Unwirrsch ; aber soviel er auch zu sagen hatte , sowenig vermochte er in Worte zu fassen ; doch die , welche zunächst um den Sarg und die offene Grube standen , verstanden ihn alle . Eine gute Wärterin und Gärtnerin am Grabe Kleopheas war Franziska Unwirrsch , und manche Blume , die sonst an dem öden Ufer nicht fortkommen wollte , von deren Dasein das Dorf Grunzenow bis jetzt nichts gewußt , blühte unter ihrer glücklichen Hand hinter der Kirchhofsmauer , welche den Hügel vor dem Seewind schützte . Eine glückliche Hand hatte das Fränzchen , es gedieh alles unter ihr - die Hungerpfarre , das Schloß , das Dorf . Der Leutnant Rudolf Götz erholte sich nur langsam von der tiefen Erschütterung , die in ihm durch den Tod seiner Nichte hervorgerufen war . Lange Zeit wurde er wieder an seinen Lehnstuhl gefesselt , und nicht jeden Fluch , den er dem Doktor Theophile Stein sandte , konnte das Fränzchen von seinen Lippen wegküssen . Der Oberst wurde immer galanter , seine Burg immer wohnlicher , er sah immer mehr ein , daß » die Welt ohne das Weibervolk keinen Schuß Pulver wert « sei . Ihm nicht weniger als dem Leutnant Rudolf hatte das Schicksal noch manch gutes Jahr aufgehoben . Henriette Trublet hielt es nur bis zum nächsten Frühling in Grunzenow aus . Als die ersten Schwalben ankamen , regte sich das Pariser Blut . Sie wäre kümmerlich vergangen , wenn man ihr nicht die Mittel gegeben hätte , ihre Sehnsucht nach der » Welt « zu befriedigen . Sie weinte bitterlich beim Abschied und glaubte ihn nicht überleben zu können , flatterte aber lustig fort , langte glücklich auf dem Landwege bei Mademoiselle Euphrosyne in Petersburg an und heiratete daselbst im folgenden Jahre einen sehr reichen deutschen Bäcker , den sie so glücklich machte , als sie es vermochte . In dem Frühling des folgenden Jahres entschlief sanft , ohne Krankheit , der alte Josias Tillenius nach einem langen , schönen , segensreichen Dasein , und wenn das harte , wetterfeste , seefahrende Volk dereinst ebenso an dem Sarge des Pastors Unwirrsch weint wie an dem Sarge dieses Greises , so hat er sein Amt am Ufer des Meeres wohl geführt . Über des Hungerpastors Arbeitstisch hängt die Glaskugel , durch die so wundersames Licht auf den Arbeitstisch des Meisters Anton Unwirrsch fiel , bei deren Leuchten der arme Handwerksmann in der Kröppelstraße gleich seinem Handwerksgenossen Jakob Böhme des Lebens Anfang und Ende » entsann « . Johannes hat die Feder weggelegt , mit der er sein Leben und seinen Hunger nicht für den Druck und die Welt , sondern für seinen Sohn beschreibt ; er horcht in tiefen Gedanken auf das Wiegenlied , welches sein Weib ihrem Bübchen singt . Der Schein der glänzenden Kugel trifft auch das Köpfchen des Knaben ; mit großen , verwunderten Augen sieht das Kind empor zu ihr ; es wundert sich über das Licht ! Draußen in der Nacht braust das Meer zornig und wild , und Vater und Mutter horchen von Zeit zu Zeit ängstlich . Es gehen böse Geister um draußen in der Finsternis , Geister , die keinen Platz in dem Lichtkreis der glänzenden Kugel finden , und Vater und Mutter denken an die Zeit , wo auch ihr Kind hinaustreten muß in den Streit mit den Dämonen . Bald wird die Stimme des Meeres der Mutter Lied übertönen ; - dann ist der Anfang des Kampfes gekommen . Wie die Augen des Kindes an der leuchtenden Kugel hangen ! Regt sich schon der Hunger , der die Welt zertrümmert und wiederaufbaut ? Ein Geschlecht der Menschen vergeht nach dem andern , ein Geschlecht gibt die Waffen des Lebens weiter an das andere ; erst wenn der Ruf : » Kommet wieder , Menschenkinder ! zum letztenmal erklungen ist , wird mit ihm zum letztenmal der Hunger geboren werden , welcher die beiden Knaben aus der Kröppelstraße durch die Welt führt . Gib deine Waffen weiter , Hans Unwirrsch !