. Dann zog er sie sanft neben sich auf die Kniee nieder , und beide erhoben vor dem Altare betend die Hände . Sie konnten aber nichts vorbringen als : » Vater ! lieber Vater im Himmel ! « Und das wurden sie nicht müde , mit wonnezitternder Stimme zu rufen . Sie riefen es so zutraulich , als ob der Vater , den sie meinten , ihnen die Hand reiche . Endlich verstummte dieses Rufen und sie legten das Gesicht schweigend an das Altartuch . Mit dem Arme aber umschlang eines des andern Nacken , die Wangen glühten , eine an der andern , und die Finger spielten sanft in den Locken . Es war keine Unruhe mehr in den Herzen ; sie schlugen still und gleichmäßig . So knieten die beiden eine Zeitlang vereinigt lautlos im Heiligtume . Plötzlich fühlten sie ihre Häupter leise angerührt und sahen empor . Der Diakonus stand zwischen ihnen mit leuchtendem Antlitz und hielt seine Hände segnend auf ihren Scheiteln . Er war zufällig aus der Sakristei noch einmal in die Kirche getreten und hatte mit gerührtem Erstaunen die Verlobung gesehen , die hier abseitig der Hochzeit und im Angesichte Gottes zustande gekommen war . Auch er redete nicht , aber seine Augen sprachen . Er zog den Jüngling und das Mädchen an seine Brust und drückte seine Lieblinge herzlich an sich . Dann ging er mit dem Paare , es führend , in die Sakristei , um es von dort zu entlassen . So gingen die drei aus der kleinen , stillen , hellen Dorfkirche . Sechstes Kapitel Die ferneren Ereignisse eines Hochzeittages Unterdessen hatte sich das Hochzeitgefolge mit den Musikanten und dem Brautpaare wieder im Oberhofe eingefunden , und alles stand und saß im Flur , Hof und Garten umher . Noch immer loderten die Feuer und waren die Mägde geschäftig . Die farbigen Jacken der Mädchen , die sonderbar geformten Schneppenhauben der Frauen und die lichtblauen Röcke der Männer gaben der Szene ein buntes und fremdartiges Ansehen . Der Oberhof hatte sich ganz mit Menschen erfüllt , denn es waren wohl an die hundert Personen versammelt , welche der Brautvater hatte einladen lassen . Steinhausen , der Spaßmacher , war auch schon unter ihnen , verhielt sich aber noch still , denn seine Stunde sollte erst nachmittags kommen . Um das Brautpaar bekümmerte sich niemand sonderlich . Der Bräutigam half den Tisch im Flure decken . Die Braut saß mit den beiden ihr treugebliebenen Brautjungfern für sich und in einiger Entfernung von den übrigen Frauen unter den Linden im Hofe . Zuweilen und insoweit sie sich von ihrem Getränke abmüßigen konnten , spielten die Musikanten , denen ein besonderer Tisch im Baumgarten angewiesen worden war , kurze Stücklein , ohne jedoch eine eigentliche Aufmerksamkeit zu erregen , denn die meisten hielten ihren Sinn nur auf die weißbedeckten Tafeln geheftet , auf welchen nun die Mägde allgemach anzurichten begannen . Der Brautvater hatte unterdessen von neuem Gelegenheit gehabt , seine Fassung zu erweisen . Zwar , daß ihm der Diakonus , als er in den Hof kam , verkündigte , die fremde Exzellenz , welche er soeben im Kruge bekomplimentiert , sei von ihm ungeachtet des Schrecks in der Kirche dennoch veranlaßt worden , die Hochzeit zu besuchen , konnte seinem Stolze nur behaglich sein . Aber sonst ging so manches bei dem Pläsier , wie er für sich hinmurmelte , nicht in der gehörigen Manier . Schon daß seine Voraussagung eintraf und daß ihn bei der Rückkehr in den Oberhof ein jeder befragte , warum Hölscher nicht komme ? war ihm sehr verdrießlich gewesen . Dann verdroß es ihn , daß die dritte Brautjungfer Lisbeth zurückgeblieben war und nicht , wie sich gebührte , bei seiner Tochter saß . Der Hauptmann , der heute seinen preußischen Tag hatte und das Eiserne Kreuz trug , steigerte den Ärger . Nach uralter Sitte war nämlich für die vornehmen und städtischen Gäste im Flure gedeckt worden , und für die geringeren Leute im Baumgarten . Denn der Bauer , welcher nicht zum Vergnügen , sondern in Last und Plage viel draußen sein muß , hält das Obdach des Hauses für den besten Segen und glaubt den zu ehren , dem er dieses anbietet . Der Hauptmann aber , der rasch einsah , daß der Aufenthalt in der heißen und dumpfen Enge unangenehm sein werde , ordnete an und kommandierte , daß er mit der Braut , dem Pastor , dem Brautvater und dem Sammler im Baumgarten speisen wolle , ließ auch sofort die Gabeln , welche die vornehmen Gäste ausnahmsweise bekamen , nach der Tafel im Freien tragen . Es war dies schon geschehen , als der Hofschulze hinzukam und mit großem Unmute die abermalige Abweichung vom Hergebrachten gewahrte . Er stieß einen tiefen Seufzer aus , welches bei ihm ein Zeichen verhaltenen Zornes war , bezwang sich indessen und äußerte gegen den Hauptmann , der ihn militärisch kurz fragte , ob er des Henkers gewesen sei , daß er seine Freunde aus der Stadt habe am Herde rösten wollen ? mit gehaltener Höflichkeit : Wie die Herrschaften es sich am liebsten einrichteten , so sei es ihm auch recht und angenehm . Aber dem Diakonus , der ihn darauf beiseite nahm , um eine Angelegenheit von Wichtigkeit mit ihm zu ordnen , hielt er desto hartnäckiger Stich . Der Diakonus wollte nämlich seinen unglücklichen Küster von dem Aufwartedienste frei haben , weil er wirklich befürchtete , daß das Ehr- und Rechtsgefühl dieses Mannes es auf den äußersten Widerstand ankommen lassen und vielleicht die völlige Störung des ganzen Hochzeitfestes herbeiführen werde . Bei diesem Punkte fühlte sich jedoch der Hofschulze zu fest in seinen begründeten Ansprüchen und verblieb unweigerlich dabei , daß der Küster die Gäste bedienen müsse , da der alte Schulmeister gestorben und ein neuer noch nicht angekommen sei . Aus seinen Reden ging hervor , daß er einen Küster nur für die Spielart eines Schulmeisters hielt , wie denn in