solchen Urahnen . Ich liebe es , mich am Postament erhabener Vorzeit emporzuranken . Diener bringt Wein . CLODIUS . Du ? Nun , unsre Vorfahren - Dein Wohl , Sprößling des Sulla ! - waren groß , aber langweilig . Waren sozusagen nicht von » gutem Ton « . CÄSAR ernsthaft . Wie wahr ! Hat sich was mit ihrer brüllenden Riesenhaftigkeit ! Ihr Tigergrimm und Löwenzorn - drollig ! Diese Metzeleien aus Rache und Ueberzeugung ! Wie anders wir Neueren - nicht , kühner Clodius ? Wir morden mit kaltem Blut , wir würgen ohne Leidenschaft - darin sind wir unerreichbar . CLODIUS . Das ist ' s , Du verstehst mich ganz . Marius vor Rom , Sonnenuntergang , gewitterschwangere Augenbrauen , kochende Lavagluth der Heldenseele - bah ! Wir haben kaltes Erz , wir Gladiatoren , für solche Löwenhitze . Wir Männer der Zukunft - da ist alles kahl , kühl , kalt . CÄSAR an seine Glatze fahrend . Besonders kahl , geliebter Clodius . SULLA . Auf Ehre , ganz meine Ansicht . Nur wir stehn auf der Höhe des Jahrhunderts . CÄSAR . Stehn wir ! - Sprechen wir also von Geschäften ! ANTONIUS MAIOR . Nun , ich darf ja sagen , es macht sich . Stimmen wie Heu ! Majorität unberechenbar ! Ja , das Wie ist schon sicher , aber das » Was « ! CÄSAR . Was heißt » Was « ? ANTONIUS MAIOR . Consulat ist ein schön Ding . Wir sind nicht dazu aufgestanden , um ein paar Schulden zu bezahlen . Es giebt noch andre Rechnungen zu begleichen . CÄSAR gedehnt . Ach , das heißt » Was « ? - Lieben Freunde , ich habe zu thun . Ich fahre aus . CLODIUS eifrig . So ? Jetzt gleich ? CÄSAR befremdet . Ja wohl . - Dringende Geschäfte . SULLA . Ich auch . Mein Schneider wartet . CLODIUS . Ich schlendre durch die Straßen . Schöne Augen - trala ! SULLA . Ich begleite Dich . CLODIUS . Danke . Ich jage stets allein . - Dein Diener , Julier ! Ab . ANTONIUS MAIOR . Das » Was « ! CÄSAR . Das » Was « ! Antonius und Sulla ab . CÄSAR allein . Bringt man beide durch , Catilina und diesen Lumpen , so ist die Aristokratie verloren . Mein Schwiegervater , der Säbelmann , soll nur anrücken mit orientalischen Gelüsten - ehe er den Fuß auf italischen Boden setzt , sind wir hier fertig . Laß sehn ! Ist dieser Catilina ein geistreicher Schwärmer , - gut . Wagt er ' s aber mein Doppelgänger zu sein , so eine verpfuschte Copie der Natur nach meinem Bilde , so heißt es : Er oder ich . Einer muß fort . - Er will mich heut sprechen , natürlich geheim . Ja , Vorsicht thut noth . Darum meldete ich schon gestern meiner Dienerschaft an , daß ich um diese Stunde ausfahren würde . - Wohlan , Dictator Catilina , wir werden ja sehn . Er geht ins Innere des Hauses . CLODIUS tritt nach einer Weile hastig ein und nähert sich vorsichtig . Alles leer . Der Marder im Taubenschlag ! Ich versteckte mich hinter die nächsten Säulen und ließ die Andern an mir vorbei . Der Augenblick ist günstig . Cäsar fährt aus , wie seine Diener mir schon gestern verriethen . - Macht dieses dürre Ehegespons mir Schwierigkeiten , so werf ich ihn zum eignen Haus hinaus . Ich bin der Clodius , der alles wagt . - Wer kommt ? Er verbirgt sich hinter Hausgeräth . Terentia kommt aus dem Innern des Hauses , von Pompeia begleitet . TERENTIA . Ja , meine Theure , Fortschritt , Fortschritt über alles , über alles in der Welt ! Ich marschirte stets mit dem Zeitgeist . Allgemeines Wahlrecht , vorzüglich Redefreiheit - das ist die Zukunft der weiblichen Jugend . - Vale ! Begleite mich nicht weiter . Mein Wagen wartet , in ihm Papirius als Lenker der Rosse . POMPEIA . Dein Liebhaber ? So öffentlich ? Dein Mann - TERENTIA . Mein Mann ! ! Deine Erziehung scheint doch sehr vernachlässigt . Von Zweien bin ich geschieden , einen brachte ich unter die Erde im Kampf gegen seine tyrannische Anmaßung , und sollte Kikero fürchten ? POMPEIA . Laß Dich mit Catilina trauen - der fürchtet ihn auch nicht . TERENTIA . Pfui , wie Du redest ! Dieser Elende , der den Plebejern und Sclaven den Zeitgeist predigt - nichts habe ich mit ihm gemein . Fortschritt auf meine Kosten - dafür bedank ' ich mich . Mein Mann soll sich nur unterstehn , bei der Wahl durchzufallen ! Na warte ! Ab . POMPEIA . Sie sind alle so fortgeschritten . Warum schreite ich nicht auch fort ? Träumerisch . Dieser Clodius stellt mir fast unziemlich nach . Doch wie hübsch er ist ! CLODIUS aus seinem Versteck hervorstürzend , kniet vor ihr . Herrin ! POMPEIA erschrocken . Minerva schütze ! Steh auf ! Was willst Du ? Mein Gatte - CLODIUS . Was schiert mich eine Welt in Waffen ! In diesem Staube laß mich ewig ruhn , den Dein schneeiger Fuß geweiht ! Sieh , meine Seele drängt sich ins entflammte Auge , das Deines sucht ! POMPEIA . Laß mich ! CLODIUS . O Deine Stimme ! Brauste rings die Welt in Flammen auf - ich höre sie allein . Nicht wie ein Modeherr in wohlgeschützter Laube von Liebe schwatzt in wohlgesetzten Phrasen - nein , unterm Laubendach sausender Speere , wie ' s einem Sohn des Mars gebührt , zujubeln möcht ' ich Dir : Ich liebe Dich ! POMPEIA . Schone mich und fliehe ! Mein Gatte - CLODIUS . Der ist fern und Niemand hört mich hier als Venus meine Gönnerin . Und mag die Erde selbst erbebend öffnen ihren Schlund - von dieser Stelle weiche ich