er es mit hohem Zins bezahlte . Mit Wirthschaftsbeamten zu verhandeln , welche die Stelle des Amtmannes ersetzen sollten , sich selbst um die Aufbringung von Geldern zu bemühen und das Geld , welches ihm bisher nur ein Mittel zur Erreichung seiner Zwecke und zur Befriedigung seiner Wünsche gewesen war , als Selbstzweck zu betrachten , fiel dem Freiherrn schwer . Er dachte daran , Einschränkungen zu machen , aber er wußte nicht , wie er das anfangen oder wem er sie auferlegen sollte , denn in der sorglosen Freiheit des Verbrauches erwachsen , war der Ueberfluß ihm zur Gewohnheit geworden , und er glaubte nur das Nothwendige zu haben , wenn er alles Dasjenige besaß , was ihm irgend wünschenswerth erschien . Sich etwas zu versagen , das verstand er nicht , die Herzogin zu beschränken , hätte ihm ungastlich und grade nach dem unangenehmen Vorfalle mit dem Marquis ungroßmüthig gedünkt . Die Bedürfnisse der Baronin waren immer mäßig gewesen , und ihr auch nur ein kleines Ersparniß vorzuschlagen , würde er in dem Verhältnisse , in welchem er jetzt zu ihr stand , als unehrenhaft und unanständig betrachtet haben . Unglücklicher Weise hatte der Mann , welcher dazu ausersehen war , vom Spätherbste ab die Stelle des Amtmannes zu verwalten , den Freiherrn dadurch für sich einzunehmen gewußt , daß er ihm bemerklich gemacht hatte , es ließen sich große Summen ersparen , wenn man den Insassen der Güter nicht so viel Freiheit ließe , wie die Steinerts es gethan , und namentlich bei dem Kirchenbaue könne man auch jetzt noch sehr beträchtliche Ausgaben vermeiden , wenn man nur die Insassen und Käthner , wie es sich gehörte , zur Arbeit heranzöge und verwendete . Das sollte nun Adam auf des Freiherrn Befehl noch zur Ausführung bringen . Vergebens bewies dieser , daß man die Leute in dem letzten Winter , wo man einen Wald verkauft und völlig ausgeschlagen , sehr stark in Anspruch genommen habe , daß man ihnen bei der drängenden Arbeit in dem späten Frühjahre kaum die Zeit habe gönnen können , ihr Stück Garten und Feld zu bestellen , und daß man sie im Winter zu ernähren haben würde , wenn man sie jetzt nicht so viel als nöthig für sich selber sorgen ließe . Der Freiherr wollte davon nichts hören . Er war in eine Lage und in eine Stimmung versetzt , in welcher er immer nur der nächsten Belästigung enthoben sein wollte , und vor Allem schien es ihm darauf anzukommen , Herbert ' s ein für alle Mal ledig zu werden , der , trotz seines Verlangens , mit Eva zusammen zu sein , nur erst einmal wieder nach Richten gekommen war und sich bei der Beaufsichtigung des Baues durch einen jüngeren Gehülfen vertreten ließ . Es blieb also Adam gar nichts übrig , als sich zu fügen und unter einer Bevölkerung , unter welcher seine Familie seit mehr als hundert Jahren in Liebe und Frieden gelebt hatte , schließlich wider seinen Willen den Frohnvogt zu machen . Er mußte die volle Arbeitszeit der Leute in Beschlag nehmen , sie rundweg abweisen , wenn sie auf die Nachsicht Anspruch machten , welche man ihnen sonst ohne große Opfer hatte bewilligen können . Das gab böses Blut . Wo die Leute beisammen waren , konnte man es sagen hören , daß es eine Sünde und Schande sei , Christenmenschen in das Joch zu spannen , um eine Kirche aufzubauen , mit der sie nichts zu schaffen hätten , und um im Schlosse fremdes Volk zu füttern . Alle Arbeit wurde widerwillig gethan , Vorwände , mit welchen die Leute sich derselben zu entziehen suchten , gaben Anlaß zu Untersuchungen und Strafen ; und diese Strafen machten das Uebel ärger . Heute hatte man Händel und Schlägereien zu schlichten , wenn einer von den Leuten sich bei den Arbeitsforderungen zu stark herangezogen oder einen Anderen bei den Arbeitserlassen einmal begünstigt glaubte , und morgen gab es lose Reden und freche Ausfälle gegen die Herrschaft vor Gericht zu ziehen . Es war , als sei der gute Geist entwichen , der hier bisher gewaltet hatte . Des Zankens , Anschuldigens , Strafens war gar kein Ende mehr . Hätte der Amtmann , wie der Freiherr es verlangte , alle diejenigen zur Rechenschaft fordern wollen , die sich widerspänstig zeigten , und diejenigen eingesperrt , welche grundlos Händel anzettelten , so hätte er noch beträchtlich an Arbeitskräften eingebüßt . Er mußte also ein Auge zudrücken , Mancherlei nicht hören , Vielerlei stillschweigend mit ansehen , um nur durchzukommen , und noch war der Sommer nicht da , als auf den Gütern , auf welchen bis dahin eine für jene Zeiten musterhafte Verwaltung geherrscht hatte , jener Zustand eingetreten war , der nirgends ausbleibt , wo die Befehlenden , weil sie Ungerechtes und Uebermäßiges heischen , Ungesetzliches und Maßloses geschehen lassen müssen , um sich von einem Tage zu dem anderen durchzuschlagen und sich damit zu vertrösten , daß auch übermorgen und nach übermorgen gehen werde , was gestern und vorgestern eben noch gegangen sei . Dem Amtmanne war dieses Treiben ein Gräuel . Wie jeder , der das Land bebaut , hatte er frühzeitig begriffen , daß in der eigenen Lebensführung wie in der Leitung eines Gemeinwesens , mag dies nun groß oder klein sein , Voraussicht und mit ihr Zusammenhang im Handeln die Hauptsache sind ; und wenn er selber auch die Folgen des jetzigen Verfahrens nicht mehr zu tragen haben sollte , so peinigten ihn doch der gegenwärtige Zustand und die Gewißheit , daß die übeln Früchte desselben nicht ausbleiben könnten . Die Schullehrer klagten bereits , daß die Kinder , weil sie zu Hause die Arbeit der zum Dienste befohlenen Erwachsenen verrichten mußten , die Schule versäumten , der Pfarrer beschwerte sich , daß die Leute , weil ihnen gar keine Zeit für ihre eigene Arbeit mehr gelassen würde , Sonntags die Kirche nicht mehr besuchten , daß er das Wort Gottes