Land des Traumes . Die beiden jungen Menschen waren zu Hause in Pinneberg , sie erkannten die alte , vertraute Umgebung , sie sahen die Bilder früherer Tage und wußten nichts mehr von der harten Gegenwart . Woche auf Woche verging . Die emsigen Goldwäscher verdienten jetzt , nachdem sie sich in die ganze Art und Weise ihrer neuen Beschäftigung hineingelebt hatten , anstatt der früheren zwanzig Dollar vielleicht fünfundzwanzig und manchmal auch dreißig , sie lebten zurückgezogen wie die Mönche , berechneten jeden Groschen und nutzten jede Stunde , aber die Aussichten für die Zukunft wurden nicht besser . Der Wechsel war zwar bezahlt , die Stiefel aber mußten durch neue ersetzt werden , und die alten Kleider reichten für die kältere Jahreszeit nicht mehr aus . Nachdem das Unentbehrlichste angeschafft war , blieb kein Cent mehr übrig . Gottlieb konnte , obwohl er jetzt schon seit sechs Wochen in den Goldminen lebte , doch seinen Eltern nicht das Allergeringste schicken , und Robert hatte keinen Dollar im Kasten , wenn auch beide zwölf Stunden lang täglich arbeiteten . Der Händler sagte , daß ihnen das Glück außerordentlich günstig sei . Mancher müsse jahrelang Schulden über Schulden machen und könne endlich nur noch die Zinsen bezahlen . In den Goldstädten gebe es keine sichere Lebensgrundlage , sondern eben nur ein » Wer wagt , gewinnt ! « Und so wurde unermüdlich fortgearbeitet , zuletzt , als die Tage kürzer wurden , beim Schein eines großen Feuers , das vom Rand der breiten Waschrinne bis in die Tiefe hinab seine roten , zuckenden Lichter warf . Wie Kobolde , wie die Heinzelmännchen aus dem Märchen erschienen dort unten die dunklen Gestalten mit den schweren , bis über die Knie reichenden Stiefeln und dem eng anliegenden Bergmannsanzug aus Leder . Unermüdlich schleuderte Mongo die Steine auf den oberen Rand , unermüdlich hackte Robert und sichtete Gottlieb , aber Woche auf Woche verging , das ersehnte Glück blieb aus , der große Klumpen Goldes , von dem jeder Wäscher träumt , den er hinter jeder Erdscholle vermutet - wurde nicht gefunden . Mongo trug nach Feierabend beim Mondschein sorgfältig die herausgeschaufelten Steine nach Neu-Pinneberg und errichtete dort um die hölzernen Wände herum eine Art Schutzwall , bei dem er zwar lediglich an die kommende Winterkälte dachte , den aber Gottlieb mit großer Freude wachsen sah , weil er nach seiner Meinung Schlangen und Kriechtiere von der Wohnung fernhielt und Raubtieren den Zugang sehr erschwerte . » Du solltest uns auch ein Drahtgitter flechten , Alter « , sagte er , » und eine Eisenstange wollen wir quer vor die Tür legen . Wenn hier nicht alles so teuer wäre , hätte ich fürs Leben gern einen Hund . « » Ach , du bist ein Angsthase , das nimm mir nicht übel . Solltest lieber , um etwas Mut zu bekommen , morgen mit uns auf die Jagd gehen . « Gottlieb erschrak . » Auf die Jagd ? « wiederholte er . » Ich danke ! « Und dabei blieb es . Er ließ sich kein Gewehr in die Hand drükken , sondern verschloß , wenn am Sonntag seine Gefährten zur Jagd gingen , sorgfältig die Tür und schrieb bogenlange Briefe , in denen er seinen Eltern genauestens schilderte , wie er lebte , und daß es bis jetzt ganz unmöglich gewesen sei , auch nur den kleinsten Überschuß zu erzielen . Diesen Briefen fügte Robert jedesmal eine Einlage bei , und wenn von Gottliebs Familie ein Brief ankam , so hatte er regelmäßig die Freude , auch von seiner alten Mutter ein paar Zeilen vorzufinden . Der Vater dächte immer noch wie früher , hieß es , er wolle von Versöhnung nichts wissen und verlange vor allem ein reumütiges Geständnis , Robert wisse schon , in welcher Beziehung . Das sei an der ganzen Sache das Schlimmste , und wenn einmal ihr Sohn als Bettler in die Heimat zurückkehre , so müsse man darin Gottes Fügung erkennen . Aber , fuhr die Mutter fort , Robert solle doch kommen , lieber heute als morgen , es lasse sich wohl alles ausgleichen , und außerdem habe sie auch von ihrem Bruder Klaus , der ohne Erben gestorben sei , kürzlich ein paar hundert Taler geerbt . Die würden schon reichen . Robert las kopfschüttelnd den Brief zum zweiten-und zum drittenmal . Alle diese Anspielungen , diese Hinweise auf etwas noch Schlimmeres als seine Flucht aus dem Elternhause , - er verstand sie nicht . Sprach vielleicht seine Mutter von den fünfzig oder sechzig Talern , die Georg für ihn aus dem Geldkasten des Vaters genommen hatte ? Dachte der Alte an diese verlorene Summe zuerst und dann an den Sohn , der in jedem Brief inständig um Verzeihung bat . Aber er wußte es ja , einen mitfühlenden , freundlichen Vater hatte er nie gehabt , sondern nur einen strengen , unnachgiebigen Erzieher , dessen bürgerliche Ehre tadellos dastand , der aber nichts verzeihen und sich niemals in die Seele seines Kindes hineindenken konnte . Mutlos ließ er den Kopf in die Hand sinken . Überall unter seinen Füßen , da wo er nachts zur Ruhe ging , da wo er sein kärgliches Mahl verzehrte und wo er im Schweiße seines Angesichts arbeitete , - überall konnte das Gold liegen , aber er fand es nicht , fand es nicht , ob er auch grub und schaufelte , bis ihm das Blut aus den Fingern heraussprang . Manchmal , wenn ihn die innere Unruhe überwältigte , fuhr er mitten in der Nacht vom Lager auf , grub im Mondschein an irgendeiner beliebigen Stelle mit fast wahnwitziger Hast ein Loch in den Boden und bildete sich ein , daß er den roten Schatz finden müsse , daß es plötzlich wie Blut unter seiner Hacke hervorquellen werde , unaufhaltsam , ein Königreich , ein Paradies der kühnsten Hoffnungen . - Und wenn dann der graue , nüchterne Wintermorgen mit Hagelschauern und kalten Windstößen