nehmen und sagen werden : „ Du hast Dich bewährt — ich glaube Dir ! “ Dann aber , dann will ich einen Himmel um Sie breiten , wie ihn keines jener kalten , nüchternen Wesen Ihrer Kreise nur zu ahnen vermag . Ein Wort , Möllner , kein Versprechen , nur eine Hoffnung , und ich bin Ihr Geschöpf ! “ Johannes betrachtete die fiebernde Frau in ihrer dämonischen Pracht und Schönheit mit einem seltsamen Gemisch von Bewunderung und Grauen , von Teilnahme und Abscheu . Endlich faßte er einen Entschluß , denn er fühlte , daß er ein Ende machen müsse : , ,Gräfin , “ sagte er nicht ohne Überwindung , denn es fiel seiner großmütigen Natur schwer , ein Weib zu beleidigen . „ Gräfin , ich sehe , daß ich Ihnen Wahrheit schuldig bin . Nun denn , hoffen Sie nichts . Ich glaube , es würde Sie empfindlicher verletzen , wenn ich Ihnen sagte , ich könne Sie nicht lieben , denn das stellte Ihre hohen persönlichen Reize in Zweifel . Welcher Mann von Fleisch und Blut dürfte sich verschwören , er könne Sie nicht lieben — ein Weib , vollendet vom Scheitel bis zur Zehe ? Ich würde mich dessen nicht vermessen , denn ich habe Sinne wie jeder Mensch . Aber Gräfin , ich will Sie nicht lieben — und was ich will oder nicht will , darauf kann ich schwören ! “ Er erhob sich , die Gräfin mit ihm , sie stand ihm , ein Bild der Verzweiflung , gegenüber . „ Und soll ich mich mit diesem einen Wort abfertigen lassen ? Bin ich keiner Erklärung wert warum ? “ , ,Lassen Sie es sich genügen , wenn ich Ihnen sage , daß ich mich als gebunden betrachte . “ „ O , an die Hartwich ! “ Johannes streckte abwehrend die Hand aus : „ Nennen Sie den Namen nicht , Gräfin . Ich will ihn nicht hören aus Ihrem Munde . “ „ Also doch ! Jene eisige , stolze Hexe , jenes Phantom , in dessen Adern kein Tropfen warmen Blutes rinnt , hat Sie mir geraubt ? Fluch ihr ! “ „ Fluchen Sie ihr nicht , Gräfin — es bringt Sie um meine kaum gewonnene Teilnahme , “ rief Johannes empört . „ Jenes Mädchen ist es nicht , das zwischen Ihnen und mir steht , nie , nie hätte ich Ihnen mein Herz und meine Hand geboten , auch nicht , wenn ich frei gewesen wäre . Zwingen Sie mich nicht , Ihnen zu sagen , was kein Mann einer Dame gegenüber aussprechen darf . “ „ Und was wäre das ? Lassen Sie mich diesen letzten Tropfen des Bechers noch leeren , ich gehe nicht eher von hinnen , als bis ich Alles weiß ! “ „ Nun , wenn Sie es nicht anders wollen , so hören Sie es denn , vielleicht heilt Sie diese Erkenntnis in doppeltem Sinne : Sie können Alles gewähren , Gräfin , was auf Erden kostbar und beglückend ist — Eines nur haben Sie nicht mehr zu geben , das ist Ihre weibliche Ehre ! Und wenn eine Göttin vom Himmel zu mir niederstiege und brächte dies Kleinod nicht mit , ich schickte sie zurück in ihre Herrlichkeit und bliebe hier unten als ein armer , einsamer Mann ! “ — Ein Schrei erfolgte auf diese Worte , dann war es wieder eine kurze Zeit still . Die Worronska stand zur Bildsäule erstarrt und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben mit niedergeschlagenen Augen vor ihm . Johannes trat bewegt zu ihr hin und sagte milde : „ Sie können mir nicht verzeihen , was ich Ihnen jetzt getan , deshalb bitte ich Sie nicht erst darum . Es ist gut so , liebe Gräfin . Sie werden mich nun eine Zeit lang hassen und dann vergessen . Ich aber werde Ihnen mein ganzes Leben hindurch ein wehmütiges Gedächtnis bewahren — denn Sie wollten mir Gutes erweisen und ich mußte Ihnen dafür wehe tun . Hassen Sie mich nur — ich verdiene es nicht besser ! “ „ Möllner , “ sprach die schöne Frau mühsam nach Atem ringend . „ Alle Sünden meines Lebens habe ich in dieser Minute gebüßt . Leben Sie wohl , und wenn Sie hören , daß ich in mein altes Treiben zurückverfallen bin , dann machen Sie in den Armen Ihrer keuschen Braut das Kreuz über mich und sagen Sie ihr : „ Diese Seele hätte ich retten können , aber ich wollte nicht ! “ Johannes sah sie traurig an : „ Gräfin , wenn der Schmerz dieses Augenblicks Ihnen den Gedanken , in Ihr früheres Leben zurückzufallen , nicht abscheulich macht — dann hätte auch meine Liebe Sie nicht gerettet . Ich weise sie von mir , die furchtbare Verantwortung , die Sie auf mein Haupt wälzen wollen . Ich tat , was ich konnte : Ich gab Ihnen die Erkenntnis und ich kann nicht denken , daß dieselbe fruchtlos in Ihnen bliebe ! “ „ Ich danke Ihnen , “ sagte die verzweifelnde Frau mit bitterem Hohn . Einen einzigen , verzehrender Blick heftete sie noch auf Johannes . Er stand ruhig vor ihr , ohne ihn zu erwidern , dann wandte sie sich mit königlicher Haltung der Tür zu . Er bot ihr seinen Arm , um sie zum Wagen zu führen , doch sie wies ihn zurück , ihr schönes Antlitz war leichenhaft starr und bleich , kein Wort kam mehr über ihre schmerzlich verzogenen Lippen . Er sah ihr nach , wie sie in den Wagen stieg und das Gesicht in die Hände vergrub . Er bemerkte , wie ein Zittern ihren ganzen Körper schüttelte . Der Wagen flog davon , der Staub wirbelte auf . Johannes trat in sein einsames Zimmer zurück . „ O , Ernestine ! “ rief er laut hinaus , als könnte sie ihn hören : „ Ernestine !