in die ein Taumel uns stürzen möchte . - Ach es muß wohl sein , daß die süßen Pfirsche bittere Steine bergen , daß zur Liebe Leid gehört und Straucheln zum Emporklimmen . Hat denn nicht selbst der Heilige am Kreuz geseufzet : Mein Gott , warum hast Du mich verlassen ? Ist er nicht zur Hölle niedergesunken , bevor er zum Himmel emporfuhr ? Hatte nicht Satan Gewalt , ihn zu versuchen ? Und war es nicht von höchster Weisheit vorherbestimmt , daß nur durch Einkleidung ins niedere Staubgewand Gott zum Erlöser werden konnte ? Unumgänglich - so scheint es - begibt sich alle Kreatur in den Eigensinn des Sündenfalls und wiederholt Luzifers Absturz . Erst aus der Enttäuschung , aus der Friedlosigkeit quillt und drängt das Heimweh nach der himmlischen Unschuld . So will ich denn geduldig mit meinem armen Liebling gehen , will Sorgen und Leiden mit ihm teilen , dieweil ja meinetwegen , aus Lust an dieser Evanatur , mein Adam sich verirrte . Ohn ' Unterlaß aber will ich ihn anflehen : Laß mich nicht eine gar zu arge Versucherin sein ! Genung , daß ich zur Gedankensünde , zum bösen Plane Dich verführte , nun hüte Dich vor der Ausführung ! Halt ! Keinen Schritt weiter ! Unterlaß die Untat ! Es warne Dich das Grauen , so allbereits den Vorschauenden anfällt ! Schau doch her , ich zeige Dir , was die Hölle mit uns vorhat . Der Rat , den ihr giftiger Odem raunet , heißt Wortbruch , Flucht , Lüge , Verräterei , Beleidigung , Anreiz zu Eifersucht und Rache , Fehde und Totschlag , Schuld und Selbstqual . Mein Johannes und mein Heinrich , beide meiner Liebe anvertraut , sollen heimgesucht werden von diesen höllischen Folterknechten . Johannes begehrt mich zu seinem Eigentum , wie der Besitzer eine Sache einzig haben will . Heinrich aber wird alsdann zürnen : Halt , Räuber , nimm erst mein Leben , oder laß das deine ! So verkehrt sich die Minne , die doch Wohltat sein sollte , zur Untat . Muß das sein ? Meinest Du etwan , Heinrich mache Dir mein Herz abspenstig ? Angenommen , er fürchte , von Dir in Schatten gestellt zu werden , alsdann wäre diese Sorge nicht so töricht , wie Deine ; und ein Recht auf unsere Nachsicht hätte der Arme , der sich betrübt , weil ich ihm nur Schwester bin . Darf ich nicht einmal das ? Zürnest Du , weil Heinrich Deiner Thekla gut ist ? Ja , gut ist er , Dir und mir hat er lauter Liebes getan . Unser kleiner Johannes war von Berthulden geraubt ; da hat Heinrich sich erbarmt des gefährdeten Kindleins und des geängsteten Mutterherzens , hat sein eigen Kind , sein krank Weib verlassen und die Verfolgung der Räuberin unternommen . Derweilen er Deiner Gattin in ihren gräßlichen Nöten treulich beigestanden , ist seine eigene Gattin dem Tode verfallen . Dies Opfer hat Heinrich für uns gebracht . Wie ich nun vielleicht dazu beigetragen habe , daß er Witmann ward , so hab ich sicher seines Mägdeleins Tod verschuldet ; denn wär ich wachsam gewesen , wie ich gesollt , so hätte klein Anneliesel die Wassergefahr gemieden . Schlimm genung hab ich dem guten Heinrich mitgespielt . Hab überdies sein Herze betört , daß es nicht mehr ließ von mir , hab es dann gequält , da ich nur mit Schwesterliebe sein glühend Verlangen beantworten konnte . Langmütig und bescheiden hat er alles Leid ertragen , so ich über ihn gebracht , und hat treulich gehalten , was er aus freien Stücken angelobt : mein Beschützer zu sein bis zum Grabe . - Und diesem Manne soll ich mit Verrat lohnen ? Aus seiner Hütte stehlen soll ich mich und den Stachel der Eifersucht in seinem Herzen lassen ? Über ihn und über Dich heraufbeschwören die Zorn- und Racheteufel ? Zwingen und foltern soll uns aufs neue jene Welt , der wir uns schon gänzlich entronnen glaubten ? Die Welt der blinden Gier , des wüsten Tobens und blutdürstigen Haders ? Die wahre Hölle ist das ! O mein Liebling ! Ich war einmal in solcher Hölle und habe davon genung für immer . Als Kind mußt ich zuschauen , wie Eiferer meinen teuern Vater umbrachten . Alsdann sperrten sie mich hinter Schloß und Riegel , und nach ihrem Sinn ist es wahrlich nicht gegangen , als Du dorten mein Sonnenschein , mein Befreier worden bist . Kurz nur hat uns damals das Glück gelächelt ; dann ist wieder bange Finsternis hereingebrochen . Das große Morden zu Magdeburg raffte Schwester und Schwager an meiner Seite hin . Du , Johannes , halfest mir abermals entrinnen . Denk aber an die Greuel , so uns hierauf begegnet , denk an die Beutemacher im Predigerhause , an den unterirdischen Gang , an den Versteck hinter dem Kirchengemälde , wo wir Zeugen waren jenes Heulens und Zähneklappens , das die Geister der Habgier heraufbeschwören , wo auch immer sie losgelassen sind . Erinnere Dich auch der Ängste , mit denen Zetteritz uns beide quälte , da er liebende Herzen voneinander riß . Lies endlich noch einmal meine Schilderung der Folter , so Berthuldens Eifersucht über mich verhängte . Die wilde Gier mit dem heißen Odem hat den mörderischen Stahl in meine Brust gestoßen , hat unser Kind geraubt und in die Glut der Teufelsmette gerissen , hat dem Abgrund der Verzweiflung ein Mutterherz überantwortet . Der Retter , so mich erhub aus der schaurigen Tiefe , ist der gütige Himmel , Heinrich aber und Sibylle waren seine dienenden Werkzeuge . Keine Zaubermacht über den Wolken vermeine ich , sondern den Gott im Menschengemüte - sein Name ist Erbarmen , Friedfertigkeit , Besonnenheit , Seelenruhe . Diesem Himmel sei anheimgegeben unsere Führung . Er allein beschert das Heil . Er findet den Ausweg aus jeglichem Irrsal ; lösbar sind ihm die verworrensten Fäden des Schicksals . Das ist mein