daß er mir etwas zu sagen hatte . » Wir sollen dich nicht stören , Effendi , « entschuldigte er sich . » Ich bitte dich aber , für kurze Zeit zunächst hier zu bleiben . Hier ist der beste Platz , zu hören , wie es klingt , wenn alle Winde zum Gebete kommen . In deiner Ecke dort würde dich die Harfe stören . « Hierauf ging er nach der Mitte des Tempels , wo eine Harfe lag . An der einen Ecksäule stand Schakara , die ihrige vor sich haltend . Das veranlaßte mich , auch nach den drei andern Ecken zu sehen . Sie waren in ganz gleicher Weise von Dschamikinnen besetzt . Am Haupteingange hatten sich der Ustad und der Pedehr einander gegenüber niedergelassen . Zu ihren beiden Seiten saß die Dschemma . Rund um das Gebäude hatten sich die Bewohner und Bewohnerinnen des Duar aufgestellt . Es war so still , man sagt , » wie in einer Kirche « . Da gab der Ustad mit der Hand ein Zeichen . Der Chodj-y-Dschuna griff einige einleitende Accorde , um das Metrum anzugeben . Hierauf die vorige Stille wieder . Ich ahnte , was nun kommen solle , und schloß die Augen . Wo gab es die Lüfte , als es Anfang war ? Im göttlichen Gedanken ! Unendlich mild , als beginne ein warmer Sonnenstrahl mit leiser Zärtlichkeit dem andern zuzuflüstern , ward dieser Gedanke jetzt zum ersten Ton . Es war ein einig-ungeteilter , aber doch kein einzelner Ton . Er erklang nicht hoch , nicht tief , und doch war er erklungen . War er nach Schwingungen zu messen ? Nein ! Das irdische Maß ist ja doch nur ein Notbehelf . Es wird sich immer irren ! In diesem ersten , einen Tone lagen , wie die Strahlen im Lichte , alle die unzählbaren Klänge der Zeit und Ewigkeit unisono verborgen . So klang er leise , leise , sich selbst kaum ahnend , hin , noch unberührt vom schöpferischen Willen . Aber da , plötzlich , als ob der Schöpfer prüfen wolle , wie er dereinst das Licht geprüft , indem er , bevor die Sonnen waren , die Strahlen alle durch das Weltall blitzte und dann wieder zu sich rief , - so that auch dieser erste Ton sich plötzlich auf , um alle Harmonieen , die es gab und geben wird , aufleuchtend von sich auszusenden und aber augenblicklich wieder in sich zu vereinen . Nun aber begann es , sich in ihm zu regen . Alles was dieser eine Aufblitz in unendlicher Fülle zeigte , das hatte sich nun langsam , eines aus oder mit dem andern , harmonisch zu entwickeln . Es teilte sich der Ton und blieb doch ungeteilt . Er gab sich ganz in tausend andern Tönen hin und hörte doch nicht auf , zu sein und zu bleiben , was er war . Der Lufthauch kam und wiegte ihn , als ob er mit und von ihm träume , auf und nieder . Da gebar der Traum das erste Intervall , welchem , ewig stammverwandt , die anderen alle folgten . Sie umschlangen sich , vereint zur Tonika , und klangen in das Erdenparadies hernieder , um , wenn der Mensch seiner Seligkeit gedenkt , sich in ihm wieder aufzulösen , daß er den Stimmen dieser Erde die Klänge des Himmels geben möge . Wie aber klingt so himmlische Musik ? Die Winde sagen es . Sie lauschen überall . Und wo ein frommer , heiliger Ton sich hören läßt , da nehmen sie ihn auf , um ihn zur großen Harmonie zu tragen , die betend aufwärts steigt , um als Lob und Dank zu dem zurückzukehren , aus dessen Mund sie einst als erster Ton erklang . Die Harfen schwiegen . Ich schlug die Augen wieder auf . Die vier Spielerinnen legten ihre Instrumente fort . Der Chodj-y-Dschuna zögerte , dies auch zu thun . Er schaute mit zagenden Augen zu mir her . Da stand ich auf , ging zu ihm hin und gab ihm , dem Herzensdrange folgend , meine Rose . » Sie ist vom Ustad , « sagte ich . » Ich bin so arm gegen dich , du reicher Mann . Ich habe nichts Besseres . « » Du beschämst mich ! « antwortete er . » Ich lehre nichts , als das , was ich empfangen habe . Auch daß ich es wiedergeben kann , verdanke ich nicht mir . Nimm du nun meine Rose . Ich bitte dich ! « Er reichte sie mir . Das war so einfach , so menschlich lieb , daß es mich herzlich rührte . » Sende mir deine Schülerinnen heraus , damit ich auch jeder von ihnen eine breche , « bat ich ihn . Hierauf ging ich hinaus . Die Mädchen kamen . Die Rosen gehörten nicht mir , sondern ihnen , und doch sah ich ihnen an , daß ich für einen Dank die rechte Weise getroffen hatte . Tifl wartete mein , um mir zu sagen , daß ich nun wieder nach meinem Platze gehen könne , wenn ich wolle . Ich that es , voller Erwartung , was nun kommen werde . Nichts Gewöhnliches , davon war ich überzeugt ! Dieser Gesanglehrer besaß mehr als das , was man Talent zu nennen pflegt ! Es kam jetzt eine Anzahl Dschamikun mit Frauen und Mädchen herein . Sie stellten sich in der Mitte auf , um zu singen , ohne Leitung ; der Chodj-y-Dschuna war nicht bei ihnen . Was ich hörte , war ein dreistimmiges Lied . Der Text lautete : » Ich komm zu dir im Sonnenstrahl Und laß mir deine Rosen blühen . In tiefer Andacht liegt das Thal Vom Morgen- bis zum Abendglühen . Ich sehe aus der stillen Flut Die Berge Gottes aufwärts steigen , Und wo sein Haus auf Säulen ruht , Soll heut sich mir der Himmel zeigen