suchte - bezeugte sich nichts weniger als abgeneigt . Diese zwei Falken auf einer Stange , von einem Falkenmeister , dem Teufel , abgerichtet , verstanden und vertrugen sich gut . Der deutsche Herr gab zu erkennen , ihr Miniaturbild sei bei ihrer frappanten Ähnlichkeit mit Idoine , die wie sie niemals sitzen wollen , zu manchem Scherze bei der Fürstin behülflich , aber noch mehr seiner » Flamme « für Liane unentbehrlich , und jetzt in ihrer Blindheit könne man sie ja zeichnen ohne ihr Wissen - und er werde unter das Bild schreiben : la belle aveugle oder so etwas . Der alte Minister goutierte , wie gesagt den Gedanken ganz . Wie die welschen Sängerinnen eine sogenannte Mutter statt eines Passes auf ihren Reisen führen , so hielt er sich für einen solchen sogenannten Vater ; er dachte : mit dem Mädchen wirds ohnehin wenig mehr , es liegt als totes Kapital da und verzinset sich schlecht ; ich kann den angeöhrten Patenpfennig , den der deutsche Herr bei seinem Gevatterstand mir als dem Vater anbietet wie dem Kinde den Namen , in die Tasche stecken . Das Schelmen-Duplikat wurde in seinem Schusse und Flusse bloß durch einen Floßrechen aufgehalten , der ihnen den Raub aus den Hechtzähnen zu ziehen drohte : eine alte , keifende , aber seelentreue Kammerjungfer aus Nürnberg war der Rechen ; diese wäre nicht von Lianen und nicht zum Schweigen zu bringen gewesen . Bouverot freilich , ein Robespierre und Würgengel seiner Dienerschaft , hätte an Froulays Stelle die Nürnbergerin ein paar Tage vorher von einem Diener mit einigen komplizierten Frakturen versehen und dann auf die Gasse werfen lassen ; aber der Minister - sein Herz war weich - konnte das nicht ; alles , was ihm möglich war , das war : er berief sie auf sein Zimmer - hielt ihr es vor , daß sie ihm sein Ohr aus Magdeburg gestohlen - blieb mit dem anwesenden Gehör taub gegen jede Einwendung , aber nicht gegen jede Unhöflichkeit - und fand sich endlich gar genötigt , die diebische Grobianin Knall und Fall aus dem Dienst zu jagen . Bei jeder Nachfolgerin hatte , als einer neuen , Geld Gewicht , wußt ' er . Er wollte darauf die Fürstin um eine Einladung für sich und die Ministerin zu Tee und Souper bitten - den Miniaturmaler bestellen - das neue Kammermädchen belehren - und alles recht anlegen . Zwei Tiger höhlten , nach der Legende , dem Apostel Paulus das Grab ; so scharret hier unser Paar an einem für eine Heilige , um so mehr , da ich sonst nicht absehe , wozu - wenn nichts gemacht werden soll als ein Bild - so viele Umstände . Aber den Vater könnt ' ich fast entschuldigen ; erstlich sagte er ausdrücklich zum deutschen Herrn , die Zofe könne seiner Meinung nach im Zimmer oder im anstoßenden passen , falls etwan die Patientin etwas haben wolle - zweitens hatte der sonst weiche Mann von seinem ministerialischen Verkehr mit der Justiz einen gewissen Kies angesetzt , eine gewisse Grausamkeit angenommen , welche der hinter der Binde und als Areopag ohne den Anblick der Schmerzen urteilnden Themis um so natürlicher ist , da schon Diderot142 behauptet , daß Blinde grausamer wären - und drittens war wohl niemand mehr bereit , sein Kind , das er , wie sonst angeblich Juden und Hexen Christenkinder , kreuzigte , um wie jene mit dem Blute etwas zu tun , tiefer zu betrauern , falls es stürbe , als er , da ohnehin die Eltern und überhaupt die Menschen zwar leicht das Unglück derer , die ihnen nahe liegen , aber schwer deren Verlust verschmerzen , so wie wir bei dem noch näher liegenden Haar nicht das Brennen und Schneiden , aber schmerzlich das Ausreißen desselben verspüren - und viertens hatte Froulay immer das Unglück ' daß Gedanken , die in seinem Kopfe eine leidliche , unschuldige Farbe hatten , gleich dem Hornsilber oder der guten Dinte auf der Stelle schwarz wurden , wenn sie ans Licht traten . Sonst - und von diesen Milderungen abgesehen - steckt wohl manches in seiner Handlung , was ich nicht verteidige . Der Abend erschien . Die Ministerin ging am ehelichen Arme an den Hof . - Die neue Kammerjungfer hatte als Brautführerin Bouverots schon vor drei Tagen die nötigsten Anstalten gemacht , oder Spitzbübereien - sie hatte ihm Lianens Briefe an Albano sehr leicht , da die Mutter aus Gewohnheit ein gegenwärtiges Auge für ein sehendes hielt , vorleihen und er sich daraus die historischen Züge oder Farben-Tusche abholen können , womit er sich bei einer Erkennung auf dem Theater vor der Blinden den Anstrich ihres Helden , nämlich Albanos , geben konnte - mit Roquairol hatt ' er oft genug gespielt , um dessen Stimme , mithin Albanos seine , in der Gewalt zu haben . Mich dünkt , seine Rüsttage vor dem Festabend waren zweckmäßig hingebracht . Er konnte , da kleine Residenzen früher Tee trinken , schon so früh erscheinen , als ein Miniaturmaler im September durchaus muß . Als er die stille Gestalt im Sorgenstuhl erblickte , mit den entfärbten Blumenkelchen der Wangen , aber fester gewurzelt in jedem Entschluß , eine kälter gebietende Heilige : so stieg in ihm die aus ihren Briefen zugleich gesogne Erbitterung und Entzündung miteinander höher - nur in solchen Brusthöhlen , zugleich mit Metall- und mit Darmsaiten , mit Härte und Wollust , bespannt , ist ein solcher Bund von Lust und Galle denklich . Bouverots ganze Vergangenheit und Lebens-Geschichtbücher müßten - wie die von Herodot den neun Musen - so den drei Parzen , jeder eines , zugeeignet werden . Er schlich ins Fenster , setzte sich und sein Farben-Kästchen hin und fing hastig zu punktieren an . Unterdessen ließ sich Liane von ihrem sehr gebildeten , belesenen Kammermädchen aus dem zweiten Bande der Oeuvres spirituelles von Fenelon vorlesen . Zefision rührte der Erzbischof gar nicht - was er etwa