war aber doch insoweit mißglückt , als die Eingedrungenen wieder hinausgedrängt und einige von ihnen sogar zu Gefangenen gemacht worden waren . Unter diesen Hans Lüddecke vom roten Haus . Die Ratmannen ließen nun keine Zeit vergehen , über diesen ( Hans Lüddecke ) zu Gericht zu sitzen , aber nicht bloß über ihn , sondern auch über ihren eignen Turmwart , dessen Unzuverlässigkeit alle Not und Gefahr verschuldet hatte . Man sprach Tod » von Rechtswegen « , einigte sich aber schließlich dahin , daß beide nach der » Warte « gebracht und ihnen zugestanden werden solle , hoch oben auf der Plattform miteinander zu kämpfen . Wer Sieger bleibe , der solle frei sein , wer aber hinabgeworfen würde , der habe seine Strafe nach » Gottes Willen « . Und hiernach wurde verfahren . Hans Lüddecke und Wächter Mathis kamen in den Turm und die halbe Bürgerschaft zog mit hinaus , um Zeuge eines Ringkampfes und eines Gottesurteiles zu sein . Aber wer beschreibt ihr Staunen , als sie bald danach die Verurteilten friedfertig auf der Platte des Turmes erscheinen und statt miteinander zu kämpfen , sich zu einem aus Mathis ' Vorratskammer herbeigeschafften Nachtmahle niedersetzen sahen . Diese gute Laune freute selbst die Granseer und um so mehr , als sie sich unschwer das Ende davon berechnen konnten . In der Tat , als der fünfte Tag heraufzog , sah es schlimm aus in den Vorräten und noch schlimmer in den Herzen der beiden Gefangenen . Aber auch hier wieder hieß es , » als die Not am größten , war die Hilfe am nächsten « und ehe noch die Sonne in Mittag stand , blitzte es am Waldrande hin von Rittern und Reisigen und ein nach Hunderten zählender bewaffneter Zug wandte sich an der Warte vorüber der Stadt zu . Der aber , der erschien , war Waldemar . Vor ihn jetzt kam der Streit , und Hans Lüddecke , Urfehde schwörend , erhielt Leben und Freiheit zurück . Mathis dagegen verschwand in dem ihm zukommenden Dunkel . So die Geschichte von der » Warte « bei Gransee , eine bloße Fiktion , die sich jedoch zur Historie bereits zu verdichten anfängt und nach » abermals fünfhundert Jahren « andern Historien einigermaßen ebenbürtig sein wird . Und nicht zu unserem Nachteil . Denn auch die dichterische Tat belebt die Schauplätze der von ihr , der Dichtung , geborenen Ereignisse und reiht sie mehr oder minder in die wirklichen » historischen Stätten « ein . Die » Warte « bei Gransee ist in diesem Augenblicke schon eine andre , als sie vor fünfzig Jahren war , und selbst das trigonometrische Dreigestell , das sich neuerdings auf jener Plattform eingebürgert hat , » auf der Hans Lüddecke und Türmer Mathis miteinander kämpfen sollten « , hat ihr nichts Erhebliches von ihrem romantischen Schimmer zu nehmen gewußt . Wir aber kehren nunmehr auf unsre Lindower Straße zurück , um in raschem Trabe der Stadt zuzufahren , an deren Eingang uns freilich ein neuer Aufenthalt erwartet . Zwei Tore nebeneinander ! Warum zwei Tore ? Diese Frage hält uns fest . Das Waldemar-Tor Das Waldemar-Tor Warum zwei Tore ? F. Knuths Geschichte von » Gransee « berichtet darüber : » Alle Städte , die dem falschen Waldemar ihre Tore geöffnet und dadurch sich zu ihm bekannt hatten , wurden , als der bayersche Markgraf wieder herrschte , dahin bestraft , daß sie die Tore zumauern mußten , durch die der falsche Waldemar eingezogen war . Diese zugemauerten Tore hießen denn auch im Volksmunde › Waldemar-Tore ‹ . Hart neben ihnen waren inzwischen neue , reichgegliederte , mit Türmen und Zinnen geschmückte gotische Tore gebaut worden , die nun , jahrhundertelang , den Verkehr vermittelten , bis das neuerblühende Leben der Städte den verhältnismäßig schmalen Eingang der gotischen Portale störend zu empfinden anfing . Da entsann man sich der zugemauerten Tore , nahm den fünfhundertjährigen Bann von ihnen , brach die Steine aus dem alten Rundbogen wieder heraus und schuf so dem Leben und Verkehr eine doppelte Straße . « W. Schwartz in seinen » Sagen und alten Geschichten der Mark Brandenburg « erzählt es anders . Nach ihm würden die sogenannten Waldemar-Tore als » Wenden-Tore « anzusehen sein , durch die man deutscherseits die als unrein betrachtete wendische Bevölkerung vertrieben und die Tore dann vermauert habe . Hiermit stimmt auch überein , daß noch , bis ins vorige Jahrhundert hinein , in allen Dörfern , wo Wenden und Deutsche zusammenwohnten , nur die letzteren sich der eigentlichen Kirchentüren bedienen durften , während die Wenden gezwungen waren , durch eine kleine , für sie besonders angelegte Seitentür in die Kirche einzutreten . 84 In Gransee wurde 1818 schon das Waldemar-Tor – ein Name , den ich beibehalte – wieder geöffnet und begann seinem Nachfolger und Nachbar Konkurrenz zu machen , eine Tatsache , die der kleinen Gemeinde der » Falschen-Waldemar-Schwärmer « als vielleicht von symbolischer Bedeutung erscheinen wird . Wir unsrerseits aber , indem wir den Jakob Rehbock ( trotzdem er in der Fürstengruft zu Dessau ruht ) für das nehmen , was er war , meiden mit Geflissentlichkeit den Waldemarbogen und bewerkstelligen unsre Einfahrt durch das stattliche Portal des » Ruppiner Tores « , das , wenn auch zurückstehend neben dem berühmten Ünglinger-Tor in Stendal , nichtsdestoweniger der Teilnahme wert war , die Friedrich Wilhelm IV. ihm angedeihen ließ , als er in den vierziger Jahren an Superintendent Kirchner schrieb : » An diesem Thore wird kein Stein gerührt , ohne daß ich zuvor Kenntnis davon erhalte « . Das Tor liegt hinter uns und unser Wagen lärmt jetzt die Hauptstraße hinauf , an deren linker Seite die beiden Plätze der Stadt und auf ihnen die beiden vorzüglichsten Sehenswürdigkeiten derselben : die Marienkirche und das Luisendenkmal gelegen sind . Ehe wir diese jedoch aufsuchen , benutzen wir zuvor eine kurze Rast in Klagemanns Hotel , um mit Hilfe des Wirtes einen guten Trunk und mit Hilfe seiner Gäste die