, das sah ich mit an und konnte es nicht weiter verfolgen , ich mußte es halt dahinlaufen lassen . - Ach , es kam ja Welle auf Welle nach , es strömte unaufhaltsam die Treppe hinab ; der Wasserstrahl im Springbrunnen spielte Tag und Nacht und versiegte nimmer , aber da , wo es mir entlief , da grade sehnte sich mein Herz nach ihm , und da konnte ich nicht mit ; und wenn ich nun Freiheit gehabt hätte und wäre mitgezogen durch alle Wiesen , durch alle Täler , durch die Wüste ! - Wo der Bach mich am End hingeführt haben möchte ! Ja Herr , ich sehe Dich brausen und strömen , ich seh Dich kunstreich spielen , ich sehe Dich ruhig dahin wandeln , Tag für Tag und plötzlich Deine Bahn lenken hinaus aus dem Reich des Vertrauens , wo ein liebendes Herz seine Heimat wähnte , unbekümmert , daß es verwaist bleibe . So hat denn der Bach , an dessen Ufern ich meine Kindheit verspielte , mir in seinen kristallnen Wellen das Bild meines Geschickes gemalt , und damals hab ich ' s schon betrauert , daß die mir sich nicht verwandt fühlten . O komm nur , und spiel meine Kindertage noch einmal mit mir durch , Du bist mir ' s schuldig , daß Du meine Seufzer in Deine Melodien verhallen läßt , solange ich nicht weiter gehe , als meine kindliche Sehnsucht am Bach ; die es auch geschehen lassen mußte , daß er sich losriß und sich energische Bahn brach in die Fremde . - In der Fremde , wo es gewiß war , daß mein Bild sich nicht mehr in ihm spiegelte . * * * Heute haben wir grünen Donnerstag , da hab ich kleiner Tempeldiener viel zu tun ; alle Blumen , die das frühe Jahr uns gönnt , werden abgemäht , Schneeglöckchen , Krokus , Maßlieb und das ganze Feld voll Hyazinthen schmücken den weißen Altar , und dann bring ich die Chorhemdchen und zwölf Kinder mit aufgelösten Haaren werden damit bekleidet ; sie stellen die Apostel vor . Nachdem wir mit brennenden , blumengeschmückten Kerzen den Altar umwandelt haben , lassen wir uns im Halbkreis nieder , und die alte Äbtissin mit ihrem hohen Stab von Silber , umwallt vom Schleier und langem , schleppendem Chormantel , kniet vor uns , um uns die Füße zu waschen . Eine Nonne hält das silberne Becken und gießt das Wasser ein , die andre reicht die Linnen zum Abtrocknen ; indessen läutet es mit allen Glocken , die Orgel ertönt , zwei Nonnen spielen die Violine , eine den Baß , zwei blasen die Posaune , eine wirbelt auf den Pauken , alle übrigen stimmen mit hohen Tönen die Litanei an : » Sankt Petrus , wir grüßen dich - du bist der Fels , auf den die Kirche baut . « Dann geht es zum Paulus , und so die Reihe durch werden alle Apostel begrüßt , bis alle Füße gewaschen sind . - Nun siehst Du , das ist ein Tag , auf den wir uns schon ein Vierteljahr lang halb selig gefreut haben . Die ganze Kirche war voll Menschen , sie drängten sich um unsere Prozession und weinten Tränen der Rührung über die lachenden , unschuldigen Apostel . Von nun an ist der Garten wieder offen , der den Winter über unzugänglich war ; jedes läuft an sein Blumengärtchen , da hat der Rosmarin gut überwintert , die Nelkenpflänzchen werden unter dem dürren Laub hervorgescharrt , und so manches junge Keimchen meldet den vergeßnen vorjährigen Blumenflor . Erdbeeren werden verpflanzt und die blühenden Veilchen sorgfältig herausgehoben und in Scherben versetzt ; ich trage sie an mein Bett und lege den Kopf dicht an sie heran , damit ich ihren Duft die ganze Nacht ein- und ausatme . * * * O was erzähle ich dies alles dem Mann , der fern ab von solchen Kindereien seinen Geist zu andern Sphären trägt ! Warum Dir , dem ich schmeicheln , den ich locken will ; Du sollst mir freundlich sein , Du sollst , Dir unbewußt , mich allmählich lieben , während ich so mit Dir plaudere ; könnte ich Dir nun nichts anders sagen , was Dir wichtiger wär , was Dich bewegte , daß Du mich » geliebtes Kind « nenntest , mich ans Herz drücktest in süßer Regung über das , was Du vernimmst ? Ach ich weiß nichts Besseres , ich weiß keine schönere Freuden als die jener ersten Frühlinge , keine innigere Sehnsucht als die nach dem Aufblühen meiner Blumenknospen , keinen heißeren Durst , als der mich befiel , wenn ich mitten in der schönen blühenden Natur stand , und alles voll üppigem Gedeihen um mich her . Nichts hat freundlicher und mitleidiger mich berührt als die Sonnenstrahlen des jungen Jahrs , und wenn Du eifersüchtig sein könntest , so wär es nur auf diese Zeit , denn wahrlich , ich sehne mich wieder dahin . * * * Eine Sonne geht uns auf , sie weckt den Geist wie den jungen Tag , mit ihrem Untergang geht er schlafen ; wenn sie aufsteigt , erwacht ein Treiben im Herzen wie der Frühling , wenn sie hoch steht , glüht der Geist mächtig , er ragt über das Irdische hinaus und lernt aus Offenbarungen ; wenn sie sich dem Abend neigt , da tritt die Besinnung ein , ihrem Untergang folgt die Erinnerung ; wir besinnen uns in der Schattenruhe auf das Wogen der Seele im Lichtmeer , auf die Begeistrung in der Zeit der Glut , und mit diesen Träumen gehen wir schlafen . Manche Geister aber steigen so hoch , daß ihnen die Liebessonne nimmermehr untergeht , und der neue Tag schließt sich an den versinkenden an . * * * Die einsame Zeit ist allein , was mir bleibt ; wessen ich mich erinnere , das war in der Einsamkeit erlebt , und