Philippin ' . « Sie hielt Philippine den Löffel an die Lippen , damit sie kosten solle . Philippine stieß den Löffel unwirsch beiseite . » Das gibt ' s nicht , Sie müssen versuchen , ich will ' s , ich will ' s , « beharrte Dorothea und hielt den Löffel eigensinnig dicht vor Philippines Nase . » Ich will ' s , ich will ' s , « wiederholte sie , halb bittend , halb befehlend , so daß Philippine , die diesem Wesen gegenüber den rechten Widerstand nicht gleich zu finden wußte , um Ruhe zu haben , sich den Löffel in den Mund schieben ließ . Da kam der alte Jordan auf den Flur und hinter ihm der Schlotfeger , der den Kamin putzen sollte . » Herr Inspektor ! Herr Inspektor ! « rief Dorothea lachend , und als der Alte ihrem Ruf folgte , reichte sie ihm ebenfalls einen vollen Löffel , und dann mußte auch der Schlotfeger einen nehmen , und zuletzt kam Agnes an die Reihe . Jetzt lachten alle , sogar über Agnes ' blasses Gesicht flog ein heller Schimmer , und Daniel , durch den Lärm aus seinem Zimmer gescheucht , stand in der Küchentür und lachte mit . » Siehst du , Daniel , siehst du ! « sprach Dorothea befriedigt . » Alle fressen mir aus der Hand . So hab ich ' s gern . Laßt ' s euch nur schmecken , Leutlein . « 3 Mit einem offenen Brief in der Hand schoß Dorothea eines Nachmittags in Daniels Stube , wo er arbeitete . » Du , Daniel , die Kommerzienrätin Feistmantel fleht mich an , morgen auf ihr Kränzchen zu kommen . Darf ich ? « » Du störst mich jetzt , Liebe . Siehst du nicht , daß du mich störst ? « fragte Daniel vorwurfsvoll . » Ja , ja , verzeih , « hauchte Dorothea und blickte hilflos auf den mit Notenpapier bedeckten Tisch . » Ich soll auch meine Violine mitbringen , « fuhr sie fort , » ich soll vorspielen . « Mit gesammeltem Ausdruck schaute Daniel , ohne ihre Worte aufzufassen , ins Leere . Dorothea wurde ungeduldig . Plötzlich trat sie zu der Stelle an der Wand , wo , seit Daniels Heimkehr , wieder die Maske der Zingarella hing . » Schon lang wollt ich dich fragen , Daniel , was das Ding da soll . Wozu hast du ' s , wozu brauchst du ' s ? Es ärgert mich mit seinem ewigen Grinsen . « Daniel wachte auf . » Das nennst du Grinsen ? « fragte er kopfschüttelnd . » Ist ' s möglich , dies Lächeln aus der Überwelt grinst dir ? « » Ja , « erwiderte Dorothea trotzig , » es grinst . Und ich mag ' s nicht , mag die Fratze nicht leiden , grad ' weil du sie so gern hast . Hast sie wohl lieber gar als mich ? « » Keine Kindereien , Dorothea ! « sagte Daniel ruhig ; » mußt deinen Sinn ein wenig höher richten , mußt mir auch meine Geister respektieren . « Dorothea schwieg . Sie verstand ihn nicht . Sie sah ihn mit leisem Mißtrauen an . Sie dachte , die Maske sei ein Bildnis einer von seinen früheren Geliebten . Und sie verzog spöttisch die Lippen . » Du hast eben etwas von Vorspielen erwähnt , Dorothea , « begann Daniel wieder ; » weißt du , daß ich dich noch nie spielen gehört habe ? Ich gesteh dir aufrichtig , daß ich bisher Furcht davor gehabt . Nur das vortreffliche ertrüg ich ; auch die Verheißung ; beides könnte ja sein , und doch , woher kommt mir die Angst ? Du hast lange nicht geübt , nicht ein einziges Mal , seit wir beisammen leben ; trotzdem willst du dich vor Fremden produzieren ? Das ist wunderlich , Dorothea . Sei doch so gut und hol deine Geige und spiel mir vor . « Dorothea ging ins Nebenzimmer , brachte den Geigenkasten , bestrich den Bogen mit Kolophonium , und während sie die A-Saite stimmte , fragte sie mit emporgezogenen Brauen : » Willst du ' s wirklich ? « Sie preßte die Lippen aufeinander und spielte eine Etüde von Fiorillo . Als sie fertig war und Daniel nichts verlauten ließ , setzte sie das Instrument wieder an und spielte ein ziemlich lamentables Stück von Wieniawski . Wieder schwieg Daniel lange . » Recht hübsch , Dorothea , « sagte er endlich ; » das ist unter Umständen ein ganz netter Zeitvertreib für dich . « » Wie meinst du das ? « erwiderte Dorothea hastig , und eine dunkle Röte stieg in ihre Wangen . » Soll es mehr sein , Dorothea ? « » Wie meinst du das ? « wiederholte sie verlegen und unwillig , » ich denke schon , daß es mehr ist . « Daniel stand auf , trat zu ihr hin , nahm ihr den Bogen sanft aus der Hand , ergriff ihn an beiden Enden und zerbrach ihn in zwei Teile . Dorothea stieß einen bestürzten Schrei aus und sah ihn fassungslos an . Tiefernst sagte Daniel : » Ist die Musik , die ich höre , nicht ein Niedagewesenes , so ist sie ein hunderttausendmal Dagewesenes . Für ein leidlich wohlklingendes Dilettieren muß sich mein Weib für zu gut halten . « Dorotheas Augen füllten sich mit Tränen . Abermals fehlte ihr das Verständnis , und nun so völlig , daß sie sich einbildete , Daniel sei mit Absicht grausam gegen sie . Ihr war das Geigenspiel ein Mittel gewesen , um zu gefallen , sich selbst zu gefallen , der Welt zu gefallen , ein Mittel , sich zu steigern , andere zur Bewunderung zu zwingen und zu blenden . Nur deshalb hatte sie sich der strengen Zucht ihres Vaters von früh an gefügt . Sie besaß