unruhig machte , blieben nicht still ; sie trampelten und keuchten . Und im Rücken des Heeres , unter dem Schwarm der wirren Springer , hallten aufgeregte Stimmen in die beklommene Stille hinein : » Sie beten ! Nieder auf die Knie ! Sie beten schon ! « Ein paar Soldknechte sprangen noch bis zum Heerhaufen hin und gerieten hinter die Hilfstruppe des heiligen Peter von Berchtesgaden , der mit Salzburg und Chiemsee die linke Flanke neben Herzog Ludwig stützte . Unter den Rittern war ein schmuck Gerüsteter , dem der ergrauende , zierlich gestutzte Knebelbart über die Halsberge herausstach . Mit dem Eisen puffte er seinen Nachbar zur Rechten an , der in flämischer Rüstung auf einem Pongauer Rappen saß und sich im Gebet auf den Hals seines Gaules beugte : » Du ! Jetzt möcht ich das Gesicht Gottes sehen ! « Der in der flämischen Rüstung blieb versunken in sein Gebet . Doch des Neugierigen Nachbar zur Linken , der junge Hundswieben , tuschelte : » Gesicht Gottes ? Aschacher ? Denkst du ans Sterben ? « » Ich ? Sterben ? Noch lang nicht . Was geht mich das alles an ? Wenn man nur gesund ist . Ich hab das Gesicht gemeint , das der Herrgott jetzt machen muß , bis er weiß , mit wem er ' s halten soll , mit Ingolstadt oder mit München ? Seine lieben Kinder sind wir alle . Und da beten wir , und es beten die andern . Wem soll er helfen , wen soll er hauen ? Heut ist das ein hartes Geschäft : Herrgott sein ! « Hartneid Aschacher legte den Kopf zurück und sah durch die Klumsen des Schlachtvisiers in die blaue Luft hinauf . Ein reiner , leuchtender Himmel wölbte sich mit milder Schönheit über den zwei betenden Heeren . Die niedergehende Sonne hing wie eine große , blitzende Goldkugel zwischen den Kronen des welkenden Buchenwaldes , der hinter dem Hoflacher Jägerhause lag . Alle Spitzen der Bäume waren wie zierliche , glitzernde Glutfäden , von so starkem Schimmer , daß das menschliche Feuerwerk der in Flammen stehenden Dörfer neben dem strahlenden Glanz des Waldes und Himmels eine schwächliche Sache wurde . Sogar der dicke , braune Rauch der Brandstätte - da ihn die Abendsonne in Purpur und Gold verwandelte - war heller und schöner als die matte Knisterflamme dieser hundert Hütten , in die der Mensch seine sengende Kunst getragen . Je höher die purpurnen Qualmwolken in die Sonne stiegen , um so leuchtender erschienen sie und waren zuletzt wie zarte , aus Rosenschimmer gewobene Schleier , hinter denen die langen Züge der von der Sonne angestrahlten Waldhügel gleich Ketten wundersam geschliffener Topase funkelten . Vor den brennenden Dörfern und im Wiesentale zwischen den Hügeln waren die knienden Münchener schon umwoben von blauem Schatten . Über das breite Treffen der Ingolstädter zuckten von der Höhe des Hoflacher Waldsaumes noch die schimmernden Lanzen der Sonne herunter , ließen die Waffen und Panzer funkeln , setzten blitzende Flämmchen auf die blanken Helme und machten aus den scharlachfarbenen Einrössern einen Tanz von grellroten Lichtern . Und hinter Herzog Ludwigs betendem Schlachthaufen fielen die Schatten von Menschen und Pferden lang und blauschwarz über die zerstampfte Wiese hinaus , die Schatten der Fußknechte wie die Schwarzbilder knorriger Baumstämme , die Schatten der Reiter wie die Nachtgestalten märchenhafter Ungeheuer . Dann floß die schöne Sonne , die diese schwarze Fabel erfunden hatte , wie geschmolzenes Gold über die Wiesen zur Amper und Maisach hinunter , weit , weit hinaus über das öde Sumpfgelände der endlos scheinenden Moorflächen , und in der Ferne verwandelte sie die Waldberge von Dachau in lange Frühlingshecken , an denen die Blutrosen blühten . Zahllose Wassertümpel des weiten Moorlandes , große und winzige , spiegelten den hellen Glanz des Himmels und waren wie blitzende Silberschilde und wie verschwenderisch ausgestreute Goldmünzen . Und die kleinen , unsichtbaren Zwerge , die diesen Hort von Gold und Silber bewachten , sangen eine geheimnisvolle Weise . Millionen von Fröschen und Kröten unkten im schönen Abend : » Gwo gwo gwo gwo gwo ... « Es war wie ein Urweltslied mit einem einzigen Worte , wie ein Schwingen und Beben der abendlichen Erde , wie eine Todesstimme der unerforschlichen Tiefe . Einer von den Rittern , die mit Herzog Ludwig beteten , drehte beim Klang dieses Liedes das Gesicht , das bedeckt war vom Visier des mit Fasanenschwingen geflügelten Helmes . Eine tiefe Erschütterung befiel ihn . Während er die mit Stahl geplattete Zügelfaust in die Mähne seines Rappens wühlte , war ein schmerzender Schrei in seiner Seele . » Moorle ! Auf dem Hängmoos ? Wie du dich geweigert hast , in den Dreck zu springen ? Bist du da nicht klüger gewesen , als Menschen sind ? « So stark und mächtig wurde das Getön der Sümpfe , daß es noch zu hören war unter dem frommen Schlachtgesang , den die beiden Heere zu singen begannen , als sie gegeneinander rückten . Herzog Ludwig hatte die Losung ausgegeben : » Vorwärts ! Mit einem wilden Stoß ! Dem festen Boden zu , auf dem wir siegen ! Alles niedergeritten ! Die Schlacht muß gewonnen sein , eh man hundert Vaterunser betet . In München steht unser Bett . « So wollten es seine Ritter und Reiter . Doch die Gäule versagten . Wie Kinder vor der Nacht , so zitterten die Rosse vor diesem schwarzen , mürben Boden . Kein Reiten und Rennen war ' s , ein grauenvolles Auf und Nieder , ein Kämpfen um jeden Sprung , ein Klatschen und Keuchen . Von den Waldhügeln knatterten die Büchsen der Stadtschützen gegen die langsam vordringende Reitermasse . Wer aus dem Sattel stürzte , wurde von den scheuenden Rossen in den Morast gestampft . Auch auf den Flanken des Ingolstädter Haufens fing man zu feuern an . Dieses Gebummer machte die scheuen Gäule noch wilder . Schon drohte die ganze Reihe des Treffens in Verwirrung zu geraten