die reichern Abmiether anderer auf Speculation gebauter Häuser zu übertreffen . Ziemlich in der Mitte dieser vom Gewühle der Stadt entrückten Niederlassung lag ein ganz besonders hervorstechendes , geschmackvoll angelegtes Landhaus . Es war von stattlicher Breite und mit den obern Mansarden gerechnet fast dreistöckig . Das obere Dach war in italienischer Weise platt und rings mit einem eisernen Gitter geschmückt . Zwei Balcone hingen an den Fenstern der Hauptetage , zeltartig überwölbt mit roth - und graugestreiftem Damastzeuge und unter diesen vor der Sonne schützenden Dächern mit den farbigsten Blumen geschmückt . Die Einfahrt geschah durch eine gußeiserne Pforte von geschmackvoller Zeichnung . Auf einem gekieselten Wege gelangte man dann zu einem epheu - und weinumrankten Überbau an der rechten Seite des Landhauses , wo die Wagen anfuhren und Strohdecken bis zu den Stufen des Einganges hinaufgelegt waren . Ein Gebüsch von Rosenhecken an dem Gitter entlang versteckte den Einblick in den einfachen Vorgarten . Zierlich rankten sich die Rosen durch das eiserne Gitter hindurch , ein Anblick , bei dem mancher sinnige Wanderer stillstehen und freudig oder wehmüthig Italiens gedenken mußte .... Die weißen Fenster waren mit langen , gleichfalls roth - und graugestreiften Staubgardinen von außen verdeckt .... Nach hinten lagen auf der einen Seite Ställe , Remisen und ein Wirthschaftsgebäude ; nach der andern erstreckte sich ein Anbau bis in den Garten , der umfangreich die sorgsamste Pflege verrieth und in seinen äußersten Grenzen noch von den Treibhäusern und der Wohnung des Gärtners eingefaßt war . Der nur einstöckige hintere Anbau des Hauses endete nach dem Garten zu in einem Salon und einer Veranda . Beide hingen fast zusammen und waren nur durch hohe Glasthüren getrennt . In diesem Salon sahe man Divans , Causeusen und die ganze übliche Ausstattung einer reichen und , wenigstens nach der Mode gerechnet , geschmackvollen Ausstattung . Die Fenster waren von buntem Glase und warfen blaue und rosige Lichter von magischer Wirkung auf das glatte Getäfel dieses gefälligen Gesellschaftsraumes . An den Wänden , die mit eingebrannter Wachsmalerei geziert waren , rankten sich Epheustöcke aus weißlackirten Untersätzen empor und versteckten ihre äußersten Spitzen hinter den schweren gelbseidnen Gardinen , die , oben von den Fensterrundungen herab sich senkend , hinter schweren Rosetten zurückgesteckt waren . Die grünen Zweiglein suchten nach der Sonne , deren Licht ja die Nahrung ihres Lebens ist . Vom Plafond , der gleichfalls mit enkaustischer Malerei glänzend überzogen und mit Goldleisten eingefaßt war , hing ein sehr geschmackvoller Kronenleuchter von Bronce und Krystall herab . An den Wänden sah man zwischen den sechs Fenstern ... drei lagen auf jeder Seite ... Beleuchtungs - Glocken , die Abends ihren Schimmer durch ein mattes rothes Glas warfen . Durch diese Räume nun schritt , von der Garten - oder Hofseite herkommend , in Begleitung einer ältern Dame stattlichen Aussehens , die Besitzerin dieser comfortablen Wohnung . Es war eine hohe magere Gestalt , in eleganter Morgenkleidung . Die Dame war nicht mehr jung und schien auch auf den Schein Dessen , was sie nicht mehr besaß , keinen allzu lebhaften Anspruch zu machen . Sie trug ein weißseidnes Bandeau um das strenge , früher vielleicht wenn nicht schöne , doch interessant gewesene Haupt mit den dunkelumschatteten , scharfstechenden Augen . Der große weiße Kaschmir - Schlafrock war mit grellstem seidenen Roth gefüttert und gab , wenn er aufschlug , der stolz daher schreitenden Frau fast ein Ansehen , als wäre sie für den Purpur geboren . Sie hatte ein fein battistenes Spitzentuch in der Hand , mit dem sie zuweilen über die hohe Stirn fuhr , um die Spuren der Hitze oder irgend einer gewaltigen Anstrengung , die sie überstanden zu haben schien , zu tilgen . Das weißseidene Bandeau , das mit einem Zipfel über den noch an den schwärzesten Haaren recht reichen Hinterkopf fiel , gab ihrem Blick etwas ungemein Scharfes und Stechendes , fast wie vom Ausdruck eines Raubvogels . Nach vorn war über dem sonst gewiß ebenholzschwarz gewesenen Haare schon ein leichter Anflug von künftigem Silber sichtbar . In einem gewellten Scheitel lag dies grauschimmernde Haar über der Stirn und den Schläfen . Das Bandeau schien die Unentschlossenheit anzudeuten , ob sich die Dame bereit erklären sollte , vielleicht ganz im grauen Haare , das mancher geistreichen und noch leidenschaftlichen Matrone außerordentlich schön stehen kann , ihren Stolz zu suchen oder es vorläufig doch noch so viel wie möglich zu verbergen . Hinter der Dame und ihrer ältern Begleiterin , die etwas gebückter , etwas hinfälliger , aber doch unter der feinen breitkantigen Spitzenhaube die List und Schlauheit ihrer Augen nicht verbergen konnte , folgte ein Bedienter , der ein silbernes Wasserbecken und ein feines damastenes Handtuch trug . Seine Gebieterin tauchte die schön gepflegten langfingerigen Hände mehrmals in das Wasser , ihre Begleiterin nahm von einer in einer Ecke des Saales stehenden Etagère ein Krystallflacon und spritzte etwas von dessen wohlriechendem Inhalt noch in die silberne Schüssel . Dann nahm die Gebieterin das Handtuch , trocknete sich sorgfältig und schickte den Bedienten mit dem Befehle fort , daß Ernst , sowie er vom Schlosse wieder da wäre , unverzüglich zu ihr kommen sollte . Als der Bediente gehen wollte , rief sie ihm noch die Frage nach : Und Franz mit dem Landau noch immer nicht da ? Vor einer Viertelstunde ist er gekommen , Excellenz ! war die Antwort . Ich will ihn sogleich sprechen ! Excellenz haben bestellt , daß er auf ' s Schloßamt komme , sowie er steht und geht ; bemerkte zögernd der Diener . Und ich sage , er soll erst zu mir kommen und nicht wie er steht und geht . Er soll sich reinigen und wie es sich gehört anziehen . Wenn ich ihn gesprochen habe , geht er zum Geheimrath . Der Bediente murmelte ängstlich ein » Zu befehlen « ! und ging mit dem Wasserbecken und dem Handtuche über die Veranda in den Hof zurück , von wo alle Drei und zwar aus