams Fall durch den Apfel in dem flammenden Blitze durch die hellfarbig gebrannten Scheiben leuchtete ; Susanna machte ein Kreuz und gedachte des Apfels wie eines wiedergewonnenen Paradieses , der heute ein gutes unschuldiges Kind von einem schmachvollen Tode errettet hatte ; sie fühlte in ihrer ganzen Seele Gottes Herrlichkeit , vor dem alles gut wird , was auf Erden geschieht . Sie kamen jetzt an das hoch vergitterte Grabgewölbe der Bürgermeister von Waiblingen . Die schwere Türe wurde eröffnet , da standen in einer langen Reihe mit schönen metallnen Handgriffen und Zieraten die Särge aller Verstorbenen dieses edlen Hauses dessen letzten Sprößling sie dem Vater zu Füßen setzten . - Der Glöckner fragte , ob das Wappen im Siegelring dem Kinde mitgegeben