Namen reisen ! Und gleich ! Den Augenblick ! ... Aber der Eintretende nahm die Aufmerksamkeit aller Anwesenden allein in Anspruch . Herr Jean Baptiste Maria Schnuphase ist ein kleiner Mann von unendlichster Devotion . Sein Frack ist grün , die Knöpfe daran sind weiß und von Metall , die Weste ist von Kameelgarn und gelb und die Beinkleider sind von Nanking . Er trägt weißgewaschene Lederhandschuhe , wie zu einer Kindtaufe . Aber statt eines Hutes hat er doch nur eine Reisemütze in der Hand und das genirt ihn und das bringt ihn außerordentlich in Verlegenheit und er muß lächeln und um Entschuldigung bitten und muß alles aufbieten , um das Négligé dieser Reisekappe zu verbergen und muß sein : Hochwürdigste Hochwürden - gnädigste Frau - hochehrwürdiger Herr Pfarrer - sehr geehrter Herr Windhack ... mit so vielen Verbeugungen unterbrechen , daß wir - Doch nein ! Um Jean Baptiste Maria Schnuphase ganz zu charakterisiren und nichts zu unterlassen , was zu seinem » ganz ergebensten « und » hochachtungsvoll ergebensten « Eindruck gehört , müssen wir ihn eigentlich in seiner eigenen Sprache reden lassen ... Es ist das jene Sprache von der Abdachung des Harzes her in die kleine römische Enclave , das einzig rechtgläubig dortherum gebliebene Hildesheim . Es ist die Sprache der braunschweigischen Umlaute » uö « statt a oder au oder o , die Sprache des lispelnden S vor St und Sp ... Alle diese feinen Nuancen gehören zu dem Duft des » Vörnöhmen « und » Erhöbenen « , das den Lebküchler , Wachslichterfabrikanten und Meßgewands-ticker schon seit dreißig » Jöhren « umgibt . Schnuphase , oder nach seiner eigenen Aussprache » Schnuphöse « , besitzt eine nie » ermöngelnde « Ergebenheit . Er ist das Factotum aller menschlichen Bedürfnisse des höhern und niedern » christköthölischen « Klerus . Er ist der Beichtvater der Beichtväter . Herr Maria , von Hildesheim durch eine glückliche Gesellenschaft und darauffolgende Verheirathung gen Westen verpflanzt , ist wohlangesehener Bürger und Hausbesitzer in der stolzen Königin des großen » S-trömes « , die wir kennen lernen werden . Er ist der » Figaro hier « , der » Figaro dort « des Domstifts und aller derer , die sein Vertrauen suchen und nicht suchen ! Dienen , dienen um jeden Preis , dienen und wär ' s auch nur um die regelmäßige Abnahme seiner weltberühmten Wachskerzen für Haus und Altar , seiner Lebkuchen für den Weihnachtsbaum , seiner Stickereien , deren Anfertigung seine beiden Töchter Eva und Apollonia zu den Garderobièren aller Gottesmütter des Landes und aller sonstigen heiligen Toiletten gemacht hat ... dienen war » Herrn Maria ' s « Lebensaufgabe ! Wo ereignete sich das Weihen einer Kirche auf zwanzig Meilen in der Runde , stromauf , stromab , ins Frankenland hinein und hinüber auf die rothe Erde , daß Herr Maria fehlte ? Oder eine Priesterweihe oder ein Zweckessen oder ein großes Leichenbegängniß oder eine Glockenweihe oder eine Wallfahrt oder eine Schaustellung wunderthätiger Bilder oder Reliquien ... Herr Maria sollte fehlen ? Herr Maria , der kleine , immer vom Feuer der Ueberzeugung sowol wie vom edelsten Ahrbleichert Geröthete ? Er war einer der Cherubs , flammend von der Nase bis zum Schwert , die an der Kathedrale in der Residenz des Kirchenfürsten die Eingangsportale hüteten ! Dabei durft er auch wandeln auf Erden wie ein Cherub auf Urlaub , ein Cherub der Legende , zu Wagen , zu Roß , per Dampf auf der kühlen Welle oder der hie und da schon sich streckenden Schiene ! .. Herr Maria wohnte in einem der alterthümlichsten , massivsten Häuser , die man sich durch hochwürdigste Protection nur erwerben kann . Er war in seiner Art ein Napoleon . Wenigstens war die Biene sein Symbol . Er hätte eigentlich in einem Bienenmantel bei jeder Procession voranschreiten müssen , wie er oft voranschritt , dann freilich im schwärzesten der schwarzen unter seinen vielen Fräcken , mit entblößtem Haupte und eine seiner eigenen Kerzen tragend ... Die Bienen hatten ihn gelehrt , Honig früh von Wachs zu unterscheiden , aus jenem die lieblichsten nürnberger Leb- und thorner Pfefferkuchen und baseler Leckerlis zu gestalten , aus diesem aber Kerzen , reine , weißgelbe edle Wachskerzen zur heiligsten Weihe . Und diese Bienen hatten ihn auch die Emsigkeit gelehrt , den rastlosen Fleiß , das Sammeln auf allen Fluren und Wegen und Stegen für seinen eigenen Schatz und den des Reiches Gottes . So erlebte er freilich die Berufung zu den höchsten Steuersätzen durch diesen kalten protestantischen , keine Exemtionen duldenden » S-töt « , aber auch die Mittel , sie quartaliter pünktlichst zu berichtigen . Herr Maria galt für wohlhabend , aber er war reich . Das wußten Domherren und Capitulare und Officiale und Curaten bis zu Psalteristen und Calcanten hinunter . Dominicus Nück , der mächtige Procurator , Benno ' s Principal , wußte es gleichfalls . Der hatte ihn auf der Liste aller derer , die in großen Erbschaftsfragen , wie z.B. jetzt in der der Dorste-Camphausen , Mündel- und Pupillengelder auf die rechten Plätze anzulegen wissen . Und was gab es nicht allein schon auf dem geistlichen Gebiete zu rechnen und zu zählen ! Was hatten die Herren von Sancta-Columba und Den Aposteln und Den sieben Schmerzen und allen Kirchen diesseit und jenseit des Stromes nicht für einen Neffen dort , für eine Nichte da liebevollst zu sorgen , aufzunehmen und abzutragen ! Was gab es nicht Kapitalien unterzubringen ! » Schicket euch in die Zeit , denn es ist böse Zeit ! « Herr Maria kannte das ganze Land , kannte alles , was neben Bienen auch Korn und Gerste zieht und Hypotheken braucht . Freilich war er nicht in dieser Gegend geboren , aber er war geboren in dem Lande der Höflichkeit , der feinsten deutschen Aussprache , der gewähltesten Umgangsformen . Er wurde überall gut aufgenommen und nie übermüthig . Er hatte von den Bienen die schöne Harmonie gelernt , die Unterordnung unter einen gekrönten