an dem jenseitigen Ufer des Flusses Inn standen . In dem Saale wartete Witiko . Nach einer Weile kam aus der Seidenstube ein Mann heraus , der eine hohe Gestalt , braune Haare , einen braunen Bart und ein längliches Angesicht hatte . Er war in ein weites veilchenblaues Gewand gekleidet , und trug über demselben eine goldene Kette und ein goldenes Kreuz . Hinter ihm gingen zwei Männer in priesterlichen Kleidern . Der Mann sah Witiko und seine Begleiter an . Dann gab er den zwei Männern , die hinter ihm waren , ein Zeichen zur Entfernung . Die zwei Männer öffneten die geschlossene Tür , und gingen durch dieselbe in ein weiteres Gemach . Da dieses geschehen war , trat der Mann in dem braunen Gewande , der mit Witiko gekommen war , gegen den mit der goldenen Kette vor , und stand ein Weilchen vor ihm . Dann nahm er die Haube von seinem Haupte , und sprach mit laut tönender Stimme : » Hochehrwürdiger Bischof von Passau , hochedler Graf von Peilstein und Hagenau , ehrwürdiger geweihter Priester Regimbert ! ich komme zu dir in dem Gewande Jakobs , da er in der Wüste auf der Flucht war . « » Hochehrwürdiger Bischof und teurer Bruder Zdik « , antwortete der Bischof von Passau , » und wenn du in dem Gewande des Lazarus kämest , so wärest du der Herr dieses Hauses . Sei gegrüßt . « Er legte die Hände auf die Schultern des Mannes in dem braunen Gewande , und küßte ihn auf die Stirne . Der Mann in dem braunen Gewande legte dann auch die Hände auf die Schultern des Bischofes , und küßte ihn auch auf die Stirne . Dann sagte er : » Ich will nicht der Herr des Hauses sein , sondern ich bitte nur , daß ich den Panzer und das Schwert , welche ich durch Tage und Nächte unter diesem Kleide trage , ablegen darf , daß ich in einfältigen Kleidern gehe , daß dein Dach über meinem Haupte sei , daß ich die geringe Speise genieße , die mein Körper bedarf , und daß ich in deiner Kirche zu Gott bete . « » Lebe , wie du es wünschest , und wie ich dich ehre « , sagte der Bischof von Passau . » Und du , Witiko , hast dich der Mühe unterzogen , den hochehrwürdigen Bischof zu mir zu geleiten . Sei gegrüßt . « Witiko antwortete : » Der hochehrwürdige Bischof und Abt Silvester hat zu mir gesagt , ich solle in Demut vor Gott dem Herrn handeln , und ich hätte jeden Verfolgten des Weges geführt , und hätte ihn geschützt , um wieviel mehr den hohen Bischof Zdik , den ich verehre . Ich bin nebst meinem Knechte , der da steht , mit ihm geritten . « » So gehe mit mir in meine Stube , hochehrwürdiger Bruder Zdik , und du auch , Witiko , bis eure Wohnung bereitet ist « , sagte der Bischof von Passau . Witiko sprach zu Raimund : » Du hast gesehen , was geschehen ist , gehe nun zu unsern Tieren , sie zu pflegen , und sei dessen gewärtig , was ich dich weiter heißen werde . « Raimund ging durch die Tür hinaus . Der Bischof von Passau berührte den Ärmel an dem braunen Gewande Zdiks , und führte ihn an diesem Ärmel in die Stube von Seide . Witiko folgte . In der Stube führte der Bischof seinen Gast zu einem rotseidenen Stuhle , über dem ein Seidendach war , und nötigte ihn , dort nieder zu sitzen . Witiko wies er ein anderes seidenes Gesiedel an . Witiko setzte sich auch . Der Bischof aber ging zu einer silbernen Glocke , die an einem silbernen Wandarme befestiget war , und tat mit einem silbernen Hammer einen Schlag auf die Glocke . Da dieses Zeichen erscholl , öffnete sich eine Tür , und ein Kämmerling , der ein Gewand von veilchenblauer und gelber Farbe hatte , trat herein . » Rufe mir den Vater Konstantin « , sagte der Bischof . Der Kämmerling ging wieder durch die Tür hinaus . Der Bischof setzte sich auf einen Stuhl neben Zdik . Nach einer Weile kam ein Priester in die Stube , welcher ein schwarzes Gewand an hatte , und eine silberne Kette auf der Brust trug . Zu diesem Priester sagte der Bischof von Passau : » Ehrwürdiger Bruder Konstantin , und Meister im Hochstifte , der hochehrwürdige Oberpriester des Landes Mähren wird dieses Haus als Gast ehren , ich bitte dich , lasse ordnen , was zu dieser Absicht notwendig ist . « » Ich werde meines Amtes walten « , sagte der Priester . Er verneigte sich vor den zwei Bischöfen , und ging wieder durch die Tür hinaus . » Und nun sei noch einmal in meinem Hause willkommen , Bruder Zdik « , sagte der Bischof von Passau . » Ich habe es gewußt , daß du dem flüchtigen Haupte ein Kissen geben wirst « , antwortete Zdik , der Bischof von Olmütz . » Was ihr dem geringsten eurer Brüder getan habt , das habt ihr mir getan « , sagte der Bischof Regimbert . » So ist es « , entgegnete Zdik . » Und weil die Geringen dem Heilande gleich sind , so müssen wir sie ehren , und müssen sie ehren , wenn sie Gott heimgesucht hat . In deinem Sprengel sind die Sachen hoch gediehen , Zdik « , sagte Regimbert . » Ich habe meine Hand erhoben , und den Bann über das Land Mähren ausgesprochen , und irre nun flüchtig auf der Erde , und muß die Menschen eines guten Herzens bitten , daß sie mich geleiten und schützen « , antwortete Zdik . » Und so segnet dich der Herr , begnadeter Bruder Zdik « , sagte der Bischof Regimbert . » Ich kann einen Segen nicht erkennen