man sie mir abschlägt . « » Es kommt darauf an , wie man die Bitte stellt und mit welchen Gründen man sie unterstützt . Ich wollte sie gleich wagen - wenn ich nur Deine Genehmigung hätte . « » Zuerst müßte denn doch eine Kapelle vorhanden sein - und diese hier .... wird wohl eingehen müssen wegen notwendiger Erweiterung der Stallgebäude ! « sagte Orest und begab sich zu seinen Pferden . Corona ' s Herz wollte auswallen und heiße Tränen hingen an ihren Wimpern . Aber da kam ihr der Gedanke , sie sei der Gnade nicht wert , daß unter ihrem Dache die Feier der heiligsten Geheimnisse begangen werde . Und die Aufwallung des jungen raschen Herzens legte sich . Sie trat in die Schule der Demut ein und übte sich mehr und mehr in der Kunst der Heiligen , welche der Psalmensänger in dem Wort zusammenfaßt : » Drücke dein Herz nieder und leide . « Orest hatte in Interlaken gehört , Judith werde den Winter an der italienischen Oper in Paris singen . Im Karneval erklärte er plötzlich seiner Frau , er müsse sich jetzt vierzehn Tage in Paris amüsieren und sie könne während der Zeit nach Windeck gehen . Corona zuckte schmerzlich zusammen . So wenig froh ihr Leben an Orest ' s Seite war , so fühlte sie doch instinktmäßig , daß es besser für sie und für ihn sei , wenn er sich nicht daran gewöhne , sich fern von ihr in den Strudel der Welt zu stürzen . Überdas hatte sie sich noch nicht so recht auf Stamberg eingewohnt . Das junge Ehepaar hatte viele Besuche gemacht und empfangen ; vielen Festen beigewohnt , die ihm zu Ehren von den Nachbarn gegeben wurden . Es hatte sich am Hof des Landesfürsten vorgestellt und das Weihnachtsfest im Vaterhause zu Windeck zugebracht . Corona sehnte sich nach Ruhe . Sie war leidend . Alle Hoffnungen der Erde sind mit Leiden gemischt ; auch die auf Mutterglück . Sie wäre gern auf Stamberg geblieben und sie sagte ihrem Mann , sie hoffe die Einsamkeit von vierzehn Tagen aushalten zu können . Er aber , der in seinem Sinn schon an eine Abwesenheit von sechs bis acht Wochen dachte und sie doch nicht so lange ganz allein wissen wollte , drang darauf , daß sie nach Windeck gehe . Sie tat es - und ihr vierzehntägiger Besuch dehnte sich auf drei Monate aus - denn Orest blieb in Paris . Da setzte sich Graf Damian hin und schrieb ihm : » Lieber Sohn ! ich kenne Dich ; also wundere ich mich nicht , daß Du nicht urplötzlich mit beiden Füßen zugleich in den vernünftigen Ehestand hineinspringst , sondern noch ab und an ein Stückchen Junggesellenleben fortlebst . Lieber wär ' es mir freilich , wenn Du - um mit jenem Holländer zu sprechen - bereits ausgerast hättest . Da dies aber nicht der Fall ist , so sehe ich mich veranlaßt , Dir eine väterliche und freundschaftliche Bemerkung zu machen . Und das ist diese : man läßt seine Frau nicht allein in einer Katastrophe , die ihr das Leben kosten kann , um sich in Paris zu amüsieren . Das ist gegen Anstand , Gefühl und Gebrauch . Diese Katastrophe wird des nächsten für Corona eintreten . Deshalb begleite ich sie morgen mit Tante Isabelle nach Stamberg zurück , wo wir Dich sämtlich mit Ungeduld erwarten . « Dieser kurze trockene Brief tat seine Wirkung : Orest kam . Er kam mit sehr guter Laune , denn er hatte sich mit Judith ausgesöhnt . Ihre Pläne lauteten freilich ganz anders als seine Wünsche . Vorderhand aber war er froh , daß sie den Bann von Interlaken von ihm zurückgenommen hatte . Deshalb ließ er sich auch gar nicht durch Damians etwas kühlen Empfang aus der Fassung bringen und benahm sich wie jemand , der das Recht hat , seine höchst wichtigen Interessen selbständig zu verfolgen . Corona empfing ihn mit liebenswürdiger Freude und Freundlichkeit . Sie hoffte das Herz des Vaters - wenn auch nicht das des Gemahls zu gewinnen . Der Tag Maria Hilf war der Geburtstag der kleinen Felicitas . Corona war selig - selig über ihr Kind ! selig , daß es im Muttergottesmonat an einem Muttergottesfeste auf die Welt kam ! Sie weihte und schenkte es tausendmal der heiligen Jungfrau Maria und rechnete auf sie , wie auf eine Mutter , für die Erziehung des Kindes . Alle edlen und schönen Seelen haben in der Jugend einen Schwung zu den Höhen des Lebens , ein uneigennütziges Verlangen nach Hingebung und Opfer , eine Phantasie , welche den Himmel ohne Wolken , die Vortrefflichkeit ohne Mangel , den Horizont ohne Grenzen , die Rosen ohne Dornen sieht Darin besteht ihr Adel und ihre Schönheit , daß sie sich nicht aufhalten in den Niederungen des Daseins , und - wenn ihnen die Erfahrung später auch zeigt , daß sich an dem Strauch mehr Dornen als Rosen befinden - sie mit umso größerer Freude und tieferer Treue die Rosen pflegen . So machte es Corona . Ihr stiller Durst nach Glück , der in jedem Menschenherzen so wach ist , wie die Unruhe in der Uhr , fand nun seine Labung : sie hatte einen Gegenstand für ihre Liebe . Gott hat der Mutterliebe eine Ähnlichkeit mit der göttlichen Liebe gegeben : sie liebt durch das , was sie gibt , nicht durch das , was sie empfängt . Mutterliebe ist von allen Lieben hienieden die einzige , die genügsam ist , und die , ohne an Dank oder Erwiderung zu denken , fort und fort liebt . Dadurch zeigt sie sich eben als etwas Himmlisches , und je mehr das Übernatürliche in ihr vorherrscht , desto mehr sieht sie im Kinde das Kind Gottes , der es ihr für eine Spanne Zeit anvertraut , damit sie es ihm für die Ewigkeit zurückbringe . So begrüßte , so empfing , so umfing