vollerleuchtetes , dichtbesetztes Haus hinein , es war noch viel , viel größer , als der Theatersaal in Czernowitz , alle Sitze mit rotem Samt ausgeschlagen und auf ihnen schöne Frauen und Herren mit Orden und Offiziere , und da - da war der junge Kaiser ... Er hatte eben die Szene mit Tubal beendet , und alle applaudierten , sogar der Kaiser , und riefen : » Kurländer ! « Einige klopften auch auf den Boden und dies Klopfen ward immer stärker und eine Stimme rief : » Sender ! « die Stimme seiner Mutter . Aber wie kam sie ins Burgtheater ? Nun jedoch schwiegen alle anderen Stimmen und nur sie rief : » Sender ! « Er fuhr empor und rieb sich die Augen . Barmherziger Gott , das war ja kein Traum mehr . Es war heller Tag , und das die Kammer im Gasthof zu Borszczow , und draußen klang das Klopfen und Rufen seiner Mutter : » Sender ! Mach ' auf ! Es nützt dir nichts ! « Fast ohnmächtig sank er in die Kissen zurück ; in tollem Wirbel kreisten seine Gedanken . Aber nur wenige Sekunden , er sprang aus dem Bette ans Fenster . Die Kammer lag ebenerdig ; eh ' sie etwa die Tür sprengen ließ , war er längst angekleidet und im Freien . Aber das zuckte ihm nur so durch den Sinn . Fliehen ? Warum ? Und als es draußen wieder klang : » Es nützt dir nichts « , warf er trotzig den Kopf zurück . » 0 doch « , dachte er , » mein gutes Recht über mich selbst wird mir nützen . « » Ich öffne « , sagte er . » Warte , bis ich mich angekleidet habe . « Als er fertig war , legte er die Hand auf das Büchlein , das auf dem Nachttisch lag . » Gott , laß mich nicht vergessen , daß es meine Mutter ist . « Um Stärke brauchte er nicht zu flehen . Er öffnete . Die Mutter trat ein , hinter ihr schob sich der Marschallik in die Stube . Moskal fuhr die Eintretenden bellend an . Sender ließ ihn kuschen . Das war das einzige Wort , das er hervorbringen konnte , so tief erschütterte ihn der Anblick der Mutter ; eine alte , aber rüstige Frau hatte er daheim gelassen , eine gebrochene Greisin stand vor ihm . Auch sie sah ihn starr aus entsetzten Augen an ; vielleicht ebenso seiner Tracht wie seines leidenden Gesichts wegen . » Mutter « , begann er endlich . » Du bist umsonst gekommen ... Es tut mir leid , daß du meinen Brief nicht verstehen wolltest ... « » O , wohl habe ich ihn verstanden « , rief sie . » Und was ich noch nicht gewußt habe , das habe ich von der Wirtin in Zaleszczyki und dem Wirt hier lernen können . Ein Abtrünniger , der mit anderen Verworfenen durch Possen sein Leben fristet . Das ist das Große , was dir dein Herz gebietet und wozu dich Gott bestimmt hat ! « » Da mußt du auch andere fragen « , erwiderte er . Er suchte ihr klar zu machen , welches Ziel er sich gesteckt , verwies auf Nadlers Briefe , sein Engagement in Czernowitz . Sie hörte ihn ungeduldig an . » Wahnsinn « , murmelte sie immer wieder dazwischen . » Wahnsinn und Sünde ! « Der Marschallik aber fragte : » Sender , du warst im vorigen Jahr so krank - und jetzt hast du wieder Blut gehustet , bis du für ein solches Leben gesund genug ? « » Mit Gottes Hilfe - ja ! « » Ruf ' dabei Gott nicht an ! « rief sie wild . » Du bist krank , mußt bei diesem Leben bald zu Grunde gehen . Aber auch wenn du gesund vor mir ständest , ich würde dich beschwören : Kehr ' um , so lange es Zeit ist ! Komm ' heim ! « Und als er den Kopf schüttelte , knirschte sie : » Dann zwing ' ich dich . Die Gerichte wissen , daß ein Minderjähriger unter dem Willen seiner Mutter steht . « » Probier ' s ! « erwiderte er finster . Sie wollte noch heftiger werden , da trat der Marschallik dazwischen . » Nicht so ! « bat er . » Ob du gezwungen werden kannst , weiß ich nicht , die Leut ' reden verschieden . Aber du sollst nicht gezwungen werden . Nein , bei Gott ! Denk ' an deine Gesundheit und an deine alte Mutter . Du bringst sie vorzeitig ins Grab . So sieh doch nur ! « Sender vermochte nichts zu erwidern , er stöhnte nur auf und wandte sich ab . Und so blieb er auch , als sie auf ihn zutrat . » Sender ! « rief sie mit gefalteten Händen . » Du hast geschrieben , daß ich mehr für dich getan habe , als sonst eine Mutter - ist dies dein Dank ? Mit Geld willst du es bezahlen ? Hier ist dein Geld ! « Sie riß eine Brieftasche hervor und warf sie auf den Tisch . » Zähl ' nach , es fehlt nichts ! « Ihr Zorn gab ihm die Fassung wieder . » Ich nehm ' s nicht ! « stieß er hervor . » Es gehört dir ! Und alles , was ich verdienen werde . Aber mit meinem Leben kann ich nicht zahlen ! « » Und so soll ich es tun ! « schrie sie auf . Im nächsten Augenblick sank sie zu seinen Füßen nieder . » Sender « , schluchzte sie , » deine Mutter liegt vor dir auf den Knien und bettelt um ihr Leben ! Aber nein - nicht darum - nur um eine ruhige Sterbestunde . « Er hob sie auf und umfaßte sie . »