, und daß sie sehr wohl die Leute wären , auf Ordnung zu halten im Reich , sich selbst Recht zu sprechen und zu schützen gegen die Uebergriffe Solcher , die sich dünkten mehr zu sein als die ehrsamen Reichsbürger , und von diesen doch nur Placker und Straßenräuber , Landfriedenbrecher und Ritter von Habenichts genannt wurden , wenn sie auch noch so stolze Embleme in ihrem Wappen führten . Diese schnelle Justiz erfuhr der Ritter Axel von Weyspriach an sich . Es war erwiesen und er selbst hatte gar kein Hehl daraus gemacht , daß er lange Zeit in seiner Veste nur von Straßenraub gelebt , und daß er den friedlichen Handelsleuten , die aus oder nach Nürnberg ihre Wagen und Waaren an dem ihm zugehörigen Wald vorüberführten , aufgelauert und einen Theil ihrer Waaren oft als Lösegeld genommen hatte , daß er die Leute selbst ungefährdet ziehen ließ oder ihnen nicht Alles nahm . Oft jedoch waren seine Ausfälle minder gemüthlicher Art , und es kam dabei auf einige Todte nicht an , wenn durch solchen Raubmord nur ein einträgliches Geschäft gemacht ward . Ja , die meisten Ritter rechneten sich solche Thaten nicht etwa als verbrecherisch und ehrlos an : im Gegentheil , dergleichen war ihnen mehr ein Scherz , ein Recht des Stärkeren , ein Sieg ihres ritterlichen , kühnen Unternehmungsgeistes , dem stillen Krämergeist der Städter gegenüber ; den Spießbürgern geschah ganz recht , wenn sie um ihr Eigenthum kamen - warum wollten sie jetzt so hoch hinaus und es in Allem dem Adel gleich oder zuvor thun ! Ja , diese Raubanfälle steigerten sich um so mehr zum Heldenthum , als sie jetzt durch den von Kaiser Friedrich gegebenen und vor Kurzem auf neue acht Jahre verlängerten Landfrieden , auch eine Auflehnung waren gegen Kaiser und Reich . Die trotzigen Ritter , die sich durch die neue , zu Gunsten des Bürgerthums sich wendende Ordnung der Dinge in ihren Rechten sehr beeinträchtigt sahen , setzten eine Ehre darein , zu beweisen , daß sie sich an kein neues Gesetz zu binden brauchten und daß sie noch zeigen wollten , wer mehr Macht habe im Lande : die Bürger oder der Adel - und die Gefahr reizte nur zu um so frecheren Handlungen . Als Weyspriach und Streitberg mit dem Führer jenes Waarentransportes von Augsburg zusammengetroffen waren , der so wundersame Geschenke für die Behaim und Scheurl enthielt , so geschah es im doppelten Interesse , ihn aufzulauern : einmal um dieser Gegenstände Willen , und dann um sich dadurch an Elisabeth zu rächen . Das ahnten sie freilich nicht , daß nun die Herren von Nürnberg einmal Ernst machen würden , die Ritter als Thäter entdecken , verklagen , belagern , in die Reichsacht erklären - und schließlich wirklich in ihre Gewalt bekommen . Als der Raub geschehen war und die Ritter nicht alle Kisten mit sich hatten fortschleppen können , waren einige derselben im Walde vergraben worden , um sie einmal bei gelegener Zeit mitzunehmen . Ezechiel und Rachel waren gerade auf einer ihrer Wanderungen über Land vorüber gekommen , und man hatte den Juden , um sich seiner zu versichern , zum Theilhaber an dem Verbrechen gemacht . Damit er schweige , hatte man ihm einen Sack mit werthvollen Kleinigkeiten geschenkt , und unbedacht auch den indianischen Raben , den Rachel aufgefangen . Nicht lange darauf mochten ihn Leute , die bei Ezechiel Geschäfte hatten , dort bemerkt haben ; aber die Christen , welche dies thaten , schämten sich einzugestehen oder selbst zu verrathen , daß sie mit dem Juden in irgend welcher Berührung waren , und so verbreitete sich nur ganz im Allgemeinen und ohne bestimmte Angabe das Gerücht : die Juden hätten die indischen Schätze . Ezechiel selbst war gerade über Land auf ein paar Tage , als das Murren des Volkes wider die Juden drohend ward . Rachel ' s Bruder Benjamin wollte den Vogel , der zum Verräther werden konnte , erwürgen und vergraben ; Rachel war aber mit ihm verschwunden , und wagte doch erst lange nicht zu gestehen , wie und durch wen sie ihr Volk gerettet . - Da Weyspriach gefangen in Nürnberg war und ihm in der Eile der Prozeß gemacht ward , suchte er sich wenigstens noch dadurch zu rächen , daß er Alles an das Licht brachte , was vielleicht die Nürnberger Herren in einige Verlegenheit setzen konnte . Er erklärte den Juden Ezechiel als seinen Verräther , nachdem er den Helfershelfer gemacht , da Niemand als er in Nürnberg wissen konnte , wohin man die Kisten gebracht - er habe es wohl der Frau Haller gesagt , deren ergebener Diener und Freund er ja sei . Ebenso werde es wohl die alte Jacobea gewußt haben , in deren Hause die Frau von Scheurl schon manches verliebte Abenteuer mit dem Steinmetzgesellen gehabt , und von deren Hand sie wahrscheinlich auch das Gift empfangen habe , mit dem sie ihren Gemahl beseitigt - denn darauf verstehe sich die alte Hexe wie Niemand sonst . Die Folge dieser und anderer Aussagen von ihm war , daß man wenigstens den Juden Ezechiel und die alte Jacobea einziehen mußte . Indeß konnte doch ihre Schuld oder Mitschuld keinen Einfluß auf Weyspriach ' s Geschick haben ; er hatte sein Leben verwirkt , man wollte einmal ein Exempel statuiren : er ward verurtheilt lebendig gerädert zu werden , welches Urtheil dann durch besondere Gnade in den Tod durch das Schwert verwandelt ward . Wohl waren damals Hinrichtungen an der Tagesordnung und das Volk war an blutige Auftritte gewöhnt - aber lange war es nicht vorgekommen , daß ein Ritter , ein Herr vom Adel war gerichtet worden . Der Bürger und Bauer hatte sein besonderes Ergötzen daran , daß auch einmal Einer , der ein stolzes Wappen trug , dem Henker verfiel . Der Tod durch dessen Schwert war überdies die ehrenvollste Todesstrafe , und sie war darum mit um so größerem Gepränge vollzogen und lockte