dieses Geständnis schon wieder machen , wünsche aber , zum letzten Male . Jedenfalls war mir dieses ausgiebige Schlafen sehr nötig gewesen ; der Erfolg bewies es mir . Nun aber war es genug ! Ich ging hinab , ohne erst um Erlaubnis zu fragen . Zu wem ? Natürlich zunächst zu Syrr , nach welchem ich mich förmlich sehnte . Wer aber kam da eiligen Schrittes gelaufen ? Der Ustad ! » Willst du gleich wieder hinauf ! « lachte er . » Schau dir die Welt von oben an ! Unten darf man ja noch gar nicht wissen , wie gesund und energisch du bist ! « » Ja , richtig ; daran hatte ich gar nicht gedacht ! Aber arretiere mich nicht sofort , sondern erlaube mir , Syrr vorher einige Aepfel zu holen ! « » Das werde ich tun , und zwar bringe ich seine Lieblingssorte . Schakara hat sie mir verraten . « Während er nach dem Garten ging , war es gradezu rührend für mich , zu sehen , wie der Glanzrappe sich darüber freute , daß ich wieder einmal bei ihm war . Er gab mir das nicht etwa in drolliger Weise zu erkennen , sondern so still , so ruhig , fast möchte ich sagen , so innig oder so herzlich , als ob es eine menschliche Anmaßung sei , daß Tiere absolut keine Seele haben sollen . Man pflegt ihnen höchstens sogenannte » psychische Funktionen « zu gestatten . Nun wohlan , die psychischen Funktionen meines Syrr waren ehrlich , aufrichtig und ohne eine Spur von Falschheit oder Verstellung . Hoffentlich ist das bei den Menschenseelen in entsprechend höherem Grade ebenso der Fall ! Als er wiederkam , reichte er Syrr einen der Aepfel hin . Das Pferd roch die Frucht gar nicht einmal an . Es legte die Ohren nach hinten und wich einige Schritte zurück . Der Ustad tat einen zweiten Apfel zu dem ersten und folgte nach . Syrr ging abermals rückwärts , und der Ustad avancierte wieder , ihm die Aepfel hinhaltend . Da drehte sich der Rappe um und hob den hintern Fuß , zum Zeichen , daß er sich nun wehren werde . » Was ? Schlagen will er mich ! « verwunderte sich der Ustad . » Er ist also wirklich edler als Assil , der keinen Unterschied macht zwischen mir und dir ! « » Ja . Der höchste Adel zeigt sich eben darin , daß er distinguiert , nicht aber in den Fransen und Quasten , mit denen der Herr ihm Zaum und Sattel behängt . Teilen wir die Früchte zwischen beide Pferde ! « Wir taten es . Der Ustad gab Assil die eine Hälfte ; die andere bekam Syrr von mir . Er nahm sie jetzt ohne Weigern , und ich liebkoste ihn dafür . Indem wir dann fortgingen , sagte der Ustad : » So ; nun gehst du wieder hinauf , doch nicht , ohne daß ich dich für deine Folgsamkeit belohnen werde . Du sollst dich am Tage so wenig wie möglich zeigen ; aber heut Abend reiten wir im Dunkel mit Kara zusammen nach dem Dschebel Adawa , um zu versuchen , Etwas über die dortige Zusammenkunft zu erfahren . Ist dir das recht ? « » Sogar sehr , falls du glaubst , daß ich nicht zu schwach zu diesem Ritte bin . « » Zu schwach ? « fragte er lächelnd . » Nach einer so ausgiebigen Schlafmützigkeit ? Uebrigens wird es interessant , auch wenn wir nichts Neues sehen und hören . Du reitest den Syrr , ich den Assil und Kara den Barkh . Das gibt heimwärts ein Vorrennen , welches uns zeigen wird , wie weit wir in unsern Berechnungen gehen dürfen . « Ich war mit dem geplanten , abendlichen Ritte natürlich sehr gern einverstanden . Man wird sich erinnern , daß der Fürst der Schatten seine Päderan für heut um Mitternacht nach dem Dschebel Adawa , dem » Berge der Feindschaft « , bestellt hatte , um ihnen seine letzten Weisungen zu erteilen . Zwar kannten wir die Stelle nicht , an welcher diese Unterredung stattfinden sollte , doch bot uns der alte Hollunderbaum , in dem Kara die Agraffe gefunden hatte , einen Halt , den wir benutzen konnten . Als ich das dem Ustad jetzt sagte , antwortete er : » Das ist ganz derselbe Gedanke , den auch ich verfolgen will . Ahriman Mirza wird kommen , um seine Agraffe abzuholen . Wenn wir uns vorher dort verstecken und ihm dann heimlich nachschleichen , wird er unser Führer sein , ohne es zu ahnen . « » Aber die Gefahr , in welche wir uns begeben ? « » Gefahr ? Wie drollig dieses Wort klingt , wenn man es aus deinem Munde hört ! Wo du nicht ängstlich bist , kann ich es doch ebensowenig sein . Uebrigens bewaffnen wir uns gut und legen andere Kleider an . « » Welche ? « » Die Anzüge vom Schah . Ich habe ja auch einen . Du sagtest , Ahriman Mirza sei genau so gekleidet gewesen . Er wird es wahrscheinlich wieder sein . Ich glaube zwar nicht , daß man uns sehen wird . Aber sollte es doch geschehen , so wird man vermuten , daß wir zu der persischen Begleitung gehören , die mit ihm bei den Taki angekommen ist . Es ist dann sogar möglich , daß man glaubt , er selbst habe - - - Ah , « unterbrach er sich da , » vielleicht ein guter Gedanke : Ich nehme seine Reitpeitsche mit , in welcher die schwarze Larve steckt ! Kommt dann noch die Agraffe dazu , so kann man jede Gefahr in ihr gerades Gegenteil verwandeln , indem man sich für den Aemir-y-Sillan ausgibt . Meinst du nicht auch ? « » Welch eine Idee ! Woher mag sie dir gekommen sein ? Derartige Gedanken sind niemals Sondergeburten