? Ich werde nicht umsonst an Ihr Herz appeliren ; ich weiß , daß es der Großmuth fähig ist . Meine Wohnung ist Marienstraße 21. Wenn Sie die drei engen Treppen nicht scheuen , so werde ich morgen , Sonntag , zwischen 10 und 12 Uhr zu Ihrem Empfang bereit sein . Ihre ergebenste Dienerin Marie Montbert . Nr. 4. Sie bestehen auf dem Rendezvous , das , wie Sie sagen , durchaus kein geheimnißvolles sei , denn es fände auf offener Straße , an einem der lebhaftesten Punkte der Stadt und zu einer Zeit , wo die Straßen noch von Fußgängern schwärmten , statt . Sie wollen mir die Gründe , die Sie bestimmen , meinen Wunsch , » so schmerzlich es Ihnen auch sei , « nicht zu erfüllen , selbst sagen , und Sie schwören mir , ich werde diese Gründe , wenn ich sie erfahren , billigen . Sind Sie dessen so gewiß ! - Aber freilich , Sie sind der Geber - ich die Empfängerin - ich muß mich wohl Ihren Wünschen fügen ; daß Sie mich täuschen wollten , will ich , kann ich nicht denken . Sie sind einmal so großmüthig gegen Arme und Hülflose gewesen , Sie können das andere Mal gegen ein armes , hülfloses Mädchen nicht so ungroßmüthig sein . M.M. Nr. 5. Herr Baron ! Nochmals meinen innigsten , herzlichsten Dank ! Dank auch für die Zartheit , mit welcher Sie Alles eingeleitet hatten ! Wie bitter Unrecht habe ich Ihnen gethan ? Aber konnte ich ahnen , daß Sie mich dem Herrn Obristen von St. Cyr selbst bekannt machen würden ? daß ich aus dem Munde dieses Veteranen in meiner geliebten Muttersprache den Heldentod meines Vaters sollte erzählen hören ? Sie wollten nicht , daß der Obrist die Tochter eines Helden , den letzten Sproß einer einst reich begüterten , angesehenen Familie in so dürftigen Verhältnissen fände ; Sie wollten mir die Verlegenheit ersparen , den Grafen von St. Cyr und den Baron von Grenwitz in einer Dachkammer zu empfangen . Sie zogen es vor , mich als Erzieherin in einer Ihnen nahe verwandten Familie vorzustellen - und es war am Ende recht und billig , daß ich in Ihrer Gesellschaft den kranken und von der Reise angegriffenen alten Herrn in seinem Hotel aufsuchte . Nochmals vielen , vielen Dank ! auch dafür , daß Sie auf dem langen Rückweg vom Hotel bis zu meiner Wohnung den frischen Schmerz durch ein Schweigen ehrten , das Ihnen bei Ihrem lebhaften Naturell gewiß nicht leicht geworden ist . Wodurch habe ich denn nur das Interesse , welches Sie an meinem Schicksal nehmen , verdient ? Ich bin doch wahrlich recht unartig und unfreundlich gegen Sie gewesen ! Sie fragten mich zuletzt , ob ich jetzt glaube , daß Sie es gut mit mir meinen ? Dieser Brief mag Ihnen darauf Antwort geben . Sie verlassen morgen die Stadt - reisen Sie glücklich , und lassen Sie sich durch die beifolgende kleine Arbeit - ich habe sie in dieser Nacht gefertigt - manchmal erinnern an Ihre dankbare Marie Montbert . Nun ist das Püppchen geknetet und zugerichtet , sagte Albert , der mit einem gar seltsamen und unheimlichen Eifer - wie ein Beschwörer , der die Recepte eines Nebenbuhlers in der schwarzen Kunst studirt - die schon mehrmals gelesenen Briefe wieder las . Dieser Harald , das muß man ihm lassen - war der richtige Rattenfänger . Ich möchte nur wissen , was für eine Sorte von Obrist das gewesen sein mag , der dem dummen Dinge das Märchen von der Beresina aufband . Vielleicht der Teufel Oberster , jedenfalls einer seiner Helfershelfer - die Sache muß dem braven Harald ein schmähliches Geld gekostet haben . Indessen , es wurde zweckmäßig verthan , denn in Nr. 6 hat er schon sehr bedeutende Progressen gemacht . Nr. 6. Kaum kann ich zu mir selbst kommen ! Sie wieder hier um meinetwillen ! hier , weil die Sehnsucht nach mir Ihnen keine Ruhe ließ ! Mein Gott , mein Gott ! wohin soll dies führen ! Sie sind ein reicher Edelmann - ich bin ein blutarmes Mädchen , das , mögen meine Ahnen gewesen sein , wer sie wollten - mit seiner Hände Arbeit sich das tägliche Brod verdient . Meine Vernunft sagt mir , daß aus dem Allen für mich nur Unglück über Unglück erfolgen kann , daß ich Sie fliehen muß - ich weiß nicht , was ich Ihnen gestern gesagt , was ich Ihnen versprochen habe - geben Sie mir mein Wort zurück ! Ich kann Sie heute - ich darf Sie nie , nie wieder sehen . Ich beschwöre Sie , reisen Sie wieder ab . Sie müssen es , wenn Sie mich wirklich lieben . Leben Sie wohl viel tausendmal ! Ihre Marie . Was so ein acht Tage Abwesenheit nicht Alles bewirken können , sagte Albert , sich die Cigarre , die ihm in dem Eifer des Lesens ausgegangen war , wieder anzündend , Ihre Marie ! ausgezeichnet ! wie sich der biedere Harald wohl in ' s Fäustchen gelacht haben mag , als er diese thränenreiche Epistel - denn hier sind noch die Spuren davon - las . Aber weiter ! Nr. 7. Nehmen Sie den köstlichen Schmuck , den heute ein unbekannter Mann für mich abgegeben hat , wieder . Womit habe ich es verdient , daß Sie so niedrig von mir denken ? Daß ich Sie liebe , liebe , trotzdem meine Vernunft mir deshalb die entsetzlichsten Vorwürfe macht , Sie wissen es , ich habe es nicht länger vor Ihnen verbergen können , verbergen wollen ; aber weshalb mir nicht wenigstens den Trost lassen , daß diese meine Liebe rein von jedem unedlen Nebengedanken ist ! Diese kostbaren Rubinen , dieses rothe Gold - es brennt in meiner Hand wie glühende Kohlen - lassen Sie mich , wie Sie mich fanden ! Wenn das arme schmucklose Mädchen Ihre Liebe gewinnen konnte , so