in den Häfen des Ostens sehr oft sehen oder hören ; sie sind zwar nicht nach unserem Geschmacke , aber fast immer sehr bezeichnend . » Seine Exzellenz , der Europäer « lag hart am Ufer an und war mit ihm durch ein Laufbrett verbunden . An diesem standen zwei Männer , welche nicht anders gekleidet waren als andere Leute auch und je ein dünnes , weißes Stäbchen in der Hand hatten , an dessen Ende sich eine Betelnuß befand . Vis-à-vis von dem Dampfer war am Lande ein Zelt errichtet , vor welchem eine Menge von Opium in allen seinen Gestalten und Zubereitungen nebst den zum Essen und Rauchen dieses Giftes nötigen Gegenständen zum Verkaufe ausgelegt worden waren . Dabei hockte am Boden wohl ein Dutzend sonnverbrannter , bis an den Hals bewaffneter Kerls , denen man die Führung irgend eines berüchtigten Handwerkes gleich beim ersten Blicke ansehen konnte . Vor ihnen aber standen auch zwei Männer mit eben solchen Arekastäben wie dort am Laufbrette » Seiner Exzellenz , des Europäers « . Sonst aber war nichts zu sehen , was auf irgend ein nicht ganz alltägliches Vorkommen schließen ließ . Indem wir vorübergingen , fragte der » uncle « den Beamten : » Das ist jedenfalls das Giftmischerschiff mit seinem Verkaufsstande . Ich vermute , daß Ihr Beide bewachen laßt . Sind die Männer mit den Stäben etwa Polizisten ? « » Ja , « antwortete der Hafenmeister . » Natürlich heimlich bewaffnet , mit Revolvern oder so Etwas ? « » Nein . « » Nicht ? Aber die Polizei muß doch eine Waffe haben , um sich Respekt zu verschaffen ! « » Das ist bei uns nicht nötig . Wir achten sie und ehren sie , ohne daß sie unser Leben zu bedrohen braucht . Eigentlich gibt es bei uns gar keine Polizei . Bei denen , die zur großen Brüderschaft der Shen gehören , sind Zwangsmaßregeln niemals nötig . Ein Jeder liebt und respektiert den Andern so , daß man keinen Menschen kennt , der irgend eines Schutzes gegen andere Menschen bedarf . Nur wenn es sich , zum Beispiel so wie hier , um Fremde handelt , kann es einmal zu jener Strenge kommen , deren sich jede zivilisierte Nation eigentlich zu schämen hat . Dazu brauchen wir aber nicht einen besonders besoldeten , besonders eingeschulten und besonders ausgerüsteten Stand , sondern es genügt Jedermann , der sich am Platz befindet . Er bekommt das weiße Stäbchen in die Hand und damit die gesetzliche Macht , die für den betreffenden Fall vonnöten ist . « » Hm ! Da bin ich still ! Aber es geht so ruhig zu ! Kein Auflauf , keine Ansammlung von Menschen ! Käme bei uns ein Fall derartiger Maßregelung eines Schiffes vor , so stände der ganze Platz hier so voller Manns- und Weibsleute , daß man gar nicht hindurch könnte . Hier aber scheint Niemand Etwas davon zu wissen . « » Da irrt Ihr , Sir , denn Jedermann weiß es ; aber ist es etwa ehrenhaft , sich um irgend einen Schurken extra zu bekümmern ? Ist er schuldig , so schämt man sich dann , ihn überhaupt beachtet zu haben , und ist er unschuldig , so bereut man es , ihn mit zudringlichen Blicken gekränkt zu haben . Fühlt Ihr nicht , Sir , daß es so am richtigsten ist , wie es hier bei uns gehalten wird ? « » Alle Wetter ! Ob ich das fühle ! Wenn das so weiter geht , so rede ich bloß noch englisch , sonst aber bin ich durch und durch chinesisch ! - - - Was ist das für ein Haus und was für eine Schrift über der Tür ? « Er deutete nach dem Gebäude , auf welches wir zuschritten . » Das ist mein Kung-So56 « antwortete der Hafenmeister . » Die Schriftzeichen sind Kung-Tao zu lesen , was so viel wie Gerechtigkeit bedeutet . Daß man sie in Wirklichkeit auch findet , wenn man sie hier bei mir sucht , dafür habe ich zu sorgen . Tretet ein , ganz so , wie es Euch gefällt ! Man liebt es hier nicht , die Gäste mit überflüssigem Zeremoniell zu belästigen . « Wir kamen durch einen geräumigen Vorplatz in einen Raum , den ich nach heimischen Begriffen als » Wartezimmer « bezeichnen möchte . Da saß der Mann , wegen dem der Hafenmeister geholt worden war . Er machte keine Bewegung , uns zu grüßen . Wir gingen in die große Stube nebenan , wo mehrere Schreiber saßen , und kamen dann in das eigentliche Dienstgemach des Pu-Schang , an welches eine Veranda stieß , deren Tür jetzt offen stand . Nachdem wir Platz genommen hatten , ließ der Beamte den Wartenden durch einen der Schreiber zu sich bescheiden . Als er hereinkam , grüßte er nun allerdings , aber nur ganz flüchtig , und setzte sich sogleich nieder , ohne dazu aufgefordert zu sein . Er war chinesisch gekleidet , aber sicher ein Mischling aus dem hinterindischen Süden , mit einem sonnverbrannten und von den Leidenschaften durchfurchten Gesichte , eine Spitzbubenphysiognomie , wie sie sich kein Schriftsteller erfinden darf , denn die hat es nur in Wirklichkeit zu geben . Er hatte heute vormittag die Schiffspapiere vorgezeigt , und die hieraus gemachten Eintragungen ergaben , was über ihn zu wissen war . Das Schiff mit der ganzen Ladung gehörte ihm selbst . Der Zweck seiner Fahrt war nur der Opiumhandel , den er , wie er behauptete , schon seit Jahren von seiner Heimat Binh-Dinh an der cochinchinesischen Küste aus bis hinauf nach den koreanischen Häfen trieb . Er gab an , daß es bisher kein Mensch gewagt habe , ihn an der Ausübung dieses seines Gewerbes zu hindern , und er erwarte , daß er jetzt sofort wegen der ihm hier bereiteten unerhörten Belästigung um Verzeihung gebeten werde und dann tun könne , was ihm beliebe . Der