. Da kam der bessere Boden . Endlich ! Endlich ! Unter Trommelschlag und Trompetenstößen hörte man Herzog Ludwigs mächtige Stimme über alle Köpfe hallen . Doch bevor die Übermacht seiner Ritter und Reiter den wilden Stoß und das sieghafte Niederreiten beginnen konnte , sauste der Kern des Münchener Treffens auf den zerrissenen Gegner los , voraus der junge Prinz mit seinem jauchzenden : » Drauf und dran ! « Nun sind die beiden Heere von Schatten umflossen . Und diesen wilden Zusammenstoß begleitet ein Gerassel , als kollerten schwere Eisenpfannen , Kupferkessel und zerspringende Glocken zu Tausenden über einen steilen Berg herunter . In dem grauenvollen Geschütter geht alles unter , was der Wehschrei eines Menschen ist , der Jauchzer eines Tapferen , der zu siegen hofft , das Röcheln eines Verlorenen , der sterben muß . Hoch über dem wirren Schattengebalge von Menschen und Gäulen , von Blei und Eisen , von Dampf und Feuer - droben im Glanz der Sonne - rudert ein riesiger Schwarm von Wildgänsen durch die leuchtende Luft . Sie kommen vom Haspelmoor und fliegen den Seen der Berge zu . Während sie über das Schlachtfeld ziehen , bleibt der lange Keil ihres Heeres ruhig und verwirrt sich nicht - sie fliegen so hoch , daß alles , was unter ihnen auf der Erde wimmelt , ein winziges , träges , kriechendes Ding wird , dessen sie nicht zu achten brauchen . Von der roten Sonne beschienen , sehen die vielen Vögel , die den Hügel von Hoflach überfliegen , wie eine Wolke wehender Rosenblätter aus . Unter den Gepanzerten , die vor dem Jägerhause bei Herzog Ernst zurückgeblieben sind , schreit ein Frommer und Abergläubischer : » Jesus , ihr Leut , schauet hinauf in die Luft ! Uns fliegen die Engel des Himmels zu . Wir müssen siegen . « Herzog Ernst , auf seinem schweren , unbeweglich stehenden Rosse , wirft einen raschen Blick in die Höhe und murrt : » Deine Engel haben Flügel . Aber sie schnattern . « Dann späht er mit vorgebeugtem Halse wieder hinunter auf das wirre Bild der Schlacht , deren ohrenbetäubendes Getöse zu ihm heraufquillt . Er wird unruhig . Eine bange Sorge beschleicht ihn . Der bescheidene Häuf seiner Reiterei ist zu hitzig vorgeprellt . » Ich sag ' s ja , der verrückte Jung ! Wenn ' s schiefgeht , reiß ich ihm die Ohren weg . « Er späht und streckt sich über den Rist des Gaules hin . Unter der Halsberge pocht ihm der Blutschlag wie ein Hammer . Immer mehr mißfällt ihm das gefährliche Spiel da drunten . Wohl hat sich Prinz Albrecht mit den sechshundert , die hinter ihm herjagten , in tollkühner Tapferkeit schon hineingekeilt zwischen die Massen des Gegners und sägt sich noch immer weiter gegen das Fürstenbanner des Ingolstädters hin . Doch hinter dem Prinzen und seinen Reitern ist ein böses Loch geblieben ; der Kernhaufe des Münchener Fußtreffens kann so schnell nicht folgen , obwohl die schweren Männer wie junge Buben rennen ; und die Flanken , bedrückt durch den regellos hetzenden Schwärm der Bauern , ziehen sich zu weit auseinander und werden gegen die Hügel geschoben . Wenn die berittene Übermacht der Feinde sich völlig herausstampft aus dem schlechteren Boden , ist alles verloren , und alles wird niedergerasselt . Aus des Herzogs Kehle fährt ein rauher Schrei . Sein Sohn ist verschwunden , ist gesunken , vom Gaul gerissen . Ein wildes Gebrüll da drunten , halb wie Jubel und halb wie Schreck . Für einen Augenblick schließt der Herzog die Lider . Dann reißt er den schweren Streithammer vom Gürtel , wirft durch einen Zuck des Kopfes das Helmvisier herunter und schreit : » Ihr Männer ! Los ! Und drauf und dran ! Oder mein lieber Sohn ist hin . Und alles ! « Die zwanzig gepanzerten Rosse jagen über den Hügel hinunter , durch eine Lücke des Treffens gegen den Feind . Schon kreischt man über die stockenden Reihen hin : » Der Prinz ist tot ! « Und Hunderte stehen erschrocken , Hunderte wollen sich wenden . Da hallt die Stimme des Herzogs : » Fürwärts , ihr guten Leut ! Erschrecket nit ! Mein Sohn ist wie ein anderer . Rettet euer Volk und Land ! Drauf und dran ! Hie gutes München ! Seht , wie der Feind entflieht ! « Dieses letzte Wort ist eine Lüge ; doch eine hilfreiche . Gleich einer Mauer , die zu laufen verstand und jetzt das Springen lernte , drängt die neugeschlossene Reihe des Städter-und Bauernheeres dem Herzog nach und fällt mit Sensen , mit Bidenhändern und Morgensternen gegen Ludwigs ankeuchende Reitermenge . Und Herzog Ernst bahnt eine Gasse , faßt den Streitkolben mit beiden Fäusten und haut nach links und rechts hinunter , mit plumpen , klobigen Streichen , mit gewaltigen Hammerschlägen , unter denen die Helme und Schädel , die Platten und Knochen splittern . Hinter dem Herzog schiebt sich der Hauf der schweren Zünfte nach und ein Trupp von Bauern , die mit grimmigen Hieben dreinschlagen . Allen voran ist der Michel Ungeraten mit seinem rostigen Eisen . Er hält dem Herzog den Rücken frei und hat für jeden , den er mit wütendem Streiche niederdrischt , die drei gleichen Worte : » Schmeck , wie ' s tut ! « Ein wüstes Geraufe und Stoßen , Schreien und Fluchen ist um den niedergestochenen Apfelschimmel des Prinzen her . Vom schweren Körper des Gaules halb in den Morast gepreßt , wehrt sich der Liegende mit ermattenden Kräften . Einer schlägt ihm das Eisen aus der Faust , ein roter Einrösser reißt ihm den Helm herunter , faßt ihn am Hals und drückt den vom Blondhaar umringelten Kopf des Prinzen in den Kot : » Ergebt Euch , Herd « Da saust in dem wirren Gewühl der Streitkolben des Herzogs auf den Nacken des Einrössers . Der bricht zusammen . Über ihm ein lachender Schrei : »