König sagen , wie die Nürnberger gegen Dich verfahren , und er wird keinen Augenblick zögern ihnen bessere Sitten zu lehren und Dich zu beschützen . Aber sollte Stephan vielleicht den König nicht treffen oder nicht selbst bei ihm Gehör finden , so gieb ihm die Nadel mit , die er Dir einst schenkte - jetzt ist es Deine Pflicht sie zu benutzen . « Elisabeth blickte stolz und zürnend auf : » Welch ' ein Vorschlag ! « rief sie . » Was kann mir an einem Schutz liegen , der nicht ein Schutz meiner Ehre ist ? Und wie möchte eine Bürgerin dieser freien Reichsstadt ein gekröntes Haupt anrufen , dem Nürnberger Rath Vorschriften zu machen , die dieser nicht bedarf ? Für Euch giebt es keinen Schutz als meine Unschuld , und keine Rettung als durch sie . « Ursula sagte : » Gewiß wird sie einst an den Tag kommen , aber wer weiß , ob sich die Sache bald aufklärt ! Wenn ein Fürwort des Kaisers es nur dahin bringt , daß man - « Elisabeth schnitt die Rede vom Munde der Freundin ab und ergänzte sie in ihrer Weise : » Daß man ein Recht habe zu sagen : Da ist es doch erwiesen , daß Elisabeth Scheurl des Königs Buhlerin gewesen - wie nähme er sonst die Giftmischerin in seinen Schutz ? Kein Wort mehr davon ! Es ist wahrlich nicht leicht fortzuleben unter der Wucht dieses entsetzlichen Verdachtes , jeden Augenblick bereit vor rohen und hämischen Richtern zu stehen , die nur darauf lauern , ein stolzes Weib zu demüthigen : aber leichter ist es noch , als wie sich ihnen nur durch fremde Fürsprache zu entziehen , welche der Bosheit neue Waffen in die Hand drückt und uns vor uns selbst erniedrigt . « Elisabeth blieb fest bei dieser Antwort , was auch Ursula noch dagegen reden wollte . » Wenn man nun doch keine Schonung für Dich kennt ! « rief sie angstvoll , » wenn man es wagen sollte Deinen zarten Leib der Folter auszusetzen - neben all ' ihren Qualen den tausendmal entsetzlicheren durch die Blicke und Berührungen der gräßlichen Folterknechte ! - Wenn wir nun gar nichts weiter vom König erflehen wollten als seine Fürsprache , Dir das zu ersparen ? « Wohl schauderte Elisabeth , aber sie antwortete : » Gegen solche Entehrung wird mich dieser Dolch beschützen ! « - und sie zeigte einen solchen , den sie verborgen in ihrem Trauerkleide trug ; » aber ich hoffe noch , daß mich dagegen auch die Fürsprache meiner Brüder , Deines Gatten und Vaters und ein paar anderer , mir noch ergebener Rathsherren bei den Schöppen schützt ! Nicht mit einer andern Entehrung will ich vor der einen mich retten ! - Ursula , ich beschwöre Dich ! wenn die Gefühle der Dankbarkeit , die Dich für mich beseelen , wie Du mir immer sagst , Dich antreiben etwas für mich zu thun , so laß es das sein , daß Du Deinen Gemahl abhältst , zum König zu eilen und ihm von meinem Unglück zu sagen . Es ist noch ein Trost für mich , wenn er wenigstens es nicht kennt , nicht ahnt , was der Frau geschehen , die er vielleicht gerade darum vor Andern auszeichnete , weil sie ihn zwang an weibliche Tugend zu glauben ! « So mußte Ursula traurig auf ihren Vorschlag verzichten , in dem sie einen Rettungsschimmer für die Freundin gesehen , der sie das ganze Glück ihres Lebens dankte . Von ihrem Bruder Georg begleitet war Elisabeth auf das Rathhaus in ' s Verhör gegangen . Wer die schöne Frau so gehen sah im kohlschwarzen dunklen Trauerkleid , Hals und Arme von Krepp umschlossen , und vom Haupt herab fast die ganze Gestalt mit einem wallenden Kreppschleier umhüllt - der mußte immer gestehen , daß in dieser majestätischen Haltung und dem festen Gange , den sie angenommen , kein Schuldbewußtsein lag . Trotz aller Mühen ihrer Feinde war nichts aufgefunden worden , sie bestimmt des Mordes ihres Gatten zu zeihen , aber eben so wenig sie von dem Verdacht desselben zu entbinden . Sie beantwortete alle an sie gerichtete Fragen mit einfacher Kürze und Würde , und da sie sich in nichts widersprach , so konnte auch der gegen sie erhobene Verdacht keine Steigerung finden . Die Aussage Katharina ' s : die Geldbörse Scheurl ' s von seiner Gattin erhalten zu haben , wies sie als freche Lüge zurück . Sie war bereit , ihre Aussagen wie ihre Unschuld zu beschwören , erklärte aber selbst , daß sie , bis die schauderhafte That an das Licht gekommen , und ihr und dem Namen ihres Gatten vollkommen Gerechtigkeit geworden , ihr Haus nicht verlassen werde . Der Eindruck , den ihre Erscheinung in ihrer ruhigen Sicherheit und weiblichen Majestät machte , war doch ein solcher , dem keiner der Schöppen und Rathsherren , die mit im Verhörzimmer waren , sich entziehen konnte ; es wagte keiner , ihr mit der Folter zu drohen , oder auch nur mit Ketten und Gefängniß ; sie lasen auf ihrer reinen Stirn die Reinheit ihres Gewissens , sie behandelten sie mit Achtung , trotz allen Vorsätzen , welche Einige vorher daheim gefaßt , ihre Verachtung der stolzen Frau empfinden zu lassen und sie recht tief in den Staub zu treten . Sie ging so stolz und frei fort , wie sie gekommen - und doch auch so niedergedrückt und bange athmend : denn sie war ebenso wenig frei gesprochen worden als schuldig erklärt . In diesem Zustand verging ein Tag nach dem andern . Denn nur in gewissen Fällen übte der Rath von Nürnberg schnelle Justiz : wenn es nämlich seinen Ruf und sein Recht nach Außen zu wahren galt , namentlich dem Adel , Fürsten und Herren und unruhigen Grenznachbarn gegenüber . Dann eilten die gestrengen Herren von Nürnberg zu zeigen , daß Niemand sie ungestraft kränken und beleidigen dürfe